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Sophie Hunger bringt die alte Industriehalle zum Glühen

Wotersen Sophie Hunger bringt die alte Industriehalle zum Glühen

Pop in vielen Sprachen: Die Schweizer Sängerin und ihre Band in der Kulturwerft Gollan.

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Eine Sängerin, die mit ihrer Stimme eine Halle füllt: Sophie Hunger beim Konzert in der Kulturwerft Gollan in Lübeck.

Quelle: Olaf Malzahn

Wotersen. „Sophie Hunger ist der rätselhafteste Star der Welt“, schrieb die Tageszeitung „Die Welt“ über die Sängerin und Songwriterin aus der Schweiz. Und sie attestierte ihr: „Sie ist ein Universalgenie.“ Sophie Hunger singt nicht nur, sie spielt auch Klavier, Akustik-Gitarre, E-Gitarre – und schreibt ihre Songs selbst. Eine ungewöhnliche Künstlerin passt an einen ungewöhnlichen Ort: Am Donnerstagabend trat sie mit ihrer vierköpfigen Band in der Kulturwerft Gollan in Lübeck auf. „Supermoon“ hieß ihr Konzert – wie ihr jüngstes Album.

 

LN-Bild

Simone Kermes gehört zu den wenigen Sängerinnen, die bevorzugt Alte Musik aufführen.

Quelle: SHMF

Das Publikum ist jünger als bei den meisten anderen SHMF-Konzerten, aber wirklich jung ist es nicht. Die Kleidung ist merklich legerer. Das mag auch an der Hitze liegen, die von Minute zu Minute ansteigt in der riesigen Halle des ehemaligen Fabrikgebäudes aus dem 19. Jahrhundert. Worauf einige Gäste nicht vorbereitet sind: Es gibt keine Stühle, dafür hat man auf den Stehplätzen sehr viel Auslauf.

Als Sophie Hunger (33) und ihre Band auf der Bühne erscheinen, fragt man sich, was so rätselhaft sein soll an dieser zierlichen, ganz in Schwarz gekleideten jungen Frau. Am ehesten noch, dass sie bei dieser Affenhitze Stiefeletten trägt.

Ohne ein Wort greift sie zur akustischen Gitarre und beginnt zu spielen und zu singen. Der ruhige und ein wenig entrückt wirkende Titelsong ihres neuesten Albums läutet das Konzert ein: „Supermoon“.

Sie ist dieser Supermond, „I am empty, but I am never alone“. Viele ihrer Texte sind englisch, aber Sophie Hunger, die in Berlin lebt, schreibt auch in anderen Sprachen, auf Deutsch, Französisch – und auf Schwyzerdütsch. „Das ist meine Muttersprache“, erklärt sie dem Publikum. „Spiegelbild“ heißt der Titel, der für Nicht-Schweizer ohne Übersetzung kaum zu verstehen ist und so klingt: „Min Dokter seit: Chumm, leg dr Mantel ab“ (Mein Arzt sagt: Komm, leg den Mantel ab), „Und ich säg: Aber drunder han i nüt“ (Und ich sage: Aber drunter habe ich nichts), „Min Dokter seit: Chumm, leg dr Mantel ab“ (Mein Arzt sagt: Komm, leg den Mantel ab). „Und ich säg: Aber drunder bin i nüt“ (Und ich sage: Aber drunter bin ich nichts).

Mit ihrer ein wenig rauen Stimme scheint Sophie Hunger machen zu können, was sie will. Bei ihrer Version des Prince-Titels „Purple Rain“ fangen einige Zuhörer an mitzusingen oder zu -summen. Dann drehen Sophie Hunger und ihre Band wieder richtig auf. Weiche bis wehmütige Lieder wechseln sich ab mit rockigen Nummern. Ein Teil des Publikums fängt an zu tanzen oder wippt zumindest mit dem Vorderfuß, ein kleinerer flieht vor der Lautstärke in ruhigere Bereiche. Zwischendrin spricht Sophie Hunger nicht viel. Und wenn sie etwas sagt, dann so leise, dass sie manchmal kaum zu verstehen ist. Sie ist bekannt dafür, dass sie wenig Persönliches preisgibt. Vom Publikum verlangt sie, dass es sich Mühe gibt, sie zu verstehen. Dann wieder bringt sie die Halle zum Glühen.

Schon nach einer guten Stunde geht sie von der Bühne, lässt sich aber vom Publikum zurückholen. Dies sei einer der allerletzten Sommerabende, an denen man hätte draußen sein können, sagt sie: „Vielen Dank, dass ihr reingekommen und geblieben seid.“ Ein, zwei Songs noch, dann geht das Licht an, und der Zauber ist vorbei.

