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Starke Frauen stecken hinter der Kunst

Klütz Starke Frauen stecken hinter der Kunst

Kurz vor dem Frauentag hat Simone Jürß, die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises, gestern in Klütz vier Frauen vorgestellt, die hinter der Kunst im Landkreis stehen.

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Die jüngsten Teilnehmerinnen im Programm der Frauentagsfeier waren die Schülerinnen von Flamencolehrerin Ana Sojor. Fotos (5): Malte Behnk

Klütz. Kurz vor dem Frauentag hat Simone Jürß, die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises, gestern in Klütz vier Frauen vorgestellt, die hinter der Kunst im Landkreis stehen. Im Café Miluh im Kunst- und Kulturhaus Alte Molkerei in Klütz sprach Jürß mit der Malerin und Flamencotänzerin Ana Sojor (51) aus Klütz, der Weberin und Textildesignerin Katja Stelz (55) aus Palingen, der Keramikerin Birke Kästner (56) aus Dalberg und Martina Peters (57) aus Moor, die die Wolle ihrer eigenen Schafe bis zu Socken und Pullovern verarbeitet, über ihre Kunst und ihr Handwerk.

LN-Bild

Kurz vor dem Frauentag hat Simone Jürß, die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises, gestern in Klütz vier Frauen vorgestellt, die hinter der Kunst im Landkreis stehen.

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Während im Café fast alle Plätze besetzt waren, plauderte Simone Jürß mit den Künstlerinnen und Kunsthandwerkerinnen auf der Bühne über ihren Werdegang und ihre heutigen Arbeiten.

Ana Sojor, die in Klütz lebt, berichtete von ihrem Flamenco-Studium in Madrid und ihrem späteren leben in Hamburg. „Dort haben mein Mann und ich überlegt, ob wir nach Tarifa oder nach Mecklenburg gehen“, erzählte sie. Es wurde 2003 Mecklenburg. Inzwischen hat sie mit anderen Künstlern und Kunsthandwerkern die Alte Molkerei mit Galerien wiederbelebt. Hier tritt sie als Flamencotänzerin auf und bietet auch Unterricht in dem Tanz an. Ihre jüngsten Schülerinnen eröffneten die Feier zum Frauentag in der Alten Molkerei. In ihrer Malerei finden sich viele Portraits von Menschen, die ihr nahe stehen. Ein Großteil von Ana Sojors Bildern zeigen Frauen in unterschiedlichen Umgebungen und Stimmungen. „Ich finde Frauen einfach spannend und kann mit ihnen bessere Geschichten erzählen, als wenn ich Männer malen würde“, erklärte sie.

Ebenfalls in der Alten Molkerei in Klütz ist Martina Peters aus Moor ansässig. In der Galerie „Das Spinnrad“ bietet sie Kleidung und auch Puppen aus handgesponnener Wolle ihrer Pommerschen Landschafe an. Im Gespräch mit Simone Jürß berichtete sie: „Meine familiären Wurzeln liegen eigentlich in Klütz obwohl ich aus Lübeck stamme. Meine Ur-Oma hat beim Grafen Bothmer gearbeitet. Sie musste aber nach Lübeck gehen, als sie schwanger wurde.“ So sei sie fast heimgekehrt. Kurz nach der Gesprächsrunde setzte sich Martina Peters dann auch schnell ans Spinnrad und zeigte, wie sie die Naturwolle verarbeitet.

Vorführen konnte Keramikerin Birke Kästner aus Dalberg ihre Arbeit zwar nicht. Sie berichtete aber, wie sie zum künstlerischen Beruf kam und zeigte einige Arbeiten. „Ursprünglich wollte ich Mathelehrerin werden. Aber meine Eltern waren skeptisch, ob ich das in der DDR machen wollte und fragten mich immer, wie ich den später leben wolle“, berichtete sie, wie sie dazu kam, sich zwischen einer Ausbildung als Goldschmiedin oder Keramikerin zu entscheiden. Inzwischen hat sie eine große Werkstatt mit einem großen Brennofen in Dalberg. „Dort brenne ich einmal im Jahr meine Arbeiten.“

Ursprünglich aus Osnabrück ist Katja Stelz erst 1999 nach Lübeck gezogen, von wo aus sie Nordwestmecklenburg kennen lernte. „Weil uns die Landschaft so gefällt sind wir schließlich nach Palingen gezogen“, berichtet die Weberin und Textildesignerin. Sie zeigte bei der Frauentagsfeier in Klütz einige ihrer gewebten Decken und Bezüge für Sitzkissen.

Einen speziellen Auftritt des Tages sagte Ana Sojor kurz vor dem Abschluss der Feier an. Mit Mohamed al Ruba trat ein einziger Mann vor den Frauen auf. Der junge Mann aus Syrien lebt in Dassow und hatte Ana Sojor berichtet, er könne Flamenco-Gitarre spielen. „Er kam neulich her und ich war ganz beeindruckt, als er etwas vorspielte“, sagte Ana Sojor. Ebenso begeistert waren auch die Frauen im Publikum, als Mohamed al Ruba dann in die Saiten griff. „Wir werden jetzt etwas proben und dann auch gemeinsam auftreten“, kündigte Sojor an.

Frauentag wird seit 1911 gefeiert

Der Internationale Frauentag wird jedes Jahr am 8. März gefeiert. Die KPD-Politikerin Clara Zetkin schlug auf der zweiten Internationalen Konferenz sozialistischer Frauen in Kopenhagen im Jahr 1910 die Einführung des Internationalen Frauentags vor, der erstmals am 8. März 1911 ausgerufen wurde.

In der sowjetischen Besatzungszone beging man den Frauentag seit der Gründung des Demokratischen Frauenbundes Deutschlands (DFD) am 8. März 1947. Der Frauentag sollte die Gleichberechtigung der Frau fördern. Zu Hause und in den Betrieben wurde die Arbeit der Frauen gewürdigt. Oftmals bekamen sie Blumen oder kleine Präsente überreicht.

Die Frauenrechtlerin Alice Schwarzer empfindet die Übernahme dieses Frauentages nach der Wende für alle Frauen in Deutschland als „gelinde gesagt, der reinste Hohn“.

Von Malte Behnk

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