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Lübeck Schlag nach im Norden

In Lübeck beginnen morgen die Literaturtage von und mit Autoren aus Schleswig-Holstein.

Lübeck. Lübeck. Wie lange muss man in Norddeutschland wohnen, um als Einheimischer zu gelten? Franz Kratochwil lebt seit mehr als 25 Jahren in Schleswig, doch sein Wiener Dialekt verrät ihn als Einwanderer. Ein Engagement brachte den Schauspieler und Autor an das Landestheater. „Hier bleibst du höchstens ein Jahr“, dachte er bei der Ankunft. Inzwischen hat der 67-Jährige im Norden sein Zuhause gefunden.

LN-Bild

In Lübeck beginnen morgen die Literaturtage von und mit Autoren aus Schleswig-Holstein.

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„Heimat, fremde Heimat“ heißt das Motto der Literaturtage, die norddeutschen Autoren morgen und am Sonnabend in Lübeck ein Podium bieten. Veranstaltet werden sie seit 2006 vom Verband der Schriftsteller in Schleswig-Holstein, dessen Vorsitz Franz Kratochwil vor einem Jahr übernommen hat. Schreiben ist ein einsames Geschäft, und so versteht sich der Verband als Netzwerk, das Autoren der Region zusammen und an die Öffentlichkeit bringt.

130 Mitglieder gehören dem Verein derzeit an. „Wir bieten ihnen die Möglichkeit, Lesungen durchzuführen und ihre Bücher zu präsentieren“, sagt Kratochwil, der sich selbst dem Schreiben von Haikus, einer aus Japan stammenden Kunst der Kurz-Gedichte, verschrieben hat.

Als Highlight bezeichnet Kratochwil die jährlichen Literaturtage, die in unterschiedlichen Städten und nun erstmals in Lübeck stattfinden. „Historische Orte wie das Buddenbrookhaus oder das Rathaus sind einfach sehr reizvoll für unsere Veranstaltungen.“ Und so werden morgen zur Eröffnung im Audienzsaal des Rathauses acht Schriftsteller aus ihren Büchern oder Manuskripten lesen, unter anderem der Lübecker Autor Alexander Neufeld. Er ist für die Organisation der Veranstaltungen verantwortlich und voll des Lobes: „Die Stadt war sehr offen und kam unseren Wünschen entgegen.“ Neufeld wird Lyrik und Prosa aus seinem 2012 erschienenen Buch „Das Tägliche“ lesen. „Es geht um die Spannungsfelder des modernen Menschen“, seine Texte seien sehr gesellschaftskritisch. Abends dürfen sich die Besucher dann bei „Tapas und Toten“ entspannen beziehungsweise gruseln. In einem Lübecker Steakhouse wird zum Krimi- und Fantasy-Abend geladen.

Insgesamt stellen 17 Autoren aus Schleswig-Holstein bei den Literaturtagen ihre Werke vor. Um den Publikumspreis zum Thema „Heimat, fremde Heimat“ bewerben sich Linda Arndt, Ingeborg Jakszt-Dettke, Anna Malou, Aleksandra Migniewicz, Renate Folkers und Jan Jens Westermann. Das Thema bezieht sich in erster Linie auf die Situation der Flüchtlinge, die in der Fremde neuen Halt suchen, ist aber durchaus weiter gefasst. Die Zuhörer dürfen per Stimmzettel über den Gewinner entscheiden.

Zwei Lesungen beenden am Sonnabend die literarischen Tage: Der Lübecker Lyriker Klaus Rainer Goll hat aus Briefwechseln, Tagebüchern und Gedichten „Begegenungen mit Katja Mann“ verfasst. Von 1970 bis zu ihrem Tod 1980 stand Goll im Briefwechsel mit der Witwe Thomas Manns, begegnete ihr aber 1975 nur ein Mal persönlich. Goll hielt den Kontakt auf literarische Weise, die sich in Briefen, Gedichten und Prosastücken äußerte.

Die NDR-Moderatorin Bettina Tietjen ist das prominente Zugpferd zum Abschluss. Sie liest aus ihrem Buch „Unter Tränen gelacht“, in dem sie über die Demenzerkrankung ihres Vaters und die letzte gemeinsame Zeit mit ihm schreibt. Und vielleicht wird sie ja danach auch Mitglied des Schriftstellerverbandes Schleswig-Holstein wie schon ein anderer Promi-Gast vor ihr. Der in Kiel lebende türkischstämmige Bestsellerautor Feridu Zaimoglu („Siebentürmeviertel“) hatte vor einigen Jahren als Gast auf den Literaturtagen gelesen — und unterschrieb kurz danach seinen Mitgliedsantrag, um die Arbeit des Verbandes zu unterstützen.

Zwei Tage Literatur in Lübeck

Freitag: 15 Uhr Eröffnung mit Autorenlesungen im Audienzsaal des Lübecker Rathauses. Musikalische Begleitung: Lara Meyer-Struthoff auf der Harfe.

19 Uhr: Krimi- und Fantasyabend im Maredo Steakhouse, Sandstraße 24-28.

Sonnabend: 15 Uhr Autorenlesung und Vergabe des Publikumspreises zum Thema „Heimat, fremde Heimat...“ im Gewölbekeller des Buddenbrookhauses, Mengstraße 4. Musikalische Begleitung:

Paulina Pospieszny auf der Violine.

19 Uhr, Buddenbrookhaus: Klaus Rainer Goll liest aus „Begegnung mit Katia Mann — Ein Briefwechsel". Im Anschluss ist Bettina Tietjen mit einer Lesung aus ihrem Buch „Unter Tränen gelacht“ zu erleben.

Der Eintritt ist dank der Unterstützung mehrerer Sponsoren für alle Veranstaltungen frei.

Von Petra Haase

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