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Starke Bilder, schöne Stimmen

Eutin Starke Bilder, schöne Stimmen

Die Eutiner Festspiele feierten am Freitagabend einen gelungenen Auftakt mit Carl Maria von Webers „Der Freischütz“ - Darsteller wie auch Zuschauer ließen sich vom Regen die Stimmung nicht vermiesen.

Die Eutiner Festspiele feierten am Freitagabend einen gelungenen Auftakt mit Carl Maria von Webers „Der Freischütz“.

Quelle: Wolfgang Maxwitat

Eutin . Pünktlich nach der Ouvertüre begann der Regen, pünktlich zur Pause hörte er wieder auf. Die Eutiner Festspiele begannen am Freitag so, wie man es schon oft erlebt hat, die Kapriolen des Wetters sorgten jedoch nicht für einen Abbruch der Vorstellung. Und das war gut so, denn die Inszenierung von Intendantin Dominique Caron überzeugte immer wieder. Schöne Bilder, schöne Stimmen und ein gelungenes Bühnenbild machten den Abend zu einem feuchten und dennoch fröhlichen Ereignis.

Die Eutiner Festspiele begannen am Freitag so, wie man es schon oft erlebt hat, die Kapriolen des Wetters sorgten jedoch nicht für einen Abbruch der Vorstellung.

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Bühnen- und Kostümbildnerin Ursula Wandaress hatte auf die Seebühne die Fassaden eines altertümlichen Städtchens gebaut, dazu die Ruinen einer Kirche und ein Vielzweck-Portal, das als Eingang zur Spielfläche ebenso dienen konnte wie als Eingang zu etwa einem Mausoleum. Eine überdimensionale, halb zerstörte Uhr im Hintergrund war so etwas wie ein Menetekel, was die Endlichkeit allen Seins ebenso darstellen sollte wie die kurze Frist, die dem verunsicherten Jägerburschen Max noch blieb, um den Probeschuss erfolgreich zu absolvieren. Dazu passten die Kostüme im nicht zu eleganten Landhausstil, die Herren im Janker, die Damen in langen, bunten Kleidern. Sehr stimmig wirkte diese Ausstattung.

Regisseurin Dominique Caron setzte auf eine traditionelle Inszenierung – der „Freischütz“ benötigt die „Segnungen“ des modernen Regietheaters auch wirklich nicht. Das Innere der Figuren zeigen gehörte zum Konzept der Regisseurin. Und so wurde aus Max ein reines Nervenbündel, aus Agathe eine junge Frau ebenfalls am Rande des Nervenzusammenbruchs. Den Gegenpart bildeten der souverän-verschlagene böse Kaspar und der redlich-biedere Förster Kuno – ein reizvoller Gegensatz.

Bei aller Traditionsbewusstheit dieser Inszenierung gab es jedoch immer wieder Regie-Ideen, die überraschten. So war der Leibhaftige, in dieser Oper Samiel genannt, von Anfang an mit im Spiel. Zunächst trat er auf wie Dr. Coppelius in E.T.A. Hoffmanns Erzählung der Sandmann und rauchte genüsslich eine Zigarre. Das deutete auf die Szene in der Wolfsschlucht hin, in der Samiels Gespenster verkleidet wie der Totengeist Baron Samedi in der haitianischen Voodoo-Religion – und Baron Samedi liebt bekanntlich Zigarren.

Die Grundlage der Regiearbeit von Dominique Caron aber war das Erzählen der Geschichte. Das gelang ihr im zweiten Teil besser als im ersten, in dem es einige Längen gab. Aber das störte den positiven Gesamteindruck nur wenig – insgesamt eine gelungene und für Eutin bestens geeignete Inszenierung.

Auch musikalisch hatte dieser Abend trotz des Wetters einiges zu bieten. Das Orchester ist schon lange immer wieder ein Problem in Eutin, es wird jedes Jahr neu zusammengestellt und ist deshalb nicht wirklich eingespielt. Dirigentin Romely Pfund gelang es bei ihrem Eutin-Debüt jedoch, einen trotz der Dämpfung durch die Regenschutz-Plane über dem Orchestergraben transparenten und frischen Weber-Klang zu entwickeln. Sie begleitete die Sängerinnen und Sänger routiniert und mit viel Gefühl für die Situation. Als ausgerechnet im Jägerchor die Männerstimmen aus dem Ruder zu laufen drohten, rettete sie die Situation.

Stimmlich überzeugend und auch darstellerisch ansprechend war Susanne Braunsteffer als Agathe. Ihr nahm man die von bösen Vorahnungen geplagte junge Frau ebenso ab wie die glücklich verliebte. Julia Bachmann als Ännchen war burschikos bei der Sache, stimmlich stets auf der Höhe. Herausragend aber war der Auftritt von Christian Sist als Kaspar. Der Sänger ist nicht nur eine eindrucksvolle Bühnenerscheinung, seine Stimme sitzt perfekt – und er weiß sie einzusetzen. Daniel Pataky als Max hingegen war nicht immer intonationssicher, die Führung seiner eigentlich schönen Stimme misslang ihm gelegentlich. Das Publikum war dennoch zufrieden und applaudierte lange.

Von Jürgen Feldhoff

Nächste Vorstellungen: 29. Juni, 9. und 15. Juli.

Die Besetzung

Regie: Dominique Caron
Musikalische Leitung: Romely Pfund
Bühne und Kostüme: Ursula Wandaress
Agathe: Susanne Braunsteffer
Max: Daniel Pataky
Ännchen: Julia Bachmann
Caspar: Christian Sist
Kuno: Oliver Weidinger
Ottokar: Manos Kia

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