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„So wichtig nehme ich mich nicht“

„So wichtig nehme ich mich nicht“

Paul Maar kommt am 7. Juni nach Lübeck – der Kinderbuchautor erzählt im LN-Gespräch über sein märchenhaftes Leben und das neue Sams-Buch.

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Erfinder von Sams, Lippel, den Opodeldoks und vom kleinen Känguru: Paul Maar (79) gehört zu den erfolgreichsten und produktivsten deutschen Kinderbuchautoren.

Quelle: Foto: Hfr

In der kommenden Woche werden Sie im Lübecker Theaterfigurenmuseum Ihre literarischen Kinder in einer Sonderausstellung sehen. Freuen Sie sich auf die Begegnung?

Paul Maar: Ja, sehr . . . Ich kenne einige Produktionen, etwa die ungarischen Inszenierungen, die Figuren sind ja zum Teil nun auch in Lübeck zu sehen. Es ist die erste Ausstellung mit Figuren nach meinen Büchern, deshalb fahre ich ganz interessiert nach Lübeck.

Sie lesen aus Ihrem Buch „Schiefe Märchen und schräge Geschichten". Wie sind Sie auf die Idee gekommen, Märchen zu schreiben?

Ich hatte schon vor etwa 15 Jahren in „In einem tiefen dunklen Wald“ versucht, mit Märchenmotiven zu spielen, das war ein Erfolg. Neulich sah ich die Geschichte als Musical und dachte: Schade, dass ich diese Seite von mir nicht weiter verfolgt habe. Ich bin ja ein großer Märchenfan, meine Hauptlektüre als Kind waren Märchen.

Was war Ihr Lieblingsmärchen?

„Eisenhans“. Darin habe ich mich selbst wiedererkannt.

Inwiefern?

Ich hatte einen sehr strengen Vater. Er hielt mich für einen Versager. Deshalb habe ich als Kind so gerne den „Eisenhans“ gelesen. Es geht um einen Prinzen, der von seinen Eltern verstoßen wird und zum Eisenhans kommt. Er beugt sich über einen Brunnen mit goldenem Wasser und bekommt goldene Haare, die er unter einem Hütchen versteckt. Er hat ein schlechtes Leben, aber eines Tages sieht die Prinzessin ihn ohne Hut und ruft: Er hat ja goldene Haare! Dieser Ausspruch ist mir ins tiefste Innere gelangt. Ich sagte mir: Im Moment verachtet ihr mich noch, aber eines Tages werde ich mein Hütchen abnehmen und alle werden staunen und rufen: Der hat ja goldene Haare! Aus dem ist ja was geworden!

Also hat Ihnen das Lesen, haben Ihnen Märchen geholfen, an sich selbst zu glauben.

Ja, auf jeden Fall. Es geht ein großer Trost von Märchen aus, sie haben ein gutes Ende.

Ihr Vater war Handwerker. Konnte er nichts damit anfangen, dass Sie im Sessel saßen mit einem Buch in der Hand?

Ja, unter anderem. Ich bin auf dem Dorf groß geworden, hatte einen riesigen Freundeskreis und war so was wie der Anführer einer Bande oder Gang. Meine Mutter war nach meiner Geburt gestorben, mein Vater kam dann aus der Kriegsgefangenschaft und hat mich nach Schweinfurt verfrachtet. In der neuen Schule wurde ich verachtet und gemobbt wegen meines dörflichen Dialekts. Ich versank fast in eine Depression und bin dann prompt durchgefallen, und das brachte meinen Vater zu der Meinung, dass ich nicht nur handwerklich, sondern auch intellektuell eine Niete sei.

Klingt wie ein Märchen: traurige Geschichte mit Happy End. Wollen Sie nicht Ihre Autobiografie schreiben?

Nein, so wichtig nehme ich mich nicht.

Sie werden im Dezember 80 Jahre alt. Sie könnten ja einfach im Sessel sitzen und den lieben Gott einen guten Mann sein lassen. Warum sind Sie noch so aktiv?

Einfach weil es Spaß macht. Wenn ich nur herumsitzen würde, wäre es langweilig. Da ich noch so viele Ideen habe, denke ich: Warum soll ich die nicht umsetzen?

Bekommen Sie viel Post von Kindern?

Ja, und ich beantworte jeden einzelnen Brief selbst.

Viele fragen bestimmt nach dem nächsten Sams-Buch. Und, kommt eines?

Ja, im September erscheint das Buch „Das Sams feiert Weihnachten“. Zum Fest lädt das Sams noch andere Samse ein, da geht so mancher gewünschte, allerdings auch mancher ungewünschte Wunsch in Erfüllung. Am Ende erlebt Herr Taschenbier einen stürmischen, unvergesslichen Weihnachtsabend.

Wenn ich Ihnen einen Wunschpunkt schenke, was wünschen Sie sich?

Noch drei weitere....

Klar. Und was dann?

Ich bin ja ein Familienmensch und wünsche mir, dass es weiterhin so harmonisch zugeht mit meinen Kindern und Enkeln und wir von schlimmen Krankheiten verschont bleiben Interview: Petra Haase

Lesung & Bücher

Am 7. Juni liest Paul Maar ab 18 Uhr im Figurentheater Lübeck aus seinem Buch „Schiefe Märchen und schräge Geschichten“. Im Anschluss signiert der Autor Bücher, die mitgebracht oder an einem Büchertisch erworben werden können.

Der Eintritt kostet 10, ermäßigt 7 Euro,

Tickets unter Tel. (0451) 70060.

Die Sonderausstellung „Sams & Co. im Rampenlicht“ mit Figuren aus dem Universum Paul Maars ist im Theaterfigurenmuseum täglich von 10 bis 18 Uhr noch bis zum 28. Oktober zu sehen.

LN

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