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Kultur im Norden Senioren lernen Klavier für die Wissenschaft
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19:12 28.12.2017

Die Teilnehmer im Alter von 64 bis 76 Jahren machen in dem Zeitraum drei Mal umfangreiche Tests auf verschiedene Fähigkeiten. Zudem werden mögliche Veränderungen ihrer Hirnstruktur mit bildgebenden Verfahren wie MRT untersucht. Die etwa 60 Probanden werden in zwei Gruppen unterteilt. 30 von ihnen erhalten einmal wöchentlich kostenlos Klavierstunden in Hannover, die andere Hälfte wird in Musiktheorie und Musikgeschichte unterrichtet. Beide Gruppen müssen täglich etwa 30 Minuten den gelernten Stoff wiederholen beziehungsweise Klavier üben. Weitere 40 Studienteilnehmer werden in Genf in der Schweiz unterrichtet.

Ein Jahr lang werden Senioren für die Studie in Hannover musikalisch unterrichtet. Quelle: Foto: Oz-Bild

„Wir wissen, dass sich die Nervenzellen im Gehirn auch im Alter weiter anpassen können“, sagt der Neurologe und Musikwissenschaftlers Eckart Altenmüller, der das Projekt leitet.

„Vom aktiven Klavierspiel erwarten wir vor allem eine verbesserte Vernetzung der Hirnregionen, die für Bewegen und Wahrnehmen zuständig sind.“

Getestet werden soll, ob die Probanden durch den Klavierunterricht ihre Reaktionsfähigkeit und ihr Arbeitsgedächtnis verbessern. Auch wird untersucht, ob sich die Stimmung mit dem Musizieren verbessert. Die Teilnehmer sollten als Kind nicht länger als sechs Monate ein Instrument gelernt haben und müssen möglichst gesund sein.

Es sei erwiesen, dass Musizieren jung halte, sagt Altenmüller. „Definitiv, dazu gibt es bereits Studien. So wurde festgestellt, dass die Gehirne von musizierenden Amateuren im Schnitt etwa fünf Jahre jünger sind als die Gehirne von Menschen, die keine Musik machen. Musizieren ist ein ganz starker Reiz für unsere Neuroplastizität, also Hirnvernetzung, weil es eine so komplexe Tätigkeit ist. Dazu gehören das Hören, Bewegen, Fühlen, Sehen und vor allem das Planen. Beim Musizieren muss man sich immer auf neue Situationen einstellen, es hält fit im Alter. Andere kreative Tätigkeiten wie Malen halten übrigens auch jung.“

Musik komme heute vor allem „eine unterstützende Rolle zu“, sagt der Wissenschaftler. Bei Parkinson oder Multipler Sklerose werde sie zusätzlich zu Medikamenten eingesetzt. Ihre Heilkraft sei seit Jahrtausenden bekannt.

LN

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