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Kultur im Norden Selbstironie, Sex und „Sailing“
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21:16 13.09.2013
Mit 68 noch gut in Form: Rod Stewart. Quelle: Foto: Jazz Archiv

„Ich will nicht noch mit 50 auf der Bühne stehen wie eine Parodie meiner selbst und ,Da ya think I‘m sexy‘ singen.“ Dass Rod Stewart diesen Satz aus einem Interview von 1980 auf die Leinwand projizieren lässt, während er — mittlerweile 68 — besagten Titel auf der Bühne performt, zeugt von einer gehörigen Portion Selbstironie. Mit einem fulminanten Best-Of seiner 43 Jahre währenden Solokarriere begeisterte das Rock-Raubein 6000 Besucher in der Hamburger O2 World.

Begleitet von handverlesenen Backgroundsängerinnen und Musikerinnen — darunter die platinblonde Saxofonistin Katja Rieckermann aus Bad Schwartau — zelebrierte „Rod the Mod“ mit seinem berühmten Platzhirschtänzeln und Wackelpo sein Werk. Da swingt die Debütsingle „Maggie May“ wie anno ‘71, sorgen „You‘re in my heart“ und „I don‘t wanna talk about it“ beim Akustikset für Feuerzeugromantk beim 50-plus-Publikum. Durch „Baby Jane“ krächzt sich die Rocklegende dieser Tage lieber eine Oktave tiefer als im Original. Eine fulminante Bühnenshow zeigt dazu flirrende Psychedelicmuster, schwebende Seepferdchen, einen weinenden Weltstar im Fußballstadion oder Schwarzweißmaterial aus frühen Small-Faces-Tagen an der Seite von Ron Wood.

Das unverwüstliche „Sailing“ zeigt den jungen Stewart als strubbelköpfigen Matrosen. Lediglich zwei Titel aus dem aktuellen Album „Time“ — seinem erfolgreichstem seit 20 Jahren — hat der notorische Frauenheld im Gepäck. „Brighton Beach“ zelebriert elegisch Erinnerungen an eine Jugendliebe , die er, so das Bekenntnis, in der englischen Küstenstadt als Teenager geschwängert habe: „Inzwischen ist sie 50 — die Tochter, nicht die Mutter.“

Zu „Hot Legs“ fliegen dann wie gewohnt signierte Fußbälle ins Publikum: Dass der passionierte Anhänger von Celtic Glasgow auch hier zuweilen buchstäblich ins Schwarze trifft, liegt am abgehängten Oberrang in der nicht ausverkauften Halle.

Alexander Bösch

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