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SCHÖNE WORTE

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Regenwetter Meinen Mantel umgeschlagen Schweif’ ich einsam durch die Straßen. Nebelgraues Regenwetter – Grau der Himmel – grau die Gassen.

Regenwetter

Meinen Mantel umgeschlagen

Schweif’ ich einsam durch

die Straßen.

Nebelgraues Regenwetter –

Grau der Himmel – grau

die Gassen.

Nebelgraues Regenwetter –

Doch an Blumenfenstern

lauschen

Lächelnd rosig schöne Mädchen,

Möchten nicht mit mir dort

tauschen.

Und sie lächeln, und sie sprechen:

„Jener hat wohl einen Sparren,

Der im Regen dort umherläuft –

Seht den langen blassen

Narren!“ –

Ei was kümmert mich

der Regen!

Der ist minder mir beschwerlich,

Als das Blitzen eurer Augen –

Dieses wird mir sehr gefährlich.

Denn von eurer Augen Gluten

Brennt mein Herz, das ohne Schutz ist,

Während gegen Regenfluten

Mir mein Regenmantel nutz ist.

Heinrich Seidel

(1842-1906) war Ingenieur und Schriftsteller. Er entwarf zum Beispiel die damals in Europa einmalige Dachkonstruktion des Anhalter Bahnhofs in Berlin.

1880 entschied er sich, sein „sonderbares Doppelleben“ aufzugeben und widmete sich ausschließlich der Schriftstellerei. Sein noch heute gelesenes Buch „Leberecht Hühnchen“ handelt von einem Mann, der über die Kunst verfügt, glücklich zu sein.

LN

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