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Kultur im Norden Sinfonie mit Kanonenschuss
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19:13 04.08.2016

Bei Auftritten von Justus Frantz sind Überraschungen nicht auszuschließen. Mit seiner Philharmonie der Nationen war er beim SHMF in der MuK zu Gast. Haydn und Beethoven standen auf dem Programm. Bei Haydn und Beethoven blieb es. Aber anders als angekündigt. Intendant Christian Kuhnt unterstrich zunächst in einer launigen Rede die Verdienste des SHMF-Erfinders. Seine Energie, sein Charme, seine Überzeugungskraft hätten vor 30 Jahren das Wunder fertig gebracht, Klassik aufs Land und in die Kleinstädte zu bringen.

War er krank oder nur indisponiert? Justus Frantz dirigierte mit Körpereinsatz. Quelle: Erik Nielsen/fotonick

Dann kam der Schlenker. Kuhnt: „Aber Justus Frantz ist auch ein Mensch, und Menschen werden krank.“ Frantz habe auf ärztliche Anweisung alle Verpflichtungen absagen müssen. Auch für den Tag des Lübecker Konzertes habe der Arzt Bettruhe verordnet. Kuhnt weiter: „Justus Frantz kümmert sich nicht darum; er wird dirigieren.“ Allerdings werde er nicht zusätzlich als Pianist auftreten. Das dritte Klavierkonzert von Ludwig van Beethoven werde deshalb entfallen.

Vor der Pause erklangen zwei der Londoner Sinfonien Joseph Haydns. Frantz begann mit der Es-Dur-Sinfonie Nr. 103. Da gab es zu Beginn nicht nur den berühmten Paukenwirbel. Der Komponist habe „ad libitum“ eine Kadenz für die Pauke erlaubt, sagte Frantz. So erhielt das Publikum ein kleines Percussion-Solo als Auftakt. Haydns Nr. 103, vielleicht sein reifstes sinfonisches Werk, ist alles andere als ein Einspielstück. Frantz achtete auf dynamische Abstufungen, dämpfte seine Philharmonie an vielen Stellen. An anderen drehte er auf, unterstrich den vollen, feurigen Klang. Ansonsten fehlte der Feinschliff, Einsätze wackelten an mehreren Stellen, auch die Solovioline kam nicht immer lupenrein.

Mit breitem Pinsel wurde der erste Haydn des Abends gemalt. Danach dann die populäre „Sinfonie mit dem Paukenschlag“. Der Schlag sitzt im zweiten Satz und kommt nach 16 Takten des Themas unvermittelt. Frantz drehte sich vor dem Einsatz um und schaute in den Saal. Aha, dachten Belesene, er will sehen, ob jemand geweckt werden muss. Der Paukenschlag war allerdings kein solcher. Es klang donnernd nach einem Kanonenschuss. Das gleiche am Schluss des Satzes. Offenbar gab es hinter dem Publikum eine zweite Pauke für diesen Knalleffekt. Kräftig und deftig folgte das Menuett. Das Finale, im Sturmschritt abgeliefert, war der beste Satz vor der Pause.

Im zweiten Teil dann Beethovens Schicksals-Sinfonie. Der Siegesmarsch des Finales riss das Publikum mit. Frantz dirigierte mit vollem Körpereinsatz. Man dachte unwillkürlich: „Wenn das der Onkel Doktor sähe...“

Konrad Dittrich

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