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„So gut besucht war der Museumstag noch nie“

Lübeck „So gut besucht war der Museumstag noch nie“

Jörg-Philipp Thomsa stellt Günter Grass als Anwalt der Flüchtlinge vor – Ausstellungen und Sonderführungen lockten viele Besucher an.

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Er erläuterte, wie der Verlust seiner Heimat Günter Grass geprägt hat: Museumsleiter Jörg-Philipp Thomsa im Grass-Haus.

Lübeck. . Sonderführungen, Mitmach-Aktionen und freier Eintritt: Das Programm des 39. Internationalen Museumstags unterschied sich nicht wesentlich von dem früherer Jahre.

Dennoch hatte der vom Internationalen Museumsrat Icom alljährlich ausgerufene Tag, an dem sich weltweit mehr als 35000 Ausstellungshäuser in rund 150 Staaten beteiligen, in Lübeck diesmal einen besonderen Charakter. Am letzten Tag des Hansekultur-Festivals erlebten vor allem die Museen in der nördlichen Altstadt einen starken Besucherandrang.

„So gut besucht war der Museumstag noch nie“, freute sich Jörg-Philipp Thomsa, Leiter des Günter Grass-Hauses. Dafür war nicht allein die Bestseller-Autorin Cornelia Funke verantwortlich, die am Morgen nach ihrer Lesung im Hansemuseum noch spontan einige Tierfiguren auf die Wände zeichnete. Auch zu der von Thomsa angebotenen Sonderführung fanden sich zahlreiche interessierte Zuhörer ein.

Dabei ging es um ein von Grund auf ernstes Thema: „Günter Grass als Anwalt der Flüchtlinge“. Mit ausgewählten Zitaten erläuterte Thomsa, wie die Erfahrungen von Heimatverlust, Flucht und Vertreibung Biografie, Werk und Wirken von Grass geprägt haben. Im Skulpturenhof des Grass-Hauses konnte man danach in herrlich entspannter Atmosphäre Birte Bernstein lauschen, die ausdrucksstark Märchengeschichten aus aller Welt vortrug.

In der Katharinenkirche zeigte der Zähler, mit dem am Eingang der vor drei Wochen wiedereröffneten Klosterkirche jeder Eintretende registriert wird, nach rund dreieinhalb Stunden Museumstag mehr als 800 Besucher an. Ein Wert, mit dem die Ehrenamtlichen, die hier die Aufsicht haben, sehr zufrieden sind. Die Neugier vieler Lübecker auf die jahrelang wegen Restaurierung geschlossene Kirche sei groß, sagen sie. Bis September ist das Bauwerk immer freitags und sonnabends geöffnet – der Sonntag bleibt eine Ausnahme.

Im Museum Behnhaus/Drägerhaus drängten sich die Besucher vor allem vor den historischen Lübeck-Fotografien in der aktuellen Sonderausstellung. Manche schlenderten danach durch den Garten hinüber zum Overbeck-Pavillon, wo die Werke der US-amerikanischen Künstlerin Melissa Gordon zu sehen sind. Die Overbeck-Gesellschaft gehört nicht zum städtischen Museumsverbund, am Internationalen Museumstag gewährt sie dennoch freien Eintritt.

Im Willy-Brandt-Haus, das am gesamten Festival-Wochenende Sonderführungen unter der Fragestellung „War Willy Brandt Hanseat?“ anbot, wird für den Besuch der Ausstellung ohnehin nie Eintritt verlangt, auch die öffentlichen Führungen sind kostenlos.

Nur das Hansemuseum, das von einer gemeinnützigen GmbH getragen wird, scherte aus: Viele Besucher, die am Museumstag auch hier freien Eintritt erwartet hatten, kehrten dem Haus enttäuscht den Rücken.

LN

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