Volltextsuche über das Angebot:

20 ° / 12 ° Regenschauer

Navigation:
Sammler ziehen Bilder zurück

Berlin Sammler ziehen Bilder zurück

Gesetz zum Schutz von Kulturgut sorgt für Irritationen – Grütters erwartet von Museen Unterstützung.

Berlin. Das umstrittene neue Kulturgutschutzgesetz zeigt in deutschen Museen erste Auswirkungen. Leihgeber sind verunsichert, vereinzelt haben Sammler ihre verliehenen Kunstwerke sogar zurückgezogen. Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) appellierte an die Museen, das Gesetz, das den illegalen Handel mit Kunstobjekten verhindern soll und die Ausfuhr von „national wertvollem Kulturgut“ verbietet, offensiv zu verteidigen. „Für die Museen und auch für die privaten Leihgeber verbessert sich sehr viel durch die neuen Regelungen, die Museen sind die Hauptprofiteure dieses Gesetzes“, sagte Grütters.

 

LN-Bild

„Wir befürchten, spannende Projekte nicht mehr realisieren zu können.“Christoph Grunenberg, Direktor der Kunsthalle Bremen

Quelle:
LN-Bild

„Niemand wird bei uns in Deutschland enteignet.“ Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU)

Quelle:
LN-Bild

„Wir befürchten, spannende Projekte nicht mehr realisieren zu können.“Christoph Grunenberg, Direktor der Kunsthalle Bremen

Quelle:

Diese Botschaft ist offensichtlich noch nicht überall angekommen. „Derzeit scheinen das Gesetz und die Diskussion dazu die Abstimmungen mit Eigentümern von Kunstwerken wie potenziellen Leihgebern zu erschweren“, sagte Sprecherin Tine Nehler von den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, einem der großen Sammlungsverbünde in Deutschland. „Es ist für Museen aufwendiger geworden, Überzeugungsarbeit zu leisten und mit ihnen zusammenzuarbeiten, was nicht immer gelingt.“

Für eine Paul Klee-Ausstellung, die für Anfang 2018 in der Münchner Pinakothek der Moderne geplant ist, hat das Museum laut Nehler erstmals eine Absage eines Leihgebers bekommen, der sie explizit mit dem Kulturgutschutzgesetz begründete. Die Ausstellung werde aber trotzdem stattfinden.

Eine Sprecherin des Museums Kunstpalast in Düsseldorf sagte, es zeichne sich ab, dass das Kulturgutschutzgesetz die Kooperation mit Sammlern erschweren könne. In zwei Fällen hätten Sammler mit Hinweis auf das Gesetz Werke, die sie dem Kunstpalast als Dauerleihgabe übergeben hatten, nicht für befristete Ausstellungen in anderen Häusern zur Verfügung gestellt.

Auch bei der Bremer Kunsthalle sieht man das Gesetz skeptisch. „Wir befürchten, dass wir zukünftig spannende Ausstellungsprojekte nicht mehr in gewohnter Größe und mit den passenden Werken realisieren können“, sagte Direktor Christoph Grunenberg. So habe sein Haus bei der Vorbereitung einer Max-Liebermann-Ausstellung eine deutliche Verunsicherung bemerkt. „Im Vorfeld haben Galerien und Privatsammler, die dem Haus bisher leihfreudig gesinnt waren, Leihanfragen aufgrund des damaligen Gesetzesentwurfes negativ beantwortet“, berichtete er.

Aus dem Sprengel Museum in Hannover hat ein ausländischer Dauerleihgeber aufgrund des neuen Kulturgutschutzgesetzes bereits seine 13 Werke zurückgezogen. Direktor Reinhard Spieler hofft allerdings, ihm vermitteln zu können, dass Leihgaben aus dem Ausland bei Einfuhr mit einer Rückgabegarantie ausgestattet werden, und die Werke wieder zurückkommen.

Grütters sagte, sie erwarte von den Museen, „dass die Verantwortlichen in den Häusern sich jetzt sachkundig machen und ihre Leihgeber über die Vorteile der Neuerungen informieren“. Die CDU-Politikerin verwies auf den jüngsten Fall in Hildesheim. Dort sollte eine Ausstellung mit wertvoller chinesischer Kunst vorzeitig schließen, weil private Sammler ihre Leihgaben aus Verunsicherung über die neuen Regeln zurückziehen wollten. Erst eine ministerielle Zusicherung den Sammlern gegenüber wendete den Eklat ab.

Grütters betonte: „Ich bedauere sehr, dass durch die teils unsachlich geführte Debatte viele Sammler immer noch verunsichert sind. Umso mehr sind nun die Museumsdirektoren gefordert, im Zweifelsfall für Aufklärung zu sorgen. Denn niemand wird bei uns in Deutschland enteignet.“ Das Gesetz beziehe sich nur auf wirklich herausragende Kunstwerke, die aufgrund ihrer Besonderheit für das kulturelle Selbstverständnis Deutschlands identitätsstiftend seien.

Andere Museen demonstrieren Gelassenheit. Die Staatlichen Museen in Berlin, die insgesamt für 19 Häuser und 15 Sammlungen verantwortlich sind, berichten von keinerlei Komplikationen. „Ich glaube, das wird total aufgebauscht“ sagt der Direktor der Bremer Museums Weserburg, Peter Friese. Bei Leihgaben sei alles vertraglich geregelt. „Wenn mir jemand ein Bild leiht, gebe ich es wieder zurück.“

LN

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur im Norden