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Spanische Musik von der Oper bis zum Schlager

Lübeck Spanische Musik von der Oper bis zum Schlager

Große Revue bei der Sommeroperette feierte begeistert aufgenommene Premiere in der Jugendstil-Aula des Johanneums.

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Spanien lässt grüßen: Das diesjährige Ensemble der Lübecker Sommeroperette auf der Bühne der Aula des Johanneums.

Quelle: Fotos: Wolfgang Maxwitat

Lübeck. Spanien hat eine reiche musikalische Geschichte und Gegenwart. Aber auch die Zahl der Werke, die in spanischem oder zumindest „hispanisierten“ Stil geschrieben wurden, ist riesig. Eine Auswahl daraus hat Michael P. Schulz jetzt mit dem Ensemble seiner Lübecker Sommeroperette in der Aula des Johanneums zur Aufführung gebracht. Spanien pur – mit einigen kleinen Ausnahmen.

LN-Bild

Große Revue bei der Sommeroperette feierte begeistert aufgenommene Premiere in der Jugendstil-Aula des Johanneums.

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Zu Spanien gehörte einst die halbe Welt, unter anderem fast ganz Südamerika mit Ausnahme von Brasilien, das sich Portugal gesichert hatte. Insofern kann man, wie in der „Spanischen Serenade“

genannten Revue geschehen, auch den Tango mit einiger Mühe unter die Rubrik spanische Musik fassen. Immerhin aber brachten die drei Nummern aus der 1921 uraufgeführten Operette „Die Tangokönigin“ von Franz Léhar die Begegnung mit einem Werk, das kaum noch aufgeführt wird. „Braunes Mädel von Madrid“ oder „Bai Valparaiso in der Schenke“ heißen die Nummern, nett anzuhören aber inhaltlich etwas von der Rolle; Valparaiso etwa liegt in Chile und dort ist der Tango alles andere als populär. Aber das macht ja nicht wirklich etwas aus. Denn war dieser Revue gelungen ist und wofür man sie wirklich loben muss, ist die Tatsache, dass Regisseur Michael P. Schulz tief in die Archive gestiegen ist, um – manchmal zu Unrecht – vergessene Schätze und Raritäten zu heben. Einige erstaunliche Entdeckungen kamen dabei zustande.

Der „Affentrott“ von Leo Fall zum Beispiel, ein Song aus der Operette „Die spanische Nachtigall“ von 1920 zum Beispiel. Ein hemmungslos alberner Foxtrott ohne jeglichen spanischen Bezug, eigentlich leicht verspätete Dada-Kunst, bebildert unter anderem mit einem allerliebsten Kinderballett: Das war lustig anzuhören und nett anzusehen.

Und wer kennt schon Komponisten wie Rudolf Dellinger (1857-1910) oder Conradin Kreutzer (1780-1849)? Deren Werke können neben den Kompositionen eines Robert Stolz oder eines Nico Dostal durchaus bestehen, bei manchen Liedern ist es direkt unverständlich, dass sie in Vergessenheit geraten sind.

Michael P. Schulz bringt die fast drei Stunden dauernde Revue routiniert und ohne künstlerische Wagnisse auf die Bühne. Das ist bei Texten, in denen sich Herz auf Schmerz und Liebe auf Triebe reimt, auch richtig und angemessen. Die Kostüme sind ausgesprochen opulent, die Choreografien von Sarah Schneider sind nicht übertrieben kompliziert und können sich durchweg sehen lassen. Warum sich allerdings ein Cancan in diesen spanischen Abend eingeschlichen hat, bleibt etwas rätselhaft.

Stimmlich und darstellerisch setzen Sonja Pitsker, Jana Thomas und Mona Hermes die Glanzlichter des Abends. Mona Hermes demonstriert ihre ganze Bühnenerfahrung und sängerische Routine, die beiden jungen Sängerinnen an ihrer Seite zeigen Präsenz und musikalisches Potenzial. Pawel Wytrazek wirkte noch ein wenig steif auf der Bühne, stimmlich ist von ihm einiges zu erwarten. Kay Bretschneider ist nicht wirklich ein Sänger, aber ein sympathischer Darsteller. Felix Müller sang so, wie man es von ihm kennt. Musikalisch zusammengehalten wurde der Abend von Joachim Kuipers am Klavier, der seinen Mammut-Part mit großer Energie absolvierte. Viel Applaus gab es am Ende.

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Die Operettenrevue „Spanische Serenade“ wird heute um 15 Uhr in der Aula des Johanneums gespielt. Weitere Aufführungen: Mittwoch, 17. August (19.30 Uhr), Freitag, 19. August (19.30 Uhr), Sonntag, 21. August (15 Uhr), Donnerstag, 25. August (19.30 Uhr) und Sonnabend, 27. August (19.30 Uhr).

Premiere hat am Donnerstag, 11. August, um 19.30 Uhr in der Aula des Johanneums die Operette „Polenblut“ von Oskar Nedbal. Diese klassische Operette war in Lübeck zum letzten Mal 1967 zu sehen.

Jürgen Feldhoff

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