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So wohnte Mecklenburgs Herzog

Ludwigslust So wohnte Mecklenburgs Herzog

In Ludwigslust eröffnet am Sonntag der frisch restaurierte Ostflügel des Schlosses — Ein Fest für die Sinne.

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Schlossverwalter Jörg-Peter Krohn im Gemäldesaal von Schloss Ludwigslust.

Ludwigslust. Schöner geht‘s nicht: Die opulente Ausstattung des Schlosses Ludwigslust (Kreis Ludwigslust-Parchim), einem wahren Lustschloss mit kostbaren Damast-Tapeten, ausladenden Ölgemälden und verschnörkelten Büsten, ist wiederhergestellt. Zumindest im Ostflügel. Und am Sonntag ist es so weit: Dann werden die prachtvollen Räume nach jahrelanger Restaurierung endlich für das Publikum eröffnet.

„Die Sanierung hat fünf Jahre gedauert und 13 Millionen Euro gekostet“, sagt der Hausherr, Museumsleiter Jörg-Peter Krohn. „Finanziert durch die EU und das Land Mecklenburg-Vorpommern.“

Es hat sich gelohnt. Begeistert führt Krohn in die Gemäldegalerie der mecklenburgischen Herzöge, in der rund 100 Bilder namhafter Künstler zu sehen sind. Es sind Jagdgemälde und Wild-Stillleben, echte Canalettos, die Ansichten von Venedig zeigen, Porträts. Alle präsentiert in einem Saal von verschwenderischer Größe.

„Diese Galerie ist nach 150 Jahren erstmals wieder so erlebbar, wie sie einmal gewesen sein muss“, schwärmt Krohn. Die Bilder hängen dicht an dicht. „Barocke Hängung“, erläutert der Museumsleiter.

„Durch die vielen kostbaren Bilder in ihren goldenen Rahmen fällt kaum mehr auf, dass die Wand aus schlichten, grün gestrichenen Holzpaneelen besteht.“

Bevor die Bilder aufgehängt werden konnten, musste der Raum mit dem aufwendig gemusterten Parkettboden zunächst in der alten Größe wiederhergestellt werden. Im Laufe der Zeit waren Zwischenwände eingezogen worden. Davon ist nichts mehr zu sehen.

Platz ist nun genug für die Vitrinen, in denen die Reisesouvenirs Herzog Friedrich Franz I. (1756-1837) stehen — Korkmodelle berühmter Bauwerke der Antike, wie etwa des Konstantinsbogen in Rom. Die Modelle wurden in der Werkstatt des bekannten Aschaffenburger Korkbildners Carl Joseph May (1747-1822) gefertigt. Seine Arbeiten dienten wohlhabenden Reisenden der damaligen Zeit zur Erinnerung.

Krohn: „Die Sammlung umfasst 29 Modelle, von denen knapp 20 zu sehen sind.“

Mindestens so beeindruckend wie die Gemäldegalerie sind die Wohnräume. Es handelt sich um Gäste-Appartements, die für die Zeit um 1800 in jeder Hinsicht luxuriös ausgestattet waren. So zum Beispiel mit einer eigenen Toilette hinter dem Schlafgemach. Praktischerweise verwendete man damals transportable „Kackstühle“, deren Töpfchen von Dienern täglich geleert wurden.

Üppig verzierte Damasttapeten und Tierbilder des französischen Malers Jean Baptiste Oudry (1686-1755) schaffen ein exotisches Ambiente. So hängen im zweiten Obergeschoss zwei fast lebensgroße Leoparden auf der türkisfarbenen Wandbespannung. Und im Parade-Appartement im Erdgeschoss, in dem der Fürst seine Gäste zur Audienz empfing, wartet Oudrys riesiger Löwe auf goldenem Grund. Mut und Stärke des Löwen mögen die Macht des Fürsten symbolisiert haben. „Damals war es üblich, Menschen Tiereigenschaften zuzuordnen“, so Krohn.

Herzog Christian Ludwig II. (1683-1756) erwarb die meisten Gemälde ab 1750. Insgesamt umfasst die außergewöhnliche Sammlung 44 Gemälde und Zeichnungen.

Elfenbeinschnitzereien, die herzogliche Uhrensammlung und zahlreiche Miniaturen vervollständigen das Bild einer mondänen Einrichtung aus der Zeit um 1800.

Bei der Eröffnung am Sonntag (nur mit reservierten Tickets!) rechnen die Veranstalter mit 5000 Besuchern. Dabei ist erst das halbe Schloss fertig. In den kommenden Jahren wird der Westflügel mit dem Appartement der Herzogin und der klassizistischen Wohnung der Prinzessin Alexandrine restauriert und eingerichtet.

Das kleine Versailles

Schloss Ludwigslust wurde zwischen 1772 und 1776 errichtet. Das Schloss als Mittelpunkt einer barocken Stadtanlage mit Park nach englischem Vorbild wurde im Auftrag von Herzog Friedrich von Mecklenburg-Schwerin (1717-1785) nach Plänen des Hofbaumeisters Johann Joachim Busch (1720-1802) erbaut. Ludwigslust war auch unter Großherzog Friedrich Franz I. (1756-1837) Hauptresidenz. Großherzog Paul Friedrich (1800-1842) verlegte den Residenzsitz zurück nach Schwerin, fortan diente Ludwigslust als Jagd- und Sommerresidenz.

Seit 1986 gehört das Schloss zum Staatlichen Museum Schwerin. Seit 2011 wird der Ostflügel saniert. Ab 6. März werden Kunstwerke wie die Gemälde von Jean-Baptiste Oudry, Uhren, Meissner Porzellane, Büsten von Jean-Antoine Houdon, Elfenbeinarbeiten oder Hamburger Silber- und Kunstkammerobjekte ausgestellt.

Marcus Stöcklin

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