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Kultur im Norden Sommeroperette: Piraten, Jungfern und die Queen
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23:42 20.06.2013
Von Michael Berger
Ende in Frieden: Das Liebespaar (Sonja Pitsker, Alessandro Macrí) zwischen zwei Haudegen (Michael Knoll, l., Felix Müller, r.). Quelle: Foto: Lutz Roeßler

Wild stürmen die Piraten auf die Bühne, und kräftig singen sie: „Für uns Piratenzecher ist ein Becher nicht genug.“ So liebt man sie, die tapferen Korsaren. Und ihr Chef (Felix Müller) sieht mit Dreispitz und Dreadlocks auch noch aus wie Captain Jack Sparrow. Doch leider sind diese Freibeuter Maulhelden, ihr Chef ist ein eitler Stenz.

Im Schuppen 6 an der Untertrave hatte das Singspiel „Die Piraten“ Premiere, inszeniert von Michael P. Schulz, Impresario der Lübecker Sommeroperette. Die komische Oper von Arthur Sllivan und W. S. Gilbert von 1879, eigentlich ein schlankes Stück, wurde etwas legiert mit Chören, Tänzern, Statisten, und man darf behaupten: Die Sommeroperette hat lange nicht mehr so viel Bühnenpersonal mobilisiert. Die Musik klingt nach Instant-Operette mit Rezitativ-Gewürz, die Handlung ist — Genre-typisch — etwas albern. Da ist Frederic (Alessandro Macrí), den man als Kind aus Versehen in die Piratenlehre gegeben hat. Er will sich trennen von den Räuberburschen, doch so leicht geht das nicht. Irrungen, Wirrungen treten auf. Und des Generalmajors Töchter, denen der Sinn nach Heirat steht.

Die Keckste darf den Piratenlehrling kriegen.

Michael P. Schulz und seine famose Choreografin Daniela Thiele treiben den Schwank auf die Spitze der Parodie: Sie lassen ungelenke Bobbys im Piratenabwehrkampf herumhampeln, Seemänner Pirouetten drehen und flotte Jungfern tanzen. Alle sind in Bewegung, es gibt keinen Leerlauf auf den Brettern. Zur hörbaren Lust des Publikums. Doch es steht eine Knallcharge zuviel zwischen den Akteurn: Michael Knoll (Generalmajor) ist ein wahrer Komödiant und Rapper, aber nur ein lausiger Sänger. Ebenso Kay Brettschneider als Polizeichef. Sonja Pitsker als Mabel kommt daneben ganz groß raus mit einem Sopran, den sie blendend auszustellen weiß.

Die Kapelle klingt etwas dünn, was erstens an der knappen Besetzung liegt und zweitens an der trockenen Akustik. Der Raum aber spielt ansonsten wunderbar mit, da biegen sich die Balken, wenn der Generalmajor mit einer Lüge den Piraten entkommt, da wird das Traveufer zur Küste von Cornwall, wenn das Piraten-Kraweel anlegt.

Am Schluss gibt‘s die große Versöhnung im Dreivierteltakt, und Schulz legt noch eine Schaufel Ironie drauf. (Psst, nicht verraten: Queen Elizabeth erscheint!)

Weitere Aufführungen: Heute 19.30 Uhr, morgen, 15 und 19.30 Uhr, So. 15 Uhr

mib

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