Liliane Jolitz

SHMF: 151000 Besucher bei Haydn & Co

Das Schleswig-Holstein Musik-Festival (SHMF) hatte in diesem Sommer 151000 Besucher. Damit wurden die Rekorde von 2014 und 2015 mit zuletzt rund 154000 Zuschauern nicht ganz erreicht. Die Auslastung lag bei allen Konzerten im Schnitt bei 84 Prozent. Rund 145000 Besucher kamen zu den Konzerten, fünf Musikfesten auf dem Lande und zwei Kindermusikfesten, rund 6000 zu den öffentlichen Proben der Orchesterakademie und den Meisterkursen. Es gab 178 Konzerte, fünf Musikfeste auf dem Lande und zwei Kindermusikfeste, 102 Veranstaltungen waren ausverkauft. 57 Orte in Schleswig-Holstein, Hamburg, Süddänemark und im nördlichen Niedersachsen wurden bespielt.

Das Jubiläums-Festival „30 Jahre SHMF“ klingt morgen mit Joseph Haydns „Schöpfung“ in der Kieler Sparkassen-Arena aus. Mit diesem Oratorium hatte Leonard Bernstein vor 30 Jahren den musikalischen Grundstein für das erste SHMF gelegt. In diesem Jahr stand Komponist Joseph Haydn (1732-1809) im Zentrum des Programms, das Solistenporträt wurde dem ungarischen Pianisten Sir András Schiff gewidmet.

„Mit unserer Joseph Haydn gewidmeten Komponisten-Retrospektive haben wir ein Schlaglicht auf den Vater der Wiener Klassik geworfen“, sagte Intendant Christian Kuhnt. Allein 3000 Menschen hätten die Aufführung von Haydns „Jahreszeiten“ auf der Jubiläumsfeier in der Halle des Kunstwerks Carlshütte in Büdelsdorf besucht.

Das Abschlusskonzert bestreiten morgen das NDR-Elbphilharmonie-Orchester und die Solisten Ekaterina Siurina (Sopran), Anna Lucia Richter (Sopran), Lothar Odinius (Tenor), Florian Boesch (Bariton) und Franz-Josef Selig (Bass) gemeinsam mit dem Festivalchor unter der Leitung von Roger Norrington. Es gibt noch Karten. „Die Schöpfung“ wird aber auch im Rahmen des ARD-Radiofestivals von NDR-Kultur ab 20 Uhr bundesweit übertragen.

Ein heißer Abend über die Macht der Liebe

Die Reithalle von Schloss Wotersen ist eine Spielstätte des Festivals, die warmes Wetter eigentlich nicht verträgt. Zu heiß und zu stickig wird es sehr schnell unter dem Holzdach. Und wenn auf der Bühne auch noch brennende Leidenschaft dargeboten wird, dann steigen die Temperaturen in das gefühlt Unermessliche.

Die Sopranistin Simone Kermes, das auf alten Instrumenten spielende Ensemble La Magnifica Comunità und zwei Tänzer sorgten für die Leidenschaft. Schlicht „Love“ lautete der Titel des Programms, es beinhaltete Lieder, Arien und Sonaten zum Thema aus der Zeit der späten Renaissance und des frühen Barock.

Auf diesem Gebiet gibt es kaum eine bessere Interpretin als Simone Kermes. Sie erschien – der Hitze trotzend – in einer an der Renaissance-Mode orientierten Robe, die beiden Tänzer Indra Stark und Michele Ciacci trugen ihr ein goldenes Vlies hinterher – eine angemessene Huldigung für die Sängerin. Wie Simone Kermes von himmelhoch jauchzender Stimmung in das Gegenteil der absoluten Verzweiflung wechselte, war atemberaubend. Wunderbarste Pianokultur gepaart mit Präsenz und Ausdrucksstärke, wie man sie selten erlebt, dazu eine Palette an Klangfarben, von der andere Sänger nur träumen können:

Besser als Simone Kermes kann man diese Musik wohl kaum aufführen.

Von ebensolcher Qualität war die Begleitung durch das italienische Consort, das der Violinist Enrici Casazza leitete. Saubere Intonation und präzises Zusammenspiel, Klangschönheit und große Musikalität zeichneten die Musiker aus.

Ob dieser Abend tatsächlich der Choreografie von Torsten Händler bedurft hat, sei dahingestellt. Simone Kermes wäre es auch ohne Tanz-Einlagen gelungen, aus kleinen Liedern große Oper zu machen. Ihre Stimme ist eigentlich zu verzaubernd, als dass sie Beilagen nötig hätte. Jürgen Feldhoff

LN

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