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Kultur im Norden Schlichte Schönheit und stringente Klarheit
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20:22 24.09.2016

Noch immer ist ungeklärt, ob das Wort Konzert vom lateinischen „concertare“ (wetteifern) oder „conserere“ (miteinander verbinden) stammt. Seit Anbeginn der Rezeption des Klavierkonzerts von Schumann steht vor allem letzteres im Vordergrund: Die besondere Verbindung von Klavier und Orchester. Auch wenn immer wieder von dem Ineinanderfließen von Klavier und Orchester gesprochen wird – herausragender Solist des Saison-Eröffnungskonzertes der Elbphilharmoniler ist Jan Lisiecki. Der mittlerweile 21-jährige Pianist, ehemals als „Wunderkind“ bezeichnet, geht mit seinem Spiel weit über bloße Virtuosität hinaus. Im Schumann’schen Klavierkonzert würde das allerdings auch weniger zum Tragen kommen, tritt hier doch vor allem romantisches Schwelgen statt klassischer Formensprache in den Vordergrund. Lisiecki kriecht förmlich in das Orchester hinein, spielt Einsätze unauffällig und ist gleichzeitig ganz plötzlich da. Die berühmte Tonfolge C-H-A-A – deshalb berühmt weil Schumann sie aus der italienischen Namensform seiner Frau Clara (Chiara) hat entstehen lassen – erscheint vom Beginn an bei Lisiecki in immer anderer Farbe. Mal erklingt das Thema mit zweifelnder Zerbrechlichkeit, dann etwas gefasster. Selbst bei den Soloparts meint man zu hören, dass das Orchester noch spielt. Ganz schlicht. Einfach schön.

Mit den Worten „Guten Abend. A little bit more Schumann“, kündigt Lisiecki dann persönlich seine Zugabe an: Die Träumerei. Bitte fang noch nicht an, denkt man, als vom hinteren Bereich der Rotunde in der Musik- und Kongresshalle noch Getrampel zu hören ist. Lisiecki wartet. Mit allem nur denkbaren Charisma wendet er sich zum Publikum, um die Absatzgeräusche mit seiner Hand wie das Pendel eines Metronoms nachzuahmen.

Umrahmt wurde das Klavierkonzert mit Tondichtungen von Richard Strauss: Zunächst „Don Juan“, als Schlussstück dann die Nietzsche-Vertonung „Also sprach Zarathustra“. Bei beiden Werken wendet Dirigent Krzysztof Urbanski mit dem NDR Elbphilharmonie Orchester eine Art interpretatorische Stringenz an: Dem Hang zur Ekstase geht er aus dem Weg. Stattdessen schafft er eine Klarheit, die nie in eine unbedeutende Transparenz zerfällt. Das Ergebnis: Eine Bestätigung, dass ein Ton nicht groß sein muss, um zu leuchten.

kk

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