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Saisonstart mit einer großen Nachtmusik

Lübeck Saisonstart mit einer großen Nachtmusik

Das Philharmonische Orchester Lübeck begann seine Konzertreihe mit einem Gastdirigenten aus der Schweiz.

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Der 38-jährige Schweizer Dirigent Simon Gaudenz.

Quelle: Foto: TL

Lübeck. Lauschige Sommernächte gab es in den vergangenen Wochen auch in unseren Breiten. Das erste Sinfoniekonzert des Lübecker Philharmonischen Orchesters knüpfte nahtlos daran an. „Sommernächte“ lautete die Überschrift. Komponisten aus Österreich, der Schweiz und Spanien standen auf dem Programm. Verantwortlich für den musikalischen Verlauf war ein Schweizer, dazu ein Pianist aus Helsinki — Musik ist eben eine internationale Sprache.

Gastdirigent Simon Gaudenz hatte die Partituren im Kopf. Er setzte mit klaren Handbewegungen Akzente, ließ das Orchester aber auch laufen, wenn alles stimmte, und es stimmte bei diesem Auftakt der heimischen Konzertsaison. Wie es aussah, auch die Chemie zwischen dem 38 Jahre alten Gast und den Musikern im Orchester.

Mit Joseph Haydn begann das Programm, mit einer seiner Tageszeiten-Sinfonien aus jungen Jahren, „Le Soir“, der Sinfonie Nr. 8 G-Dur. Formell wurden immer wieder Anklänge an die Vorform der Sinfonie, das Concerto grosso, hörbar. Da begaben sich einzelne Instrumente mit dem Orchester in intensiv gestaltete Zwiegespräche. Das galt nicht nur für die Geige oder das Cello, sondern im dritten Satz auch für den Kontrabass. Im recht langen Andante baute der Dirigent dynamische Akzente ein, damit die Spannung erhalten blieb. Im Finale wählte er ein Rausschmeißer-Tempo. Dabei ging es vor der Pause noch weiter mit Othmar Schoeck und seinem nachromantischen Klanggemälde „Sommernacht“. Das „pastorale Intermezzo“ für Streicher nach einem Gedicht von Gottfried Keller hatte Form und Format. Das Orchester war verstärkt worden, um die Romanze auszumalen. Auch hierbei ergaben sich schöne Solomomente für Konzertmeister Carlos Johnson oder Hans-Christian Schwarz am Cello.

Manuel de Falla entführt in seinem impressionistischen Tongemälde „Nächte in spanischen Gärten“ in die Weite Andalusiens. Bestens aufgelegt das Orchester. Man konnte sich bei den intensiv ausgesponnenen Episoden vorstellen, wie die Menschen zwischen haushohen Hecken und Wasserflächen des Generalife von Granada spazieren oder in den Bergen Cordobas wandern.

De Falla hat in seiner Komposition das Klavier einbezogen. Nicht im Gegenüber zum Orchester, sondern für bestimmte Klangfarben. Der junge Finne Antti Siirala (34) fügte sich in diese Funktion bestens ein. Glasklar seine Einwürfe und Ergänzungen. Dass sein Anschlag auch über andere Register verfügt, bewies Siirala mit der Zugabe. Passend zum Thema des Programms war das ein Nocturne von Frederic Chopin; am Sonntagmorgen die Nr. 2 aus der Dreiergruppe op. 9. Konrad Dittrich

LN

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