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Spaßklientel und Kunsttherapie

Boltenhagen Spaßklientel und Kunsttherapie

Birgit Schneider bietet Kreativkurse an und arbeitet im heimischen Atelier mit Patienten.

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Die Seelandschaften im Hintergrund stammen von Birgit Schneider. Kinder können bei ihr unter anderem Stofftiere ausstopfen. Fotos (2): Ulrike Oehlers

Boltenhagen. Die Tür ist unscheinbar. Sie führt an der Rezeption des Dorfhotels an der Weißen Wiek vorbei in ein Treppenhaus. Erst im Obergeschoss offenbart sich die vielseitige kreative Welt des Ateliers von Birgit Schneider. Ölbilder, Keramik, Seifenstücke und Dekorationen jeglicher Art füllen jeden Winkel des großen Raums aus, in dessen Zentrum Arbeitstische in Hufeisenform stehen.

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Keramik zum Selbergestalten gehört auch zum Kreativangebot im Atelier über dem Dorfhotel an der Weißen Wiek.

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Hier arbeitet die 45-Jährige vor allem mit Urlaubern, die entweder vorab einen Kurs gebucht haben oder spontan einen ihrer Workshops besuchen. Die Angebote sind aber auch für Einheimische gedacht.

„Viele wissen gar nicht, was ich alles mache“, hat sie festgestellt. Ihre Ausstellung von Blumenstillleben und Meeresimpressionen im Foyer des Iberotels an der Weißen Wiek, die noch bis Januar 2014 andauert, macht ihre eigenen Arbeiten zwar bekannter. Darüber hinaus ist die Mutter eines 23-jährigen Sohns aber auch als Lehrerin tätig. Ihr Spezialgebiet sind Blumen, Porträts und Seelandschaften.

Oft gibt sie Gruppen von Hobbymalern Anregungen für die weitere Arbeit, für die ein Anstoß von außen nützlich ist. „Zurzeit sind drei Frauen aus Sachsen-Anhalt angereist, die nach einer Vorlage eine Seelandschaft malen. Jeder erarbeitet sich das Bild selbst. Manchmal lege ich Rosen auf den Tisch — als Motivvorlage“, sagt Schneider.

„Ich habe mir das alles auch selber angeeignet“, erzählt sie. 1997 habe sie sich „auf die Suche“ begeben und begonnen, selber zu malen. Seinerzeit arbeitete die Boltenhagenerin noch in ihrem erlernten Beruf als medizinisch-technische Laborassistentin, ab 2005 war sie als Kauffrau im Gesundheitswesen tätig. Im Frühjahr 2008 kam ihr die Idee, sich bei der TUI zu bewerben und ein Atelier an der Weißen Wiek anzuregen. „Ich bin mit zwei großen Reisetaschen voller Bilder und Exponaten zum Vorstellungsgespräch gefahren und habe gesagt ,Hier bin ich, das kann ich.‘“ Als die Anlage an der Weißen Wiek 2008 eröffnete, war sie mit an Bord.

Ihr fünfjähriges Bestehen feierte sie zwar schon im Mai, aber würdigen will sie es vor allem mit einer neuen Veranstaltungsreihe, die am 12. und 13. Oktober startet: das Boltenhagener Kreativ-Weekend, zu dem Besucher jeweils von 9 bis 18 Uhr zu verschiedenen Workshops eingeladen sind.

Birgit Schneider bietet darüber hinaus täglich außer sonntags feste Termine für Workhops oder Basteln unter Anleitung an. Auch für Kindergeburtstage steht ihr Atelier offen. „Hier sitzen manchmal schon Kinder ab drei Jahren und bekleben zum Beispiel Flaschen oder Figuren aus Papier. Sie können selber Comicfiguren ausmalen, ich zeige ihnen dann, wie sie das Bild auf einen Keilrahmen kriegen.“

Zu den Öffnungszeiten kann jeder ohne Anmeldung kommen, unabhängig von den festen Kurszeiten.

Das Atelier ist zwar das ganze Jahr über geöffnet, im Winter engagiert sich Birgit Schneider aber verstärkt auf ihrem zweiten Standbein: der Arbeit mit Psychiatrie-Patienten, die beispielsweise unter Burnout oder Depressionen leiden. Diese trennt sie strikt von der „Spaßklientel“ und arbeitet deshalb mit ihnen in ihrem heimischen Atelier in Boltenhagen.

„Die ,Spaßklientel‘ ist zur Weiterentwicklung der Technik und des Malstils hier. In der Therapie geht es um die Weiterentwicklung der Persönlichkeit, um den Ausdruck von Emotionen“, erklärt sie. „Das Bild ist nur das Medium. Manche Patienten reden, manche malen nur. Sie dürfen bei mir so sein, wie sie sind.“

Das erforderliche Fachwissen hat sie sich bei einem Kunsttherapiestudium angeeignet, das sie 2010 beendete. „Ich habe das Pferd also von hinten aufgezäumt. Analytische Kunsttherapie ist in West- und Süddeutschland schon sehr verbreitet. Viele privaten Kassen übernehmen die Kosten, die gesetzlichen öffnen sich aber jetzt auch dafür“, hat sie festgestellt.

Welcher Teil ihrer Arbeit sie mehr fordert? „Der Freizeitbereich“, lautet die spontane Antwort. Hier habe sie den Anspruch, „immer mal was Neues zu bringen. Aber wenn ich das Leuchten von Kinderaugen sehe oder bei Älteren, die nach vielen Jahren zum ersten Mal wieder einen Pinsel in der Hand halten — das ist auch für mich ein tolles Gefühl.“

Weitere Informationen unter www.mal-ort-ostsee-strand.de.

Ich bin mit zwei großen Reisetaschen zum Vorstel- lungsgespräch gefahren.“Birgit Schneider

Ulrike Oehlers

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