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Kultur im Norden So zärtlich war Suleyken in Mecklenburg
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22:14 11.07.2016
Andreas Hutzel (r.) liest masurische Geschichten, Martina Tegtmeyer und Jan Baruschke geben den passenden Sound dazu. Quelle: Petra Haase

Demern. „Er hielt den Mund geschlossen, und sein Atem drang summend durch die Nase, als ob in den Nasenlöchern zwei Fliegen säßen.“ Der Geigenbogen schrammt über eine Saite, und ein Schnarchen zittert durch die kleine mittelalterliche Petrikirche in Demern in Nordwestmecklenburg. Am Sonntagabend wird es für zwei Stunden lebendig, das schlitzohrige, ein bisschen verschrobene wie liebenswerte Personal aus Siegfried Lenz’ Geschichten „So zärtlich war Suleyken“.

Es ist eine Hommage an seine masurischen Heimat im Süden Ostpreußens mit Menschen, „zu deren Eigenarten blitzhafte Schläue gehörte und schwerfällige Tücke, tapsige Zärtlichkeit und eine rührende Geduld“. Der Schauspieler Andreas Hutzel, Allzweckwaffe des Theaters Lübeck und hier folkloristisch gewandet mit Mäntelchen und Pelzmütze, verleiht dem Leseteufel Hamilkar Schaß, Onkel Manoah (der mit dem Schnarchen), dem verliebten Joseph Waldemar Gritzan, den Viehhändlern Plew und Jegelka sowie der badelustigen Tante Arafa beim Vorlesen viele Facetten dieser Seele. Die zungenbrecherischen Namen und Orte formuliert er mit Hingabe bis in den letzten Buchstaben aus, verzichtet aber auf die Imitation des ostpreußischen Idioms.

Die Stimmungen in den Geschichten und Szenen untermalen Jan Baruschke auf der Violine und Martina Tegtmeyer auf dem Akkordeon mal behutsam, mal mit viel Schmackes. Zwischen den vier Geschichten erschaffen die Lübecker Musiker klangvolle Landschaften und illustrieren die heiteren Geschichten mit melancholischen oder schmissigen Melodien aus Polen, Rumänien, Moldawien, Russland und von Astor Piazolla.

So zärtlich Lenz die Leutchen im fiktiven Suleyken beschreibt, so liebevoll nähern sich die Künstler dem Stoff. Es ist nicht ihr erstes gemeinsames Projekt, die drei haben bereits russische Märchen gelesen und gespielt. Im Herbst soll es weitere Vorstellungen der masurischen Geschichten geben. Die Besucher in der restlos gefüllten Demerner Kirche waren überaus begeistert und forderten Zugaben – Suleyken schlug Fußball.

Petra Haase

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