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Sixpack im Speckmantel

Lübeck Sixpack im Speckmantel

Das Perfide am Komiker Jürgen von der Lippe ist: Selbst wenn man seine Späße nicht lustig finden will, treibt er einem die Tränen in die Augen. So bei seinem Auftritt in der Lübecker MuK. Voll besetzt war die Rotunde, und er setzte sofort sein Humorniveau auf Null, als er sich mit Grinsen zur Lokalität den Versprecher „Rosette“ erlaubte.

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Und er singt auch noch zur Gitarre.

Quelle: Malzahn

Lübeck. Er geht etwas aus dem Leim, der Entertainer im offenen Hawaii-Hemd, und er macht daraus gleich einen Witz, indem er sich als „Sixpack im Speckmantel“ anpreist. Von der Lippe spult mit so eiskalter wie herzlicher Routine — das ist bei ihm kein Widerspruch — sein Programm ab. Wenn er über seine Jugend, die ihm auch ein Messdiener-Amt bescherte, sagt: „Ich habe noch unter der schützenden Hand der katholischen Kirche am Genital pubertiert“, dann hebt er das Niveau zumindest sprachlich. Und um Sprache geht es ihm angeblich an diesem Abend. Aber das ist schnell vergessen unter den Sottisen, die er mit bedeutender Miene oder unter eigenem Gelächter vorträgt. Dabei ist er vermutlich einer der wenigen Großspaßmacher, die völlig unpolitisch bleiben. Zur Diskussion darüber, ob in Deutschland eine Bargeldgrenze von 5000 Euro eingeführt werden soll, fällt ihm nur ein: „Dafür kann man nicht mal mehr in den Puff gehen.“

Als er zwei Paare auf die Bühne nötigt, um mit ihnen ein Quiz zu veranstalten, gerät das Konzept des Komödianten aus den Fugen — die vier Menschen sind heillos von der Bühnensituation überfordert. (Einer der Männer anschließend zur Gattin: „Du wolltest ja unbedingt in der zweiten Reihe sitzen!“) Doch das ficht von der Lippe nicht an, er hat noch etwas Eheberatung im Programm, erzählt, er habe seiner Frau zur Auffrischung der erotischen Anziehung vorgeschlagen: „Ich mach dir den Zalando-Mann.“ Sie: „Wie geht das?“ Er: „Ich komme, und du schreist vor Glück.“ So sieht das Lippesche Menschenbild aus: Der Mann ist beschränkt, die Frau leider nur konsumgeil. Ein bisschen schämen darf man sich da schon.

mib

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