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Singe, wem Gesang gegeben

Lübeck Singe, wem Gesang gegeben

Musiker und Chordirigent Niels Schröder aus Elmshorn exportiert seine Idee vom „Chor für alle“ nach Lübeck.

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Welthits von gestern und heute: Niels Schröder bei einem seiner Mitmachkonzerte in einem Hamburger Gemeindesaal.

Quelle: Maria Heggemann

Lübeck. Wenn eine einzelne Frauenstimme Michael Jacksons Klagegesang „They Don’t Care About Us“ anstimmt, wenn dann kräftige Männerorgane dazukommen und ein ganzer Saal schließlich „We Will Rock You“ schmettert, als solle Freddie Mercury wieder zum Leben erweckt werden – dann hat Chorleiter Niels Schröder (34) aus Elmshorn wieder zum großen Gemeinschaftssingen geladen.

Schröder, der die Menge dirigiert, und seine vierköpfige Band elektrisieren das Publikum. Wer zu Hause schüchtern unter der Dusche sein Liedlein trällert oder im Auto der Radiomusik nicht still zuhören kann, der darf in Schröders „Chor für alle“ eineinhalb Stunden lang alles aus sich herausholen – singen, schreien, die zweite Stimme suchen. „Erstaunlicherweise ergibt das fast immer einen harmonischen Gesamtklang, ganz anders als im Fußballstadion“, hat der Chorleiter erfahren. „Wenn ein paar hundert Menschen gemeinsam singen, dann ist das eine bewegende Sache. Man ist Teil eines großen Ganzen – ein erhebendes Gefühl.“

Seit dreieinhalb Jahren lädt Schröder in den Gemeindesaal einer evangelischen Freikirche in der Neustadt von Hamburg, einmal in der Woche baut er dort sein Equipment auf, zu dem, neben der Verstärkeranlage der Band, auch ein Projektor für die Texte gehört. Der Ansturm ist jedes Mal groß, etwa 75000 Karten wurden seit 2013 verkauft. Und bei den Weihnachtssingen in der Europapassage in der Hamburger Innenstadt kommen im Dezember ein paar Tausend.

Wie jedes erfolgreiche Unternehmen soll nun auch Niels Schröders Projekt expandieren – nach Schleswig-Holstein. „Der Norden singt“ nennt er ganz unbescheiden die Veranstaltung, am übernächsten Sonntag findet sie erstmals in Lübeck statt, in einem Saal des Hotels Hanseatischer Hof.

Im Repertoire hat Schröder Songs von Tina Turner, Abba, Michael Jackson, James Bay oder Bruno Mars, „Welthits von gestern und heute“, wie er sagt. Aber auch deutsches Liedgut von Johannes Oerding.

„Wir können viele Titel auf Zuruf spielen. Wenn wir den Text nicht parat haben, dann holen wir ihn spontan aus dem Internet und projizieren ihn auf die Leinwand.“ Seine Band könne zu jedem populären Gesangsstück die Begleitung liefern. Wenn einzelne Songs vielen nicht vertraut sind, dann singt sie Schröder selbst oder eine seiner Solistinnen, die er mitbringt, vor.

Alle Stücke werden in einer mittleren Tonlage intoniert, die laut dem Chorleiter so gut wie jeder Stimme gerecht werde. Und niemand müsse Angst haben – die Konzerte fänden in einem Schutzraum statt, in dem sich niemand blamieren könne. „Die Idee ist, dass kein Mensch zuhause gelassen wird, der sich vermeintlich für talentfrei hält.“

Ein „kreatives Gesangs-Event, dessen Format bundesweit einzigartig“ sei – damit bewirbt Gesangs-Missionar Niels Schröder „Der Norden singt“. Allerdings: So einzigartig ist das Projekt nicht. Auch nicht im Norden. Es erinnert an eine Veranstaltungsform des Lübecker Theaters Combinale. Diese wird ganz rustikal „Grölgruppe“ genannt und mit den Worten beworben: „Hier treffen sich (fast) alle Lübecker Badewannensänger, Lagerfeuerpoeten und verkannten Supertalente und singen aus vollem Herzen und mehr oder weniger rauer Kehle Schlager, Pop und Volksliedgut.“ Begleitet von Klavier und Schlagzeug. Das nächste Mal ebenfalls am 13. November.

„Der Norden singt“, Sonntag, 13. November, 18 Uhr, Hansesaal im Hanseatischen Hof, Lübeck, Wisbystraße 7-9. Einritt: 10 (8) Euro.

Für Sänger und Nichtsänger

Niels Schröder (34) hat mit 19 Jahren den „Young Spirits Gospel Choir“ gegründet. Die Idee hatte er von einem einjährigen Aufenthalt in Houston, Texas, mitgebracht, wo er die Gospel- Musik entdeckte. An der Hamburger Hochschule für Musik und Theater studierte er Klavier, Gesang, Saxofon und Chorleitung. 2004 erschien das Debütalbum des Gospel-Chors „A Ray Of Hope“. 2013 startete sein Gesangsprojekt „Hamburg singt – Der Chor für alle“, eine wöchentliche Veranstaltung „für Sänger und Nichtsänger“.

 Michael Berger

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