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Kultur im Norden Sinfonie mit Nebengeräuschen
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20:13 21.08.2017

Die Kunstausstellung Nordart in der Carlshütte in Büdelsdorf bei Rendsburg bietet ein einzigartiges Ambiente für Festival-Veranstaltungen. Dort das Festkonzert zum 30-jährigen Bestehen der Orchesterakademie zu veranstalten, war eine gute Idee der Verantwortlichen. Und wenn das Wetter mitgespielt hätte, wäre es ein uneingeschränkt wunderbarer Abend geworden.

Und das schon allein, weil Olivier Messiaens selten gespielte „Turangalîla-Sinfonie“ auf dem Programm stand. Aus gutem Grund: Die Sinfonie wurde 1949 von Leonard Bernstein uraufgeführt, dem Begründer der Orchesterakademie. Sie ist üppig besetzt, neben großen Streicher- und Bläsergruppen erfordert das Werk zehn Schlagzeuger und als Soloinstrumente Klavier und das frühe elektronische Instrument Ondes Martenot. Ein gewaltiger Apparat, den Dirigent Christoph Eschenbach meisterhaft beherrschte. Messiaens zehnsätziges Werk ist eklektizistisch, mal vermeint man ein Gamelan- Orchester zu hören, mal klingt der „Rosenkavalier“ durch, Honegger kommt für einige Takte vor, sogar Dvoráks „Aus der Neuen Welt“, Debussy und Satie sowieso: 80 hochinteressante musikalische Minuten. Di Wu versah den schwierigen Klavierpart mit Präzision und kraftvollem Spiel, Thomas Bloch ließ die ungewohnten Töne des 1928 erfundenen Ondes Martenot unheimlich aufleuchten.

Christoph Eschenbach schaffte es, auch die feinsten Klangschattierungen der monumentalen Sinfonie herauszuarbeiten, das Orchester folgte ihm begeistert bis in die kleinsten Verästelungen der komplexen Partitur. Aber gerade in den märchenhaft leuchtenden langsamen und leisen Sätzen gegen Ende des Stücks kam der Regen ins Spiel. Ein Wolkenbruch donnerte mit einer derartigen Wucht auf des Plexiglas-Dach der Halle, dass zeitweise das Orchester kaum noch zu hören war. Auf diese Klangfarbe hätte man gerne verzichtet.

Zumal die Orchesterakademie über eine ganz fabelhafte Piano- Kultur verfügt. In Darius Milhauds erstem Cello-Konzert zeigten die jungen Musikerinnen und Musiker aus aller Welt, mit welcher Delikatesse und Empathie man einen Solisten begleiten kann. Der erst 24 Jahre alte Franzose Bruno Philippe spielte den Solopart mit farbiger Tongebung und erfrischender Leichtigkeit. Insgesamt ergab sich eine Wiedergabe dieses Konzerts, das sicherlich nicht zu den absoluten Meisterwerken Milhauds gehört, die in ihrer Dynamik zwischen Foxtrott und leicht angedeuteten majestätischen Themen überzeugte. Das Publikum war begeistert und erklatschte sich eine Zugabe; Bruno Philippe wählte die 1. Cello-Suite von Johann Sebastian Bach.

Bis auf das Regen-Solo ein großartiger Abend in der Carlshütte.

Jürgen Feldhoff

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