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Kultur im Norden Sir Elton bittet zur Hitrevue
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20:43 06.12.2017
Guter Dinge und in Höchstform: Elton John bei seinem Konzert in Hamburg. Quelle: Foto: Axel Heimken, Dpa

Trotz der Bemühungen mehrerer Hamburger Behörden konnte eine Landeerlaubnis nicht mehr erteilt werden. Auch das jetzt nachgeholte Konzert in der Barclay Card Arena stand unter keinem guten Stern. Am Vortag war Sheila Farebrother, die Mutter des exzentrischen Superstars, im Alter von 92 Jahren gestorben. Der Brite hatte sich dem Vernehmen nach über Jahre mit ihr überworfen. Zu ihrem 90. Geburtstag soll sich die alte Dame in ihrer Not gar eine EltonJohn-Coverband ins Haus bestellt haben.

Doch die rund 11000 Besucher erleben am Dienstagabend alles andere als einen melancholischen Elton John. Die Faust kämpferisch emporgereckt, entert John in einem mit reichlich Pailletten und Flamingos bestickten Blazer die Bühne und bearbeitet mit Schmackes die Tasten des Pianos. Es sei großartig, wieder zurück zu sein, raunt er ins Mikrofon. Geradezu programmatisch erklingt das furiose „The Bitch is back“, begleitet vom rot erglimmenden Schriftzug „Bitch!“ auf der LED-Wand. Auch das treibende „Bennie and the Jets“ ist symptomatisch für den musikalischen Schwerpunkt. An diesem Abend stehen vor allem die mit dem kongenialen Texter Bernie Taupin entstandenen Perlen der frühen Schaffensperiode auf der Setlist. Allein 15 Alben brachte John zwischen 1970 und 1976 heraus. Wie kein anderer verstand es der französischstämmige Farmersohn Taupin, den einerseits eingängigen, genauso gern aber auch mal in epischer Breite daherkommenden Kompositionen des Sängers einen lyrischen Stempel aufzudrücken.

Zum einsam im All schwebenden „Rocket Man“ wird minutenlang am Piano improvisiert, „Philadelphia Freedom“ kommt gewohnt erhaben daher. Die „Candle in the Wind“ leuchtet an diesem Abend nicht für Lady Diana, sondern in der für Marilyn Monroe geschriebenen Urfassung. Das verschwebte „Daniel“, ein Song über einen Kriegsveteranen, zaubert ebenso ein Lächeln ins Gesicht wie das elegische „Goodbye Yellow Brick Road“. Immer wieder reißt es das Publikum zu Standing Ovations von den Sitzen.

Bis es dann aus gegebenem Anlass verhaltener wird. Er habe lang überlegt, welchen Titel er seiner verstorbenen Mutter widmen solle, erzählt John. Entschieden habe er sich für „Your Song“, die Ballade, die „mich dorthin gebracht hat, wo ich vorher noch nicht war“. In nur wenigen Minuten habe er den Song an der Seite von Taupin zu Papier gebracht. Zu „Don’t let the sun go down on me“ wird mit einer Projektion an den letztes Jahr verstorbenen George Michael erinnert, der dem Titel 1991 in einem Liveduett zu einem zweiten Frühling verholfen hatte.

Die fünfköpfige Bestager-Begleitband spielt mit unerwartet hoher Phonstärke. Eine Dame im Innenraum muss sich die gesamte Zeit die Ohren zuhalten. Der Künstler selbst verharrt am Piano, wenn er nicht gerade aufspringt und wie ein Kaiserpinguin grüßend am Bühnenrand entlangwatschelt.

Neben zwei Titeln aus dem von T Bone Burnett produzierten neuen Album hat der Präsident des FC Watford einige Perlen aus seinem schier unerschöpflichen Songbook mitgebracht. „Levon“ vom 71er Album „Madman across the water“ handelt von einem vom Leben gelangweilten jungen Mann. Das melodramatische „Have mercy on the criminal“ aus dem zwei Jahre später erschienenen „Don’t shoot me, I’m only the piano player“ macht Lust, das frühe Oeuvre des als Reginald Dwight geborenen Briten wiederzuentdecken.

Der Superstar ist mit der momentanen Weltlage indes alles andere als zufrieden. 30 Prozent der Weltbevölkerung seien bösartig, es gebe zu viel Hass und keine einzige Nation mit einer starken Führungsposition auf der Welt. Sein „I want love“ aus dem Jahr 2001 soll da zumindest musikalisch Abhilfe schaffen und zu mehr Nächstenliebe inspirieren. Mit dem quietschvergnügten wilden Boogie Woogie von „Crocodile Rock“ verabschiedet sich der Superstar dann in eine längere Konzertpause.

Zur Person

Geboren:

25. März 1947 in Pinner, England

Ehrungen:

Elton John wurde 1995 von Königin Elisabeth II. zum Commander of the Order of the British Empire ernannt. 1998 folgte mit dem Knight Bachelor der Ritter- Schlag, seither darf er sich Sir nennen.

Erfolge: Mit 900 Millionen verkauften Tonträgern zählt er zu den Interpreten mit den meisten verkauften Tonträgern. Songs wie „Candle in the Wind“ und „Rocket man“ eroberten ein Weltpublikum.

Alexander Bösch

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