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„Sie soll ein Haus für alle sein“

Hamburg „Sie soll ein Haus für alle sein“

Knapp ein Jahr nach Eröffnung der Elbphilharmonie ist die Kritik an den hohen Baukosten weitgehend verstummt. Wer kann, genießt Hamburgs neues Aushängeschild. Noch immer aber sind Karten nur schwer zu bekommen. Unmöglich aber sei dies nicht, sagt Intendant Christoph Lieben-Seutter: Man müsse sich nur etwas gedulden.

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Intendant Christoph Lieben-Seutter vor der Elbphilharmonie.

Quelle: Foto: Michael Zapf

Hamburg. Herr Lieben-Seutter, Sie mussten jahrelang die Frage beantworten, wann die Elbphilharmonie fertig wird. Was werden Sie jetzt am häufigsten gefragt?

LN-Bild

Knapp ein Jahr nach Eröffnung der Elbphilharmonie ist die Kritik an den hohen Baukosten weitgehend verstummt. Wer kann, genießt Hamburgs neues Aushängeschild. Noch immer aber sind Karten nur schwer zu bekommen. Unmöglich aber sei dies nicht, sagt Intendant Christoph Lieben-Seutter: Man müsse sich nur etwas gedulden.

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Wie komme ich an Tickets?

Und: Wie komme ich an Tickets?

Mit ein bisschen Geduld. Man bekommt für die Elbphilharmonie Tickets, wenn man ein bisschen flexibel ist, was den Termin und die Veranstaltung betrifft. Die Konzerte sind immer schnell ausverkauft, aber es kommen laufend neue Veranstaltungen dazu.

Haben Sie eigentlich wirklich gesagt, der Saal würde auch mit einer Kamm blasenden Putzfrau voll?

Das ist mir bei der dritten Rede im Zuge der Eröffnungsfeierlichkeiten so rausgerutscht.

Ist der Satz trotzdem richtig?

Die Nachfrage nach Karten ist ungebrochen.

Ewig wird das aber wohl nicht so bleiben. Bereiten Sie sich auf so etwas wie Normalität vor?

Normalität ist ein interessanter Begriff im Bezug auf die Elbphilharmonie: Das Haus ist einzigartig und wird sicher über Jahre, wenn nicht Jahrzehnt, eine außerordentliche Attraktion bleiben.

Trotzdem ist klar, dass diese ungeheure Nachfrage, die momentan bei einigen Konzerten bis zum 20-fachen des vorhandenen Platzes geht, irgendwann zurückgeht. Das könnte vielleicht nach zwei Jahren der Fall sein.

Wird es nach den Erfahrungen des ersten Jahres Veränderungen bei der Akustik geben?

Wir sind glücklich mit der Akustik. Was den Kleinen Saal betrifft, gibt es uneingeschränkte Begeisterung. Und der Große Saal ist ein Präzisionsinstrument. Wir haben in jedem Genre herausragende Konzerte erlebt, nur findet nicht jeder Künstler gleich heraus, wie er funktioniert. Der Saal ist ja wie eine Schüssel: Die Bühne liegt unten am Boden, und der Großteil des Publikums sitzt über der Bühne. Wer diese Architektur verinnerlicht, ist als Künstler sofort viel besser zu erleben und zu hören als jemand, der im Lampenfieber an der Rampe steht und nur für die Leute spielt, die direkt vor ihm sitzen.

Wer ist bisher am besten mit der Akustik klargekommen?

Ein echtes Aha-Erlebnis war kurz nach der Eröffnung das erste Gastorchester: Riccardo Muti und das Chicago Symphony Orchestra sind ohne Probe auf die Bühne gekommen, und drei Minuten nach Konzertbeginn war der Klang phantastisch ausbalanciert. Da wussten wir gleich: Es funktioniert.

Haben Sie auch das Gegenteil erlebt?

Durchaus. Es gab einige wenige Konzerte, bei denen auch Dirigenten, von denen ich viel halte, nicht so klargekommen sind oder eine Vorstellung realisieren wollten, die der Saal nicht hergibt.

Was gibt er denn nicht her?

Der Saal klingt unglaublich klar, transparent und sehr räumlich. Das ist ein Erlebnis bei Werken quer durchs 20. Jahrhundert. Da hört man die Raffinesse und Details der Musik wie in kaum einem anderen Saal. Sehr gut geht auch frühes Repertoire: Barockmusik und Frühklassik. Am kniffeligsten ist die Romantik: Den warmen Wohlfühlklang, für den diese Musik geschrieben ist, muss das Orchester verstärkt selbst machen.

Ist es schwer, sich mit dem Musikprogramm thematisch gegen die Attraktion der Architektur zu behaupten?

Die Architektur ist ein Qualitätsversprechen, das wir programmatisch einlösen wollen. Das gilt zumindest für das Kernprogramm, die Eigenveranstaltungen und die Konzerte unserer Partner. Ein Haus wie dieses kann aber nicht ein einziges künstlerisches Profil haben. In den beiden Sälen haben wir etwa 650 Veranstaltungen pro Jahr – da entsteht eine große Vielfalt, die auch gewünscht ist. Schließlich will die Elbphilharmonie ein Haus für alle sein.

Zehn Jahre gewartet

Christoph Lieben-Seutter wurde 1964 in Wien geboren. Er hat unter anderem in der Computerbranche gearbeitet und in seiner Heimatstadt elf Jahre lang das Wiener Konzerthaus geleitet. Seit September 2007 ist Lieben-Seutter Generalintendant der Hamburger Laeiszhalle und der Elbphilharmonie, auf deren Eröffnung am 11. Januar 2017 er fast zehn Jahre warten musste. Seit Vertrag dort läuft noch bis 2021.

Interview: Stefan Arndt

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