Volltextsuche über das Angebot:

22 ° / 10 ° Regenschauer

Navigation:
Sechs Bildersucher aus Dresden

Lübeck Sechs Bildersucher aus Dresden

Künstler-Freunde mit vielen Gemeinsamkeiten und Unterschieden stellen in der Galerie von Hubertus Hoffschild in Lübeck aus.

Voriger Artikel
In der Stille einer Ferieninsel
Nächster Artikel
Lebenslust und Lebensschmerz

Versuche, eine vollkommenere Welt zu schaffen: „Innenweltmaler“Marten Kirbach neben einem seiner Bilder.

Quelle: Lutz Roeßler

Lübeck. Geheimnisvolle Landschaften, abstrakte Acrylbilder, Dinge aus dem Alltag junger Leute in beinahe fotorealistischer Darstellung – man könnte meinen, der Lübecker Kunsthändler Hubertus Hoffschild wolle einmal die Vielfalt zeitgenössischer Malerei zeigen. Das aber ist nicht die Absicht. Vielmehr hat Hoffschild sechs junge Künstler aus Dresden zusammengebracht, allesamt Absolventen der dortigen Hochschule für Bildende Künste. Zumindest eine weitere Gemeinsamkeit gibt es: „Wir wollen etwas Gutes, Lichtvolles in die Welt bringen“, sagt Lutz Bleidorn.

Sein Freund und Kollege Marten Kirbach malt abstrakt. Er sei ein Innenweltmaler, betont der 36-Jährige: „Ich könnte nie wie van Gogh mit der Staffelei in die Natur gehen.“ Kirbach verwendet Acrylfarbe, die schnell trocknet. Er lässt sich aber Zeit beim Malen. Seine Bilder bestehen oft aus 20 oder 30 Schichten. Manchmal hat Kirbach eine konkrete Bildidee, manchmal entstehen Formen und Farben erst beim Malen auf der Leinwand. „Wir sind keine Bildermaler, sondern Bildersucher“, sagt er.

Auf den Bildern Lutz Bleidorns sind Anklänge an die Natur deutlicher, aber sie bleiben dennoch im Vagen. „Ich lege es nicht darauf an, einen Baum zu malen, sondern bringe Farbe auf die Leinwand, und es sieht aus wie ein Baum“, sagt der Künstler. Bleidorns entrückt wirkende Landschaften lassen erkennen, dass auch er ein Innenweltmaler ist.

Hoffschilds Draht zu den Malern aus Dresden begann in Berlin. Dort entdeckte er in einer Galerie ein „sehr kleines Bild mit einer ungeheuer großen Ausstrahlung“. Es stammte von Paul Pretzer, über ihn – der inzwischen allerdings in Berlin und in New York lebt – lernte er dessen Künstler-Freunde, unter ihnen mit Nadine Wölk auch eine Frau, kennen.

Pretzer, Jahrgang 1981, lässt einem eigenartigen Wesen kahle Zweige mit Spinnen aus dem kahlen Kopf sprießen. Nebenan deutet ein nackter Mensch mit glühendem Finger auf in der Luft schwebende Gebilde. Bilder von hintergründigem Humor, die Aufmerksamkeit saugen. Man braucht nur den Kopf zu wenden, um sich in einer völlig anderen Bilderwelt wiederzufinden, in Eric Kellers ungefähren Landschaften mit einem rauchenden Schornstein inmitten einer von Dunst oder Nebel verschleierten Umgebung. Noch mehr verlangen die Landschaftsbilder von Jan Kromke, ihnen ohne Eile zu begegnen. Erst dann sind der Horizont oder Wellen in einer dunklen Fläche zu entdecken.

„6 aus Dresden“, Goethestraße 8, bis 9. Juli.

liz

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur im Norden