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Kultur im Norden „So wenig zu bekehren wie der Teufel“
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18:10 04.07.2017
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Lübeck

Man solle ihre Synagogen und Schulen in Brand setzen, ihre Häuser zerstören, ihnen ihre Gebetbücher nehmen – diese Empfehlungen gab Martin Luther (1483-1546) in seiner Schrift „Wider die Juden und ihre Lügen“, erschienen drei Jahre vor seinem Tod. Zu diesem Zeitpunkt war der Reformator bereits ein radikaler Judenhasser. Eine Ausstellung im Jüdischen Museum in Rendsburg beleuchtet diese weniger bekannte Seite des Kirchenmannes und liefert damit einen besonderen Beitrag im Luther-Jahr.

In seinen Schriften hat sich der Theologe immer wieder mit den Hebräern beschäftigt. Besonders freundlich war er den Juden zwar nie gesonnen, aber zunächst war seine Haltung noch moderat. Christliche Liebe solle an ihnen geübt werden, schrieb er 1523. Die Liebe, die er predigte, war allerdings zweckgebunden. Sie sollte helfen, Juden zum Christentum zu bekehren. Doch die Missionierung war nicht besonders erfolgreich, und Luther wurde zunehmend radikal. So lehnte er es ab, sich für sie zu verwenden, als Kurfürst Johannes Friedrich I. im Jahr 1537 den Juden in Sachsen Aufenthalt, Erwerbstätigkeit und sogar die Durchreise verbot, da die Juden sich „trotz seines freundlichen Werbens nicht zu Christen bekehrt hätten“. Einige Jahre später schrieb der Reformator resigniert: Die Juden zu bekehren sei ebenso wenig möglich wie den Teufel. Von 1543 an veröffentlichte der Kirchenmann eine Reihe judenfeindlicher Schriften, in denen er die Vernichtung ihrer Synagogen und Häuser empfahl und die Hebräer auf das Übelste beleidigte, indem er sie mit Judas, Schweinen, dem Teufel gleichsetzte.

Die Schau „Martin Luther und die Juden: Ertragen können wir sie nicht“ wurde als Wanderausstellung konzipiert vom Referat für Christlich-Jüdischen Dialog der Evangelisch-Lutherischen Nordkirche. Auf 17 Schautafeln erhalten Besucher nicht nur Informationen über Luthers Judenhass, sondern auch über den Lebensweg des Reformators und über die Geschichte der Juden in Deutschland.

So drastisch und befremdlich viele Äußerungen des Reformators auch sind: „Martin Luther war kein Rassist“, sagt Museumsleiter Carsten Fleischhauer. Eine durchgehende Linie von der Haltung Luthers zu Judenhass und Judenvernichtung in der Nazizeit lasse sich nicht ziehen, auch wenn man sich in der NS-Diktatur auf den Reformator berufen habe: „Luther hat daran geglaubt, dass man die Juden missionieren könne. Wenn das gelungen wäre, wäre für ihn das Thema erledigt gewesen.“

Jugendliche Besucher stellten immer wieder die Frage, woher Judenhass komme, sagt Fleischhauer. Darauf gibt es keine einfache Antwort. Auch die Ausstellung liefert sie nicht. Bei der Umgestaltung der Dauerausstellung im kommenden Jahr solle darauf jedoch stärker als bisher eingegangen werden. liz

Bis 22. Oktober, Jüdisches Museum Rendsburg

LN

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