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Spät nachts geht es um Leben oder Tod

Lübeck Spät nachts geht es um Leben oder Tod

Viele Höhepunkte bei der Lübecker Theaternacht, aber etwas weniger Besucher als im Vorjahr.

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Große Roben: Schauspieler Robert Brandt, selbst fantasievoll in einen gelb-schwarzen Anzug gekleidet, versteigerte auf der neuen Probebühne Theaterkostüme.

Lübeck. Den mit roten Rosen bedruckten Frack aus wasserfestem Material wurde Robert Brandt nicht so leicht los. Auch für die Robe des Romeo gab es nicht gleich einen Interessenten. Auch nicht, als Brandt, Mitglied des Schauspiel- Ensembles am Theater Lübeck, einen Besucher der Kostümversteigerung das blassbeige Gewand überziehen ließ und lockte: „Wenn Sie fünf Euro drauflegen, kriegen Sie den Mann noch dazu.“

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„Zum Glück haben sie nicht den Däumling gespielt. Der ist noch unheimlicher — diese abge- schnittenen Daumen!“ Anja Rasch (46)

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Am Ende aber waren dann alle Sachen weg, Kostüme aus „Romeo und Julia“, „Zar und Zimmermann“ oder „König Lear“. Lauter Raritäten. Mit am beeindruckendsten: ein lila-schillerndes Abendkleid für drei Personen (!), das 30 Euro erbrachte, ein Spitzenwert an diesem Abend. Der gelbe Anzug mit schwarzem Muster, den Robert Brandt trug, hätte auch gut in die Versteigerung gepasst. Den wollte er jedoch nicht hergeben.

Die Kostümversteigerung in der Neuen Probenbühne des Theaters Lübeck war ein Glanzpunkt der Lübecker Theaternacht. Erstaunlicherweise musste keiner draußen vor der Tür bleiben, alle fanden Platz, auf harten Holzbänken, aber immerhin. Ansonsten gehören ja lange Warteschlangen, bisweilen auch Gedrängel zur Theaternacht. Zwar wurden dieses Mal mit 2800 Karten etwa 200 weniger ausgegeben als im Jahr zuvor. Zu spüren aber war dies nicht.

Auch dieses Mal brauchte Geduld, wer die Kostprobe des Weihnachtsmärchens „Die Schneekönigin (siehe rechts) oder „Dead or Alive“ in den Kammerspielen miterleben wollte. Schon lange vor Beginn standen viele für den Slam an, und dann ging es auch noch erst mit gut 20-minütiger Verspätung los. Keine Poeten traten an, sondern Musiker: vier Schauspieler als Frank Sinatra (Julius Robin Weigel), Johnny Cash (Henning Sembritzki), Falco (Matthias Hermann) und Edith Piaf (Vasiliki Roussi). Es war ein harter Kampf gegen die lebenden Musiker Benni Benson, Susi Asado, Aerodice und Lukas Rauchstein, bei dem sich die toten Musiker schließlich knapp geschlagen geben musste. Ein Erfolg, an dem Aerodice mit einem Rap-Dialog aus Didgeridoo- und Humanbeatbox-Klängen maßgeblich beteiligt waren. Selbst Edith Piaf, bei den toten Musikern in der Bewertung der Publikumsjury vorn, ließen die beiden Musiker aus Lüneburg hinter sich. Am Ende waren zwei Punkte entscheidend.

Bei der Gala zur Eröffnung der Saison des Musiktheaters im Großen Haus überzeugte neben dem gut aufgelegten Spiel-Bass Taras Konoshchenko auch der neu engagierte Tenor Daniel Jenz. Ein talentierter junger Sänger mit einer beeindruckenden natürlichen Höhe in der noch nicht ausgereiften Stimme, die er bereits gut zu führen weiß. Mit diesem Material ist er prädestiniert für Rossini-Opern, mit einer Arie aus „La Cenerentola“ stellte er sein Können unter Beweis. Auf die Entwicklung dieses Sängers darf man gespannt sein.

Im Volkstheater Geisler stand am späten Abend die leichte Muse im Mittelpunkt. Das Ensemble von Ostsee Entertainment um Michael Knoll bot schwungvolle „1000 Takte Schlager“ (ganz so viele waren es nicht), bei denen auch Stefan Schwabe, Chef des Filmpalasts Stadthalle, als Sänger brillierte. Mit Musical-Melodien ging es dann weiter in die Mitternachtsshow, das Stammpublikum von Geisler-Theater und Sommeroperette hielt tapfer durch.

Echte Don Juans sterben aus, das konnte man auf dem Theaterschiff erfahren. Dort gab es ein kleines Medley aus dem neuen Stück „Machos auf Eis“, das ab dem 26. September ins Programm kommt. Was passiert, wenn ein Macho, ein etwas dümmlicher DJ und ein Vollblutweib in einem Kühlraum eingesperrt sind und nur eine Karaokemaschine zur Ablenkung haben? Dann werden platte Vorurteile über das andere Geschlecht ausgetauscht, und natürlich wird gesungen, was das Zeug hält. Das machen die drei Schauspieler allerdings richtig gut. Egal, ob „Macho, Macho“, „Männer“ oder „Time of my life“ aus „Dirty Dancing“ — inklusive Hebefigur. Da verzeiht man auch derbe Zoten.

liz/fel/MG

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