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Sie lassen die Puppen tanzen

Siek Sie lassen die Puppen tanzen

Im kleinen Ort Siek hat sich eine vielfältige Kulturszene entwickelt.

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Dieta und Uwe Kahle haben die Marionetten der Puppenbühne geschenkt bekommen, die nach 30 Jahren geschlossen hat.

Quelle: Bettina Albrod

Siek. Am Anfang war das Bügelbrett: Hinter dem standen Sänger und Poeten und zeigten beim ersten „Sieker Kulturjam“, was Kreatives in ihnen steckt. Aufgestellt hatten das ungewöhnliche Pult Dieta und Uwe Kahle, die gerade nach Siek gezogen waren und der Dorfkultur einen Raum geben wollten. Mittlerweile ist daraus der „Sieker Kreis“ geworden; ein Kulturverein mit 78 Mitgliedern, der jetzt fünf Jahre existiert und seit einem Jahr auch eine eigene Kulturstätte betreibt. „Unser Ziel ist es, regionalen Künstlern eine Öffentlichkeit zu geben“, erläutern die Initiatoren. „Viele Menschen schreiben, malen oder musizieren, ohne davon zu erzählen.“

Der Sieker Kreis

Einen Überblick über die Vereinstätigkeit gibt die Seite www.sieker-kreis.de im Internet. Das Hörspiel von und mit Hauke-Harro Hand soll im Juni oder Juli aufführungsreif sein. Das Manuskript wurde nach historischen Vorlagen erstellt.

Bei den Kahles aus dem Dorf trauten sie sich, und manch unentdecktes Talent bekam so eine Bühne. „Einmal hat der erste Flötist des NDR-Sinfonieorchesters im Stormarnschen Dorfmuseum in der Diele ein Konzert auf 60 Flöten gegeben“, erzählt Uwe Kahle. Danach sprach Hauke-Harro Hand aus dem Nachbardorf Hoisdorf Kahle an und bot an, etwas auf Plattdeutsch vorzutragen. „Platt op de Deel“ war sofort ausverkauft, und als der Autor dann auch noch einen Roman aus der Schublade holte, griffen Kahles zu. „De nich will dieken, de mutt wieken“, heißt das Stück, das 1644 in die Planungszeit von Friedrichstadt entführt. Themen sind die Eindeichung und der Ausbau der Stadt, wofür der Herzog von Gottorf Fremde anwarb, zumeist aus Glaubensgründen vertriebene Holländer. Als die Amsterdamer Geldgeber eine finanzielle Beteiligung der Süderstapeler Bauern forderten, kam es zum Streit. Der tobt in einem Dorfkrug, und Uwe Kahle sah sofort Parallelen zur Gegenwart.

„Der Roman hat absolut aktuelle Bezüge“, erklärt er, „Klimaschutz und Migranten, das passt zur heutigen Situation.“ Mehr noch: Auch der Dorfkrug kann wieder auferstehen, denn seit einem Jahr restauriert der Sieker Kreis einen alten Kotten, um ihn für Veranstaltungen nutzen zu können. Ein Sieker Landwirt hat dem Verein die alte Kate zur Verfügung gestellt. „Darin ist sogar Fachwerk zum Vorschein gekommen“, so Kahles, „da können wir den Dorfkrug eins zu eins nachbilden.“ Hier soll Hauke-Harro Hands Werk uraufgeführt werden, denn Kahle hat daraus ein Hörspiel gemacht, genauer gesagt eine szenische Lesung.

„Der Roman besteht hauptsächlich aus Dialogen, da bot sich das an“, so Kahle. „Der Text wird auf Plattdeutsch gelesen, aber mit Kostüm und Geste begleitet.“ Dazu kommen Bild- und Tonaufnahmen, um das Ganze möglichst authentisch rüberzubringen. Auf einen ersten Aufruf hin haben sich so viele Sprecher gemeldet, dass es am 18. März ein Casting gibt. „Ich wünsche mir Sprecher, die ausdrucksvoll betonen“, macht Uwe Kahle mit einer Stimme vor, in der man die Nordsee donnern hört. „Wir nehmen das Hörspiel professionell auf.“

Das Projekt ist eines von vielen, das Geld in die Vereinskasse bringen soll. Denn bisher hat der Kotten keine Heizung. „Am 14. Mai machen wir der ersten Poetry-Slam auf der Diele“, kündigen Kahles an, „dafür können sich gerne noch Interessenten melden.“ Jedes Jahr gibt es die Sieker Kunstmeile, auf der Künstler aus dem Dorf ihre Werke zeigen. Neu ist das Café Lisbeth im Kotten: „Wir haben ein paar alte Möbel geschenkt bekommen, den Kotten damit eingerichtet und bieten sechs Wochen lang an den Ausstellungswochenenden Kaffee und Kuchen an“, erzählt Dieta Kahle. Auch ein weißes Dinner hat es dort schon gegeben. Die Arbeit des Vereins wird von der Gemeinde finanziell unterstützt, auch diverse Stiftungen haben schon geholfen.

Von Bettina Albrod

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