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Spielberg, Clooney und eine Deutsche

Cannes Spielberg, Clooney und eine Deutsche

Die 69. Internationalen Filmfestspiele von Cannes starten am 11. Mai — Lange Liste der Stars.

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Vater und Tochter — ein ungleiches Gespann: Sandra Hüller als Ines und Peter Simonischek als Winfried/Toni im Cannes-Beitrag „Toni Erdmann“.

Quelle: Fotos: Dpa

Cannes. Julia Roberts, Woody Allen und Jodie Foster gehören zu den großen Namen beim diesjährigen Festival in Cannes. Nach langer Pause ist aber auch wieder ein Beitrag aus Deutschland im Rennen um die Goldene Palme. Maren Ade konkurriert mit ihrem Werk „Toni Erdmann“ gegen so namhafte Regisseure wie Pedro Almodóvar, Asghar Farhadi, Jim Jarmusch, Ken Loach und Sean Penn (siehe auch Text unten).

LN-Bild

Die 69. Internationalen Filmfestspiele von Cannes starten am 11. Mai — Lange Liste der Stars.

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Die Eröffnung verspricht erst einmal sehr leichte Unterhaltung: Regielegende Woody Allen (80) zeigt in Südfrankreich außer Konkurrenz mit „Café Society“ erneut eine Komödie. Es ist eine Hommage an das Hollywood der 1930er und mit Kristen Stewart, Steve Carell und Jesse Eisenberg so prominent besetzt, dass das Team gleich zu Beginn für einigen Glamour auf dem roten Teppich sorgen dürfte.

Überhaupt scheint die Gästeliste des Festivals in diesem Jahr besonders lang zu sein. Auf dem roten Teppich am Prachtboulevard Croisette werden zum Beispiel George Clooney, Charlize Theron, Juliette Binoche, Ryan Gosling, Russell Crowe und Kim Basinger erwartet.

Außerdem soll Musiker Iggy Pop für die Mitternachtspremiere von Jim Jarmuschs Dokumentation „Gimme Danger“ über die Punkgruppe The Stooges einfliegen. Jodie Foster stellt mit dem Kriminal-Drama „Money Monster“ eine weitere Regiearbeit vor, und Oscarpreisträger Steven Spielberg zeigt „The BFG“, die Verfilmung eines Kinderbuchs von Roald Dahl. Chancen auf Preise haben diese Werke allerdings nicht, sie laufen nicht im Wettbewerb.

Dort konkurrieren in diesem Jahr 21 Beiträge um die Goldene Palme. Dazu gehören wie immer viele bekannte Altmeister: Der Spanier Pedro Almodóvar, der Brite Ken Loach, der iranische Oscarpreisträger Asghar Farhadi, der für „Nader und Simin — Eine Trennung“ 2011 den Goldenen Bären der Berlinale und einen Oscar für den besten ausländischen Film gewann. Sean Penn wechselte einmal mehr auf den Regiestuhl und bringt mit „The Last Face“ ein Liebesdrama mit Javier Bardem und Charlize Theron im krisengeschüttelten Libyen an die Côte d‘Azur.

In den Wettbewerb haben es aber auch mehrere jüngere Regietalente geschafft — von denen sich viele in den Vorjahren bereits in Cannes einen Namen machen konnten. Der Rumäne Cristian Mungiu etwa, der für das Abtreibungsdrama „4 Monate, 3 Wochen und 2 Tage“ mit einem Oscar ausgezeichnet wurde, zeigt mit „Bacalaureat“ erneut ein Werk über Moral und Schuld.

Die Britin Andrea Arnold, bekannt für düstere Sozialdramen, drehte mit US-Jungstar Shia LaBeouf („American Honey“); Kanadas Regiewunderkind Xavier Dolan („Mommy“) hingegen holte für „Juste la fin du monde“ Marion Cotillard und Vincent Cassel vor die Kamera. Mit Spannung wird auch das Rassismusdrama „Loving“ von Jeff Nichols erwartet. Darin erzählt der US-Amerikaner von der Ehe einer Schwarzen mit einem Weißen im Amerika der 1950/60er Jahre.

Wer am 22. Mai mit den Hauptpreisen nach Hause fahren darf, wird die Jury um Oscar-Preisträger George Miller („Mad Max: Fury Road“, „Happy Feet“) entscheiden. Sollte die deutsche Regisseurin Maren Ade da tatsächlich die höchste Auszeichnung gewinnen, wäre das gleich in mehrfacher Hinsicht eine Sensation: Ein deutscher Filmemacher durfte zuletzt 1984 jubeln.

Damals wurde Wim Wenders für „Paris, Texas“ mit der Goldenen Palme geehrt. Der letzte Erfolg einer Frau liegt nicht so lange zurück: 1993 triumphierte die Neuseeländerin Jane Campion mit „Das Piano“

— es ist die bisher einzige Goldene Palme für eine Filmemacherin.

Schräge Vater-Tochter-Geschichte

2008 war bei den Filmfestspielen von Cannes zuletzt ein deutscher Film im Wettbewerb zu sehen: „Palermo Shooting“ von Wim 

Wenders. Gewonnen hat er nichts. Das könnte sich nun ändern: Maren Ade (39) geht mit „Toni Erdmann“ ins Rennen um die Goldene Palme.

Peter Simonischek spielt darin den 65 Jahre alten Musiklehrer Winfried, der mit seinem alten Hund zusammenlebt. Seine Tochter Ines (Sandra Hüller) ist eine Karrierefrau, die um die Welt reist, um Firmen zu optimieren. Sie versucht, sich mit einem Outsourcing-Projekt in Rumänien in einer Männerdomäne zu behaupten. Winfried beschließt, sie zu besuchen. Er überrascht sie in einem grotesken Aufzug und mit Sonnenbrille in dem Bukarester Unternehmen. Ines schleppt ihren Vater mit zu Geschäftsterminen. Da verwandelt sich Winfried mit schiefem Gebiss, schlechtem Anzug und Perücke in Toni Erdmann. Er mischt sich in Ines‘ Arbeit mit der Behauptung ein, der Coach ihres Chefs zu sein, und startet einen Amoklauf aus Scherzen.

Maren Ade war bereits mit ihrem Film „Alle anderen“ erfolgreich, in dem Birgit Minichmayr und Lars Eidinger die Hauptrollen spielen: Auf der Berlinale 2009 erhielt sie den Großen Preis der Jury. Minichmayr gewann den Silbernen Bären als beste Darstellerin.

Von Aliki Nassoufis

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