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Spurensuche in New York

Lübeck Spurensuche in New York

Es kommt schon mal vor, dass sich einer mit 16 Jahren hinstellt und sagt: Ich werde reich und berühmt. Es kommt aber auch schon mal vor, dass das nicht klappt. Bei Ludwig Nissen aus Husum war das anders. Sehr anders. Und Martina Fluck hat darüber einen Film gedreht.

Lübeck. Ludwig Nissen (1855-1924) hatte neun Geschwister, sein Vater war Seiler und die Zeit nicht einfach. 1872 ging er nach New York, wo schon ein älterer Bruder lebte. Er hatte kein Geld, er verstand die Sprache nicht, er hatte nicht die besten Aussichten für einen Siegeszug in der neuen Welt. Im Grunde besaß er nicht mehr als seinen Mut und seinen Ehrgeiz.

 

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Martina Fluck hat nach Theodor Storm oder Emil Nolde jetzt mit Ludwig Nissen einen weiteren berühmten Schleswig-Holsteiner porträtiert. Sie ist seit Jahren auch als Moderatorin bei den Filmtagen dabei.

Quelle: Foto: König
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Ehrgeizig und erfolgreich: Ludwig Nissen (1855-1924).

Quelle: Foto: Yucca-Film

Er fing ganz unten an. Er spülte Geschirr, putzte Stiefel, schlug sich durch. Er fand einen Job bei einem Friseur, bei dem er auch wohnen konnte, und lernte seine Frau kennen. Er bekam langsam Boden unter den Füßen. Er betrieb mit einem Partner ein Restaurant, das ganz gut lief. Und 1881, als er gerade mal 26 war und die Wirtschaft in den USA wieder in Fahrt kam, stieg er in den Juwelenhandel ein. Der lief noch besser.

Ludwig Nissen wurde reich, sehr reich. Er besaß ein Geschäft an der 5th. Avenue und eines in Paris. Er ließ sich in Brooklyn eine Villa bauen, fast ein Schloss. Er wurde Präsident der New Yorker Juwelenhändler, zählte zu den Honoratioren der Stadt und bald auch zu den Freunden von US-Präsident Theodor Roosevelt, an dessen Seite er sich im Ersten Weltkrieg in der deutschen Gemeinde für Kriegsanleihen stark machte. Der Junge aus Schleswig-Holstein war ein großer Mann geworden, in New York, der Hauptstadt der Welt.

Aber er vergaß nicht, wo er herkam, aus Husum, der kleinen, grauen Stadt am Meer, wo der Nebel schwer die Dächer drückt und durch die Stille das Meer braust, wie der Dichter sagt. Seine Ehe blieb kinderlos, und als er 1924 plötzlich starb, hatte er eine Stiftung für ein Museum gegründet, das 1937 eingeweiht wurde. Ein gewaltiges Backsteinbauwerk, das heute „Nordfriesland Museum. Nissenhaus Husum“ heißt.

Martina Fluck stammt aus Düsseldorf, wohnt aber in Heide und Hamburg und hat unter ihren 30 Dokumentarfilmen einige über berühmte Schleswig-Holsteiner gedreht. Über Theodor Storm zum Beispiel, der wie Nissen aus Husum stammt, ihm aber wohl nicht wirklich begegnet ist. Über die Dichter Friedrich Hebbel und Klaus Groth, über James Krüss, den Vater „Timm Thalers“ von Helgoland, über Emil Nolde.

Und jetzt also Ludwig Nissen, „der mit Abstand erfolgreichste Auswanderer Schleswig-Holsteins“, wie sie sagt.

Sie hat sich auf seine Spuren begeben, was nicht einfach war, denn es gibt so gut wie keine persönlichen Aufzeichnungen von Nissen, keine Briefe, keine Tagebücher, nichts. Aber in New York, in der Brooklyn Collection, brauchte sie seinen Namen nur in den Computer einzugeben, und erhielt 3665 Einträge in örtlichen Zeitungen. „Man kann sich nicht vorstellen, was für eine öffentliche Persönlichkeit er gewesen ist“, sagt sie.

Der Großteil des Nissen’schen Vermögens ist nach Husum geflossen, auch seine Kunstsammlung, die er auf regelmäßigen Reisen nach Europa zusammengekauft hatte. Der Film ist in Kooperation mit dem Nissenhaus entstanden, mit dem Martina Fluck seit einigen Jahren zusammenarbeitet. Er hatte Premiere, als dort im Mai eine Ausstellung eröffnet wurde. Und ein neues Projekt hat sie auch schon im Auge: ein Porträt von Rudolph und Gus Dirks, zwei Brüder aus Heide, die ebenfalls in die USA ausgewandert und nicht nur mit Rudolphs „Katzenjammer Kids“-Comics berühmt geworden sind.

„Ludwig Nissen“ (40 Min.) läuft Sonntag, 10.15 Uhr, im Cinestar – und wie alle auf dieser Seite vorgestellten Filme im Filmforum

30 Jahre Filmforum

Das Filmforum ist das Schaufenster für den norddeutschen Film bei den Nordischen Filmtagen Lübeck. Zunächst standen Filme mit Bezug zu Schleswig-Holstein im Mittelpunkt, seit der Zusammenlegung der Filmförderungen Schleswig-Holsteins und Hamburgs vor zehn Jahren auch Filme mit Hamburg-Bezug.

Gezeigt werden Spiel-, Dokumentar-, Kurz- und Animationsfilme. Alle Kurzfilme, die im Filmforum präsentiert werden, nehmen am Wettbewerb um den mit 3000 Euro dotierten Cinestar-Preis teil.

Zwischen 130 und 140 Filme werden in der Regel eingereicht, knapp ein Drittel werden präsentiert. Rund 3100 Gäste besuchen pro Jahr das Filmforum.

Peter Intelmann

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