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Schwarz-rot-gold blüht der Enzian

Hamburg Schwarz-rot-gold blüht der Enzian

Er kann es nicht lassen: Wieder covert Heino, was ihm zu Ohren kommt — Diesmal sind es Fußball-Songs, passend zum Start der Fußball-EM — Hinsichtlich der Kurventauglichkeit geht er auf Nummer sicher.

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... Volksmusiker Heino (77). Mit dem Album „Arschkarte“ wird es wieder rockiger.

Hamburg. . Strohblond und mit dunkler Sonnenbrille war Heino (77) jahrzehntelang Vorzeige- Volksmusiker. Mit seinen drei jüngsten Alben „Mit freundlichen Grüßen“, „Schwarz blüht der Enzian“ und „Arschkarte“ erfindet er sich als Rocker noch einmal neu. Mit seiner neuen CD will er im EM-Zirkus mitmischen.

 

LN-Bild

Um ein Haar wäre er in jungen Jahren Fußballer geworden, jetzt singt Heino (77) Fußballsongs — passend zur bevorstehenden Europameisterschaft.

Quelle: Starwatch/Bartz

Bei einem lässt Heino keine Zweifel aufkommen: Joachim Löws Weltmeister-Elf holt sich auch bei der Fußball-EM in Frankreich den Titel. „Ja, das ist doch ganz klar, dass Deutschland gewinnt“, bekräftigt der Mann mit der dunklen Sonnenbrille — und schiebt seine fachliche Analyse gleich hinterher: „Früher war es ja immer so, dass wir technisch nicht so auf dem Höhepunkt waren, aber in der heutigen Zeit hat der Jogi Löw schon ein paar Supertechniker dabei.“

Spielerisch ist für Heino also schon mal alles paletti. Fehlt noch die Atmosphäre. Und da sieht sich der 77-jährige Sänger freilich selbst in der Verantwortung. Zehn Jahre nach dem Sommermärchen will er mit seinem neuen Album „Arschkarte“, das übermorgen erscheint, die schwarz-rot-goldene Fan-Seele streicheln.

Jogi Löws Jungs dürfen

ihre Stimmbänder schonen

Erst „Mit freundlichen Grüßen“, dann „Schwarz blüht der Enzian“, jetzt „Arschkarte“: Es ist die dritte Platte in Folge, auf der der selbst ernannte „Neurocker“ aus Bad Münstereifel bekannte Kompositionen aufwärmt. „Es gibt ja viele schöne Fußball-Lieder“, sagt Heino. Titel wie „Buenos Dias, Argentina“ (von Udo Jürgens), „Schwarz und Weiß“ (von Oliver Pocher) oder „Samba de Janeiro“ (von Bellini) wollte er aber nicht im bekannten Stil aufnehmen. „Wir machen sie ein bisschen rockig“, war seine eindeutige Vorgabe.

So etwa bei „Fußball ist unser Leben“ für die WM 1974 von der Nationalmannschaft gesungen. Schon dmals hatte Wim Thoelke in seiner Anmoderation den WM- Klassiker als „Schicksalslied der Profis“ der Lächerlichkeit preisgegeben — noch bevor Sepp Maier, Gerd Müller und Co. ihr erstes „Ha! Ho! Heja heja he!“ anstimmten. Heino quetscht den Song nun in Bierzelt- Atmosphäre und nennt das „Rocknummer“ mit „ordentlich Druck“ — oder eben, was man sich in der Schlagerwelt darunter vorstellt.

Eins jedoch ist beruhigend: Im Gegensatz zu etwas peinlichen Einlagen früherer Generationen dürfen Jogis Jungs ihre Stimmbänder schonen. Heino ist sich aber sicher: Wenn er Teammanager Oliver Bierhoff vor einem Jahr angerufen hätte, „dann wäre sehr wahrscheinlich etwas zustande gekommen“ (siehe Interview rechts).

Dennoch steht der zwölfte Mann aus dem Schlagerzirkus nicht völlig allein da: In jeden seiner elf Album-Titel frickelt Heino ärgerlicherweise Fankurvenstimmung aus der Konserve hinein. Der einzige Song, bei dem das wirklich funktioniert, ist „Allein bist du nie“. In Howard Carpendales deutscher Version des Stadion-Klassikers „You‘ll Never Walk Alone“ (Gerry & The Pacemakers) führt Heino seine ausgereifte Stimme endlich zu ihren Stärken. Es ist der vorletzte Song des Albums. Warum er die weltberühmte Hymne auf deutsch singt, erklärt er so: „Seit den 60er Jahren, als ich anfing, habe ich immer schon gesagt: Deutsche Musik und unsere Sprache dürfen wir nicht verleugnen. Deswegen bin ich immer zu deutschen Schlagern, zu deutschen Volksliedern gestanden. Die amerikanischen und englischen Lieder, alles, was da auf uns zugekommen ist, da sind zwar schöne Sachen dabei, aber das war nicht so mein Ding.“

Fußballfan hin oder her: Wer die Vorgänger-Alben schon peinlich fand, wird auch mit „Arschkarte“ so seine Probleme haben. Wem jedoch Heinos ewig rollendes R und sein Humpatata-Rhythmus nichts ausmachen, der kann sich mit der CD schon langsam auf das Turnier in Frankreich vorbereiten. Textsicher sollte man dann schon sein.

DREI FRAGEN AN...

1 Wie kamen Sie auf die Idee, ein Fußball-Album aufzunehmen? Da die Europameisterschaft dieses Jahr stattfindet, haben wir gesagt, okay, dann nehmen wir doch Fußball-Lieder auf und machen sie nicht im alten Stil, wie man sie kennt — so wie „Buenos Dias, Argentina“ oder „Schwarz und Weiß“ —, sondern wir machen sie ein bisschen rockig, ein bisschen schneller, ein bisschen moderner. Ich glaube, da ist mir wieder was ganz Gutes gelungen.

2Haben Sie denn beim DFB-Teammanager angefragt, ob die National-Elf Lust hat mitzusingen? Nein, das haben wir leider nicht gemacht. Wenn ich den Oliver Bierhoff ein Jahr vorher angerufen hätte, dann wäre sehr wahrscheinlich etwas zustande gekommen. Aber da wir uns kurzfristig entschieden haben, was zu machen, wollten wir den Kreis der Nationalmannschaft auch nicht stören.

3Bevor Sie Sänger wurden, haben Sie auch aktiv Fußball gespielt. War das einmal eine Karriere-Option? Ich habe 1948 angefangen im Fußballclub Schwarz-Weiß 06. Und mit 18 Jahren habe ich in Düsseldorf in der Stadtmannschaft gespielt. Aber dann habe ich aufgehört, weil ich mir gesagt habe: Fußball ist ganz schön, aber ich mache lieber Musik. Und Musik kann ich auch länger und bis ins hohe Alter machen. Als Fußballer ist dann irgendwann mit 30 die Karriere zu Ende.

Von Sebastian Fischer

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