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Smartphone vorm Kopf

Lübeck Smartphone vorm Kopf

Das Jugendstück „#offline“ beschäftigt sich mit der digitalen Welt – Freitag ist Premiere im Theater Lübeck.

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Spielen #offline (v.l.): Tobias Horstmann, Leonie Kratzenstein, Vincent Bausch, Pia Fanick und Viola Tharandt.

Quelle: Neelsen

Lübeck. Lübeck Wie gehe ich richtig mit dem Internet um? Und wie kann ich seine Vorteile nutzen, ohne mich beherrschen zu lassen? Fragen, mit denen heute so gut wie jeder konfrontiert wird. Acht Nachwuchsschauspieler aus dem Spielclub des Theater Lübecks haben sich ein Dreivierteljahr lang ganz intensiv damit auseinandergesetzt. Herausgekommen ist die Szenencollage „#offline“, in der die Jugendlichen verschiedene Facetten der digitalen Welt aufzeigen. Die Premiere ist morgen um 19 Uhr.

Viele der Texte für das etwa 50-minütige Stück haben die Jugendlichen selbst geschrieben. Es geht beispielsweise um den digitalen Nachlass, also die Spuren, die ein Mensch auch nach seinem Tod noch im Internet hinterlässt und die ihn dort für immer weiterleben lassen. Auch die bis ins Absurde personalisierte Werbung, mit der das Internet geflutet wird, haben die jungen Leute in ihrem Stück verarbeitet.

Die Leitung hat Theaterpädagoge Knut Winkmann übernommen. Er habe das Thema gewählt, weil ihn der Blick der jungen Leute interessiert hat, sagte Winkmann. Schließlich sind die Darsteller sogenannte „digital natives“, kennen also keine Welt ohne das Internet.

Und entziehen können sie sich dem Netz auch nicht mehr. „Isolation ist auch keine Lösung“, sagt Viola Tharandt (19). Das merkten die Darsteller auch bei einem Experiment, das Winkmann mit ihnen durchgeführt hat: Er sammelte für eine Woche alle Smartphones ein. Als sie ihre Handys wieder anschalten durften, vibrierten sie minutenlang auf dem Tisch. 200 WhatsAppNachrichten waren der Rekord. Und einige Freunde und Bekannte waren verärgert. „Man braucht das Smartphone, es geht einfach nicht ohne“, resümiert Vincent Bausch (19). Über diese Erfahrung haben die jungen Menschen ein offline-Tagebuch geführt, welches in das Stück eingeflossen ist. Zudem wurden wissenschaftliche Texte verarbeitet.

Auch wenn die Darsteller durch die intensive Beschäftigung mit dem Thema ihr eigenes Konsumverhalten und das der anderen bewusster betrachten, ist ihnen eines ganz wichtig: „Wir wollen nicht die Moralkeule schwingen", sagt Pia Fanick (23). Es gehe vielmehr darum, den Umgang bewusst zu machen. Während der Probe haben sich auch die Vorstellungen über den Charakter des Stücks gewandelt. „Zuerst wollten wir alles ganz bunt und laut machen“, sagt Pia Fanick. Doch nun sei das Stück eher ruhig und nachdenklich geworden. Die Bühnenausstattung ist sehr minimalistisch, im Stück werden Videosequenzen und Chorgesang eingebunden.

„#offline“: morgen, Sonnabend und Dienstag jeweils um 19 Uhr im Jungen Studio des Theaters Lübeck

ar

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