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Kultur im Norden SHMF Avital im Dom
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18:13 12.08.2017

Lübeck. Avi Avital, der Porträtkünstler des SHMF, ist endgültig beim Lübecker Publikum angekommen. Für seinen Auftritt mit dem „Venice Baroque Orchestra“ im ausverkauften Dom kündigte Avital eine venezianische Nacht in seiner Begrüßung an: Kompositionen von Antonio Vivaldi und folkloristische Gondellieder. Auch eine Besetzungsänderung gab er bekannt: Für die erkrankte italienische Sopranistin Silvia Frigato sprang ihre katalanische Kollegin Nuria Rial ein, „eine der besten Barocksängerinnen“ laut Avi Avital.

Schnörkellos und schlackenrein erhob sich denn auch die Stimme von Nuria Rial. Wie der Gesang einer Lerche schwang sie sich in die Höhe, wenn sie eine Canzone anstimmte. Um im Bilde zu bleiben: Eine Lerche ist kein Pfau, der sich spreizen würde. Der edle Gesang erreichte auch ohne großes Auftrumpfen seine Wirkung. Eine Ausnahme war die Arie aus der Vivaldi-Oper „La fida ninfa“, bei der die Stimme dramatisch aufflammen durfte und auch in den letzten Reihen zu hören war. Das ist ein Problem in dem riesigen Raum: Bei zarten Stellen – und die gab es reichlich – bekommt das Publikum in der Nähe des Lettners nicht viel mit.

Im Mittelpunkt des Abends stand das bekannteste Werk Antonio Vivaldis, seine „Vier Jahreszeiten“. Die Stimme der Sologeige war dabei durch die Mandoline ersetzt. An den feinen, silbrigen Klang musste man sich natürlich erst gewöhnen. Aber das war ja eben das Besondere dieses Konzertabends. Avi Avital hatte auch die Rolle des Konzertmeisters übernommen, gab mit dem Kopf Einsätze, hielt die Fäden in der Hand.

Die Musiker des venezianischen Barockorchesters spielten weitgehend auf alten Instrumenten. Das Paradestück der Jahreszeiten haben sie natürlich drauf. Sie beachteten die geforderte Stufendynamik zwischen auftrumpfenden Melodieteilen und ihrer leisen, geheimnisvollen Wiederholung. Die Canzonen wurden dabei nur von der Bassgruppe und dem Cembalo begleitet. Avi Avital gesellte sich bei den Liedern mit einer Miniatur-Mandoline dazu. „Kein Spielzeug“, wie er erklärte. Das Publikum ging begeistert mit und erklatschte sich nach dem zweistündigen regulären Programm zwei Zugaben.

Konrad Dittrich

LN

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