Volltextsuche über das Angebot:

22 ° / 10 ° Regenschauer

Navigation:
„Schulter runter, Kopf hoch!“

„Schulter runter, Kopf hoch!“

In den Meisterkursen des SHMF geben hochkarätige Musiker ihr Wissen an junge Talente weiter – Ein Besuch beim Unterricht des Cellisten Jens Peter Maintz in der Musikhochschule Lübeck.

Voriger Artikel
Udo Lindenberg in der Warteschleife
Nächster Artikel
Die Wagners privat mit Hitler

Haydn auf hohem Niveau: Hochkonzentriert hört Jens Peter Maintz der 21-jährigen Cellistin Anastasia Kobekina zu und arbeitet mit ihr 45 Minuten lang am ersten Satz von Haydns Cellokonzert. Vor 25 Jahren besuchte der spätere Cello-Professor selbst Meisterkurse an der Musikhochschule Lübeck.

Quelle: Ulf-Kersten Neelsen

Lübeck. Auf dem Tisch in der Anmeldung für die Meisterkurse stapeln sich Müsliriegel. Nervennahrung für die hochbegabten Jungtalente, die ab 10 Uhr jeweils 45 Minuten lang dem Meister gegenübersitzen und so viel wie möglich lernen möchten. Der Meister – in Poloshirt, Shorts und Turnschuhen – hat sich schon auf dem Violoncello warmgespielt: Jens Peter Maintz, Professor an der Universität der Künste in Berlin, Solo-Cellist in Claudio Abbados Luzerner Festivalorchester und als Solist und Kammermusiker auf großen Bühnen der Welt unterwegs. Jetzt lehnt er sich lässig an sein Instrument und konzentriert sich auf die erste Schülerin an diesem Tag. Anastasia Kobekina setzt sich ihm gegenüber, ohne Vorgeplänkel beginnt sie Haydns Cellokonzert Nr. 2 in D-Dur.

Hochkonzentriert und rasant spielt die 21-Jährige den ersten Satz, der Meister blickt ebenso fokussiert. „Das war nicht schlecht“, sagt er, und das Aber steht im Raum.

Musik, so ist zu lernen, hat mit Haltung zu tun. „Schulter runter, Kopf hoch! Du musst dich mehr öffnen“, sagt Maintz und spielt, scheinbar entspannt, ein paar Takte. Den Gasthörern dieses Meisterkurses – Studenten und zwei ältere Besucherinnen – bieten sich zwei Bilder. Anastasia Kobekina: Haydn ist Arbeit. Jens Peter Maintz: Haydn ist Vergnügen.

Mit hoher Präzision und gleichzeitig leichtfüßig spielen zu lernen, ist ein langer Prozess, und die Nachwuchsmusiker auf diesem Weg zu begleiten ist ein Anliegen der Meisterkurse des SHMF. Anastasia Kobekina soll mehr aus dem Handgelenk spielen, der Ansatz des ersten Tones wird korrigiert, die Bogenführung verändert, virtuose Stellen werden mit verschiedenen Rhythmusmodellen geübt. Es ist ein intensives Arbeiten auf hohem Niveau, denn Anastasia Kobekina, 1994 im russischen Jekaterinburg geboren, ist bereits solistisch mit Orchestern wie den Moscow Virtuosi, dem Tschaikowsky- Sinfonieorchester Moskau, den Wiener Symphonikern und dem Mariinsky Theatre Orchester aufgetreten und hat zahlreiche Preise abgeräumt. In der Kronberg Academy hat sie gerade ihren Bachelor absolviert und beginnt im Oktober ihr Masterstudium bei Jens Peter Maintz in Berlin. Sie ist begeistert vom Meisterkurs des SHMF. „Alles ist perfekt organisiert und stimmt vom Preis-Leistungsverhältnis.“ 400 Euro kostet ein Kurs, darin enthalten sind vier Stunden sowie Unterbringung und Mittagessen. Aus zahlreichen Bewerbungen hat Jens Peter Maintz zwölf Meisterschüler ausgewählt. „Er konzentriert sich wirklich auf jeden Schüler und nicht auf das Publikum. Ich freue mich jetzt noch mehr auf das Studium bei Professor Maintz.“

Für den Cellisten ist die Arbeit in der Lübecker Musikhochschule eine Reise zurück zu den Wurzeln, denn hier hat er bei David Geringas studiert und nahm vor 25 Jahren selbst an Meisterkursen bei Heinrich Schiff, Frans Helmerson und Boris Pergamenschikow teil. „Es war eine großartige Ergänzung zum Studium, ich habe unheimlich von diesen großen Musikern profitiert. Nun ist es eine große Ehre, dass man mich gefragt hat, Meisterkurse zu geben.“ Abends ist der 48-Jährige dann noch ein wenig auf alten Spuren unterwegs. „Ich war schon in meiner alten Studentenwohnung.“

Inzwischen spielt Montserrat Egea Tapetado auf der Bühne. Die 18-Jährige ist für den Meisterkurs aus Toledo angereist, mit ihr begibt sich Jens Peter Maintz auf die Suche nach mehr Klangfarben in ihrem Spiel. Sechs weitere Schüler werden an diesem Tag noch von ihm unterrichtet – und am Ende hat der Stapel der Müsliriegel erheblich abgenommen.

Anastasia Kobekina ist am 31. Juli ab 11 Uhr beim Musikfest auf dem Lande auf Gut Hasselburg zu erleben.

Musizieren mit Meistern

Der Cellist Jens Peter Maintz gibt heute und morgen noch Meisterkurse von 10 bis 13 Uhr. Das Abschlusskonzert findet morgen um 20 Uhr im Großen Saal der Musikhochschule statt, Tickets kosten 12, ermäßigt 7 Euro.

Weitere Meisterkurse: 2.-7. August: Ida Bieler (Violine), 2.-7. August: Miklós Perényi (Violoncello), 3.-9. August: Helen Donath und Klaus Donath (Gesang), 7.-13. August: Anatol Ugorski (Klavier) und 9.-13. August: Olaf Bär (Gesang).

In der Musikhochschule Lübeck finden alle Kurse statt. Gasthörer müssen sich nicht anmelden, Gasthörerausweise werden nicht reserviert. Karten gibt es im Büro der Meisterkurse in der Musikhochschule, geöffnet täglich von 9 bis 13 und von 14.30 bis 18.30 Uhr. Am 30. und 31. Juli bleibt das Büro geschlossen.

Tageskarte: 10/6 Euro, ab dem dritten Tag eines Kurses 8/5 Euro.

Weitere Infos: Tel. 0451-1505 393 oder www.shmf.de

Petra Haase

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur im Norden