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Skandinavische Kinderfilme: Natur macht glücklich

Nordische Filmtage Skandinavische Kinderfilme: Natur macht glücklich

Etliche Menschen schwören auf die heilende Kraft der Natur. Die neuesten Kinderfilme aus dem Norden tun es ihnen gleich: Die Natur spielt eine Musterrolle. Kinder erleben, dass eine Annäherung an die natürliche Umgebung gut tut: Es stärkt nicht nur ihren Körper, sondern auch ihre Seele. 

Das Wandern ist der Kinder Lust: „Casper und Emma gehen wandern“ heißt der Film. Gedreht hat ihn Regisseur Arne Lindtner Næss in Norwegen und Ungarn.

Quelle: NFL

Lübeck. Niila hat es schwer: Der Zwölfjährige in „Cloudboy“ („Wolkenjunge“) ist bei seinem Vater in Belgien aufgewachsen. Jetzt soll er in den Ferien seine (Rest-)Familie in Lappland besuchen. Seine schwedische Mutter Katarina kennt er kaum, geschweige denn seine Halbgeschwister – seinen kleinen Bruder Pontus und seine Schwester Sunnà hat er noch nie gesehen; sie stammen aus Katarinas zweiter Ehe mit Readnu, einem Samen. Die Samen sind ein indigenes Volk, mit einer eigenen Kultur, ihre Lebensweise ist stark vom Zusammenleben mit ihren Rentieren geprägt. Dies ist für das Stadtkind Niila neu. Um sich dieser fremden Welt anzunähern, nimmt er Geräusche mit einem Recorder auf: das Rauschen des Windes, der Ruf eines Käuzchens im Wald.

Enge Verbundenheit mit der Natur

In Nordschweden, im Land der Mitternachtssonne und des Nordlichts, leben die Menschen in enger Verbundenheit mit der Natur. Was ihnen die unmittelbare Begegnung mit Bergen, Seen, Flüssen und Tieren an Fähigkeiten abverlangt, kennt Niila bislang nur aus seiner Freizeitbeschäftigung. Sein Hobby ist Free Running. Ähnlich wie beim Parcour gehören dazu verschiedenste Bewegungen und Bewegungsabläufe: Sie setzen sich aus Drehungen, Schrauben und einer Vielzahl von Kombination aus laufen, drehen, abstoßen oder abrollen zusammen. Seine abenteuerlichen Ferien in Lappland fordern Niilas heraus. Er hat Heimweh, fühlt sich überfordert, reagiert auf seine neue Umgebung und auf seine Familie mit Verweigerung: Er schweigt und reißt aus, wenn es schwierig wird.

Niilas kleiner Halbbruder Pontus hat ein eigenes Rentier. Eines Tages ist das Muttertier verschwunden, das Kalb verwaist. Niila macht sich mit seinen Halbgeschwistern auf die Suche. Die niederländische Regisseurin Meikeminne Clinckspoor gestaltet diese Suche einfühlsam und unaufdringlich symbolisch als eine Odyssee. Sie führt Niila zu seinem Ich. Nach dem Überwinden von äußeren und inneren Grenzen wagt der ursprünglich ängstliche und verstockte Junge einen Riesensprung.

Wandern in den Herbstferien

Weniger dramatisch gestaltet sich der Urlaub von Casper, eiem goldigen Rotschopf mit Pagenschnitt, und Emma, einer aufgeweckten Blonden mit Ponyfransen. Die Freunde gehen zusammen mit ihren Familien in den Herbstferien in den Bergen wandern und zelten dort. Die Natur ist atemberaubend, und die Kleinen haben vor dem Start spielerisch gelernt, wie man sich beim Wandern richtig verhält. Für sie lautet die wichtigste Regel: „Spaß haben!“

Der Norweger Arne Lindtner Næss erzählt diese Komödie für die ganz kleinen Zuschauer kindgerecht und unterhaltsam mit sprechenden Kuscheltieren, Großaufnahmen von echten Tieren in der Natur. Das Spannende an der Geschichte: Schafft es Casper, für Emmas alleinlebende Mutter einen Mann zu finden?

Die Einöde Islands

Mit drastischen Szenen in der Einöde Islands bietet „Der Schwan“ Zündstoff. Gedreht hat ihn die isländische Regisseurin Ása Helga Hjörleifsdóttir. Der Film basiert auf dem Roman ihres Landsmannes Gudbergur Bergsson. Die Hauptperson Sól ist neun Jahre alt, und ihre Eltern schicken sie aufs Land – die Tagträumerin und Gelegenheitsdiebin soll für ein paar Monate auf einer Farm arbeiten, damit sie „vernünftig“ wird. Sól hütet Kühe, füttert Hühner und hilft im Haushalt. Sie macht Erfahrungen mit der Welt der Erwachsen. Durch die Konfrontation mit deren Unzulänglichkeiten verliert sie zwar nicht ihre Jungfräulichkeit, aber ihre kindliche Unschuld: ihre Gasteltern haben sich nichts mehr zu sagen, deren Tochter Ása ist kreuzunglücklich, mit dem merkwürdigen Saisonknecht Jón muss sie sich ein Zimmer teilen. Der Mann schreibt Tagebuch – die Figur trägt offensichtlich autobiografische Züge des Romanautors. 

Sól mag den Sonderling, zieht damit jedoch die Eifersucht von Ása auf sich. Innerhalb der Zwänge in der Welt der Großen muss die Neunjährige ihren Weg finden. Dabei begleiten sie grandiose Naturbilder: Sie tragen mit Sól Trauer, sie trösten oder sind strahlend, wenn Sól in raren Momenten Glück spürt und Freiheit erahnt.

Von Dorothea Kurz-Kohnert 

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