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Sieben Konzerte auf einen Streich

Lübeck Sieben Konzerte auf einen Streich

Mit seinen „Familienstücken“ will Violin-Virtuose Daniel Hope ganz Lübeck zum Klingen bringen. Eindrücke vom zweiten Teil.

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Musik und Texte zur Nacht: Daniel Hope und Schauspielerin Iris Berben im Kolosseum.

Quelle: Olaf Malzahn

Lübeck. Lübeck. Herrliche Musik in ungewöhnlichen Räumen: Der 1973 in Südafrika geborene Geiger Daniel Hope absolvierte bei seinem Lübeck-Musikfest ein Marathon-Programm als Geiger, Organisator und Musikvermittler.

LN-Bild

Mit seinen „Familienstücken“ will Violin-Virtuose Daniel Hope ganz Lübeck zum Klingen bringen. Eindrücke vom zweiten Teil.

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I.

„Kammermusik unter Freunden“ war das Konzert im Logenhaus neben der Aegidienkirche überschrieben, Hauptwerk war das Klavierquintett op. 34 von Johannes Brahms. Dramatisch und leidenschaftlich gingen Daniel Hope und Willi Zimmermann (Geige), Philip Dukes (Bratsche), Daniel Geiss (Cello) und Sebastian Knauer (Klavier) den Kopfsatz an. Friedliche Stimmung im Andante, voller Energie Scherzo und Finale. Daniel Hope spielte hier übrigens nur zweite Geige, überließ

Zimmermann, Konzertmeister des Züricher Kammerorchester, das erste Pult.

II.

Wie passt irischer Folk zu Hopes „Familienstücken“? Man wolle verschiedene Musikrichtungen präsentieren, erklärte er. Mit Lúnasa, „der besten irischen Band der Welt“, spielte er im Hafenschuppen C den ersten Song und erwies sich dabei auch als virtuoser Fiddle-Spieler. Flötist Kevin Crawford prophezeite: „Auf dem Festival habt ihr ihn zum letzten Mal klassische Musik spielen gehört.“ Lúnasa eroberte das Publikum mit mitreißenden Stücken und humoriger Gute-Laune-Moderation. Ohne Zugaben ließ man die Iren nicht gehen.

III.

Im Kolosseum klang der Abend glanzvoll aus. Daniel Hope und das Zürcher Kammerorchester begeisterten das Publikum mit den Nachtmusiken „Der Tod und das Mädchen“ von Franz Schubert und Mieczyslaw Weinbergs Concertino op. 42 für Violine und Streichorchester. Hope hatte einen weiteren Star an seiner Seite: Iris Berben, die Gedichte von Georg Trakl und Franz Kafka las, Gedichte zur Nacht. Keine Texte, mit denen man Menschen einlullen kann. Mit ihrem innigen Vortrag weckte die Schauspielerin beim Publikum die Konzentration, um es – bereichert durch Wohlklänge und kluge Worte – in die Nacht versinken zu lassen.

IV.

In der Kindervorstellung am Sonntagmorgen machte es Daniel Hope spannend – im Hafenschuppen 6 war er als Musikvermittler im Einsatz. „Peter und der Wolf“ von Sergej Prokofjew stand auf dem Programm mit dem Zürcher Kammerorchester und Mitgliedern des Festivalorchesters. Hope bot eine Performance, mal mit Wolfsmütze mit weit aufgerissenem Maul auf dem Kopf, mal mit Jägerhut. Er trug den Text brillant vor, feine Anspielungen wie ein mit französischem Akzent sprechender Wolf, der Fußball spielen will, krönten diesen Spaß.

V.

Nochmals „Kammermusik unter Freunden“, diesmal im klassizistischen Halbrund der Reformierten Kirche. Schumanns Klavierquintett op. 44 stand am Beginn mit Simon Crawford-Phillips am Flügel und Hopes Streichfreunden, Milly Zimmermann, Philip Dukes und Daniel Geiss. Schön austariert, pendelnd zwischen Auftrumpfen und empfindsamen lyrischen Gedanken, kam der erste Satz daher. In bedächtigem Tempo schritt der einem Trauermarsch ähnelnde zweite. Bravourös wurden das feurige Scherzo, mit Spielwitz das Finale musiziert. Bei Mozarts Klavierquartett KV 478 wurden trotz des freundlichen Nachmittags die Molltrübungen nicht unterschlagen.

VI.

Drei junge Frauen und ein Flügel – das Klaviertrio „Some Handsome Hands“ besteht seit 2004. Die Idee, sechshändig zu spielen, sei an der Hochschule entstanden, erzählte Anne Salié, eine der drei Gründerinnen. Kompositionen für sechshändiges Klavier sind nicht sehr zahlreich, und so spielen die drei Werke, die eigens für sie geschrieben worden sind, oder Transkriptionen. Außer großer Präzision und Spielfreude beherrschen die drei auch noch Klavier-Akrobatik und feine Komik, etwa wenn sie beim „Hummelflug“ ein unsichtbares Insekt umschwirrt, das schließlich mit den Händen erlegt wird. Verschwenderischer Applaus.

VII.

Fulminanter Abschluss in St. Jakobi. Der Perkussionist Michael Metzler schritt zu Beginn mit der großen Trommel durchs Mittelschiff, die Streicher folgten. Auf dem Podium gesellten sich zu den Streichern Hope und Simos Papanas (Geige) sowie Nicola Mosca (Cello) Emanuele Forni (Laute) und Naoki Kitaya (Cembalo). Daniel Hope führte als Conferencier durch die Musikgeschichten von Renaissance bis Barock. Ein Füllhorn musikalischer Köstlichkeiten wurde ausgeschüttet, und dieses Mal erhielt das Publikum sogar eine Zugabe.

Liliane Jolitz, Konrad Dittrich

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