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So kriminell wird das Jahr 2016

Lübeck So kriminell wird das Jahr 2016

Es wird ein Treffen mit alten Bekannten, zu dem auch Debütanten geladen sind. Das Krimi-Jahr 2016 bietet schon in der ersten Hälfte auf, was Rang und Namen hat: von Donna Leon bis Martin Walker, von J.K. Rowling/Robert Galbraith bis Karin Slaughter.

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Jussi Adler-Olsen liefert zunächst auf Dänisch.

Quelle: Fotos: Public Address, Dpa

Lübeck. Commissario Brunetti kehrt zurück; Bruno, der Chef de Police aus dem Périgord, wird erwartet; und auch Cormoran Strike, Sara Linton, Will Trent und viele andere haben sich angesagt: Das Jahr 2016 wird wieder ein Sammelplatz der Krimi-Helden, altbekannter und auch neuer. Verlage und Autoren wissen um den Reiz und Erfolg der Serien, die Polizisten, Anwälte, Mediziner und Hobby-Schnüffler samt privatem Umfeld in den Mittelpunkt stellen und Suchtpotential entwickeln.

Mit seinem nunmehr 25. Fall ist Donna Leons Guido Brunetti der dienstälteste Polizist der literarischen Verbrecherjagd und einer der beliebtesten. Den erfolgreichsten Ermittler stellt — zumindest nach dem Krimi-Reihen-Ranking des aktuellen „buchreports“ — der Däne Jussi Adler-Olsen mit Carl Mørck. Vom Venezianer Brunetti ist immerhin bekannt, dass er seinen Jubiläums-Einsatz, bei dem es um „Ewige Jugend“ geht, im Juni hat, wie der Diogenes Verlag ankündigte. Der Titel bezieht sich auf ein Mädchen, dessen Geistesstand nach einem schweren Unfall im Ist-Zustand konserviert wird. Adler-Olsen will auch in diesem Jahr liefern — allerdings erst einmal auf Dänisch. Wie zeitnah der Deutsche Taschenbuchverlag Mørcks nächsten (und siebten) Fall dem hiesigen Publikum serviert, ist noch nicht bekannt.

„Eskapaden“ machen ab April dem Dorfpolizisten Bruno zu schaffen. Dabei erlebt der französische Held des Schotten Martin Walker beim Geburtstagsfest eines Kriegsheroen eine böse Überraschung. Auch sein achter Fall wird für Diogenes ein Erfolgsgarant sein.

Bei Blanvalet heißt das Zugpferd J.K. Rowling alias Robert Galbraith. Die „Harry-Potter“-Erfinderin lässt ab März ihren Detektiv Cormoran Strike seinen dritten Fall lösen, „Die Ernte des Bösen“. Aus demselben Haus kommt im Mai ein neuer Karin-Slaughter -Thriller mit dem Erfolgsduo Sara Linton und Will Trent („Schwarze Wut“).

Slaughter gibt gleich auch noch die Empfehlung für einen „Frischling“ ab. Laura McHughs Erstling „Die Schwere des Blutes“, der im Juni bei Limes erscheint, sei „ein fantastisches Debüt! Nicht verpassen!“

Eine gute Bekannte hingegen ist Kristina Ohlsson . Die Schwedin kommt bei Limes im Februar mit dem neuen Thriller „Papierjunge“ heraus. Im Februar setzt der Verlag auf den bewährten Eric Berg , der eigentlich Walz heißt. Unter dem Namen Berg bringt er nunmehr seinen vierten Krimi „Die Schattenbucht“ auf den Markt.

Nach „Kornblumenblau“ setzt das deutsch-serbische Autorenduo Christian Schünemann und Jelena Volic ab Februar auf „Pfingstrosenrot“. Der poetische Titel des Polit-Thrillers und zweiten Falls der Belgrader Expertin für internationales Strafrecht, Milena Lukin, hat einen sehr prosaischen, ja grausamen Hintergrund: „Nur hier blüht die Pfingstrose in solch prächtigen Rottönen, weil der Boden mit so viel Blut getränkt ist.“ Wie auch der Vorgänger führt „Pfingstrosenrot“ in höchste Kreise der serbischen und europäischen Politik.

Ein bisschen Wehmut schwingt bei Fans der im vergangenen Mai gestorbenen Ruth Rendell sicherlich mit, wenn sie noch einmal „Alle bösen Geister“ beschwört. Blanvalet veröffentlicht diesen Paperback-Krimi in deutscher Sprache im Juni. „So was von tot“ sind Opfer eines Auftragskillers, der nur Auftragskiller umbringt — bis er selbst eines Tages auf der Abschussliste steht. Ausgedacht hat sich diese Geschichte — ebenfalls im Taschenbuchformat von Knaur für den Februar vorgesehen — der US-Amerikaner Chris F. Holm . Vom selben Verlag ist im Mai das Debüt der Britin Gilly Macmillan „Toter Himmel“ geplant, in dem ein Kind unter den Augen der Mutter von einem Spielplatz verschwindet.

Ullstein und List setzen auch 2016 wieder auf die allseits beliebten Skandinavien-Krimis. Bereits zu Jahresbeginn erschienen ist Camilla Läckbergs „Die Schneelöwin“, der neunte Fall der schwedischen Erfolgsautorin. Ende Februar gibt der Norweger Gard Sveen sein Debüt mit „Der letzte Pilger“. Zeitgleich kommt der zweite Teil einer Mini-Noir-Serie von Jo Nesbø , „Blood on Snow. Das Versteck“, heraus, die ins Oslo der 70er Jahre führt. Auch ein Abschied steht an: Zum letzten Mal geht Liza Marklunds

Heldin, Journalistin Annika Bengtzon, in „Verletztlich“ kruden Vorgängen auf den Grund. Der Roman der Schwedin erscheint im März.

Vergessen werden sollten nicht die angesagten Regionalkrimis. Zu deren Perlen zählen die Krimis der Schwarzwälderin Uta-Maria Heim . Ihr neuestes Werk „Heimstadt muss sterben“ bezeichnet der Verlag Klöpfer & Meyer als einen „furchtlosen Abgesang auf die Untiefen des gewohnten Regionalkrimis“. Bei Ullstein beginnt mit Christiane Dieckerhoffs „Spreewaldgrab“ eine neue Krimireihe um Polizistin Klaudia Wagner.

Die zweite Hälfte des Krimi-Jahres liegt noch weitgehend im Dunkeln. Blanvalet hat einen neuen Roman von Charlotte Link angekündigt, der erstmals nach Südfrankreich führt. Auch ein neuer Roman der Rizzoli & Isles-Autorin Tess Gerritsen kommt — allerdings einmal nicht mit dem bewährten Polizei/Gerichtsmediziner-Duo.

Erfolgreiche Whodunits

Die klassische Detektivgeschichte erlebte ihren Aufschwung im 19. Jahrhundert. Edgar Allan Poe und Sir Arthur Conan Doyle lieferten mit Auguste Dupin und Sherlock Holmes die Prototypen aller „private eyes“. US-Autoren wie Dashiell Hammett und Raymond Chandler fügten dem klassischen Erfolgskonzept des „Whodunit“ (Wer war es?) den „hardboiled detective“ hinzu, seither prägen zahlreiche Untergattungen die einstige Trivialliteratur, die diesen Status längst überwunden hat.

LN

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