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Steely-Dan-Gitarrist Walter Becker mit 67 Jahren gestorben

Steely-Dan-Gitarrist Walter Becker mit 67 Jahren gestorben

Mit Hits wie „Rikki Don't Lose That Number“ und „Do It Again“ wurden Donald Fagen und Walter Becker weltbekannt.

New York. Das Intro kennt fast jeder. Vier-Viertel-Takt, ein paar Congas, ein kleines, blechern klingendes Becken, eine Güiro schabt im Hintergrund. Nach acht Takten setzt ein E-Piano ein, kurz darauf eine Gitarre. Und dann kommt die dünne, schon damals näselnde Stimme von Donald Fagen: „In the morning you go gunning / for the man who stole your water . . .“

 

LN-Bild

Walter Becker hatte für Oktober Konzerte in England geplant.

„Do It Again“ heißt der Song, und geschrieben wurde er von Donald Fagen und Walter Becker, besser bekannt als „Steely Dan“. Das Lied ist der erste Track auf deren Debut-Album „Can’t buy a Thrill“ aus dem Jahr 1971 und ein absoluter Welthit. Kaum ein Rhythmus ist so oft gesampelt, kopiert und nachgespielt worden wie der Beat dieses magischen Songs. Walter Becker, die eine Hälfte des kongenialen Duos, ist am Sonntag gestorben. Er sei ein „exzellenter Gitarrist und großartiger Songschreiber“ gewesen, schrieb Donald Fagen in einem Nachruf im Musikmagazin „Rolling Stone“.

Walter Becker wurde 1950 im New Yorker Stadtteil Queens geboren. Als College-Student in New York lernte er Donald Fagen kennen, mit dem er fast sein ganzes musikalisches Leben verbringen sollte.

Becker spielte Gitarre und Bass, wobei er sich als Solo-Instrumentalist eher im Hintergrund hielt.

Steely Dan – das war aus Sicht vieler nur verkopfte Musik für Typen mit Uni-Abschluss. Denn Becker und Fagen waren einerseits Perfektionisten, die Tage und Wochen im Studio und am Mischpult verbrachten, bis jeder neue Song so klang, wie sie es sich vorstellten. Andererseits waren sie Pioniere, die die Grenzen von Pop- und Rockmusik in Richtung Jazz überschritten. Und obwohl die Musik von Steely Dan immer gut verträglich war und auch immer noch ist, war sie manchen zu klinisch, zu sauber – zu perfekt.

Die überwältigende Mehrheit der Fans moderner Popmusik aber ist sich sicher: Walter Beckers und Donald Fagens Alben gehören mit zum Allerbesten, das im ausgehenden 20. Jahrhundert geschrieben und gespielt wurde. Neben „Do It Again“ sind es Songs wie „Black Friday“, „Rikki Don’t Lose That Number“, „Kid Charlemagne“, „Haitian Divorce“ oder „FM“, die auch heute noch zum gängigen Radio-Repertoire gehören. Vor allem aber ihr brillantes jazz-rockiges Album „Aja“ (1977) wurde mit Ehrungen überhäuft.

Wie sehr Becker und Fagen auf der Suche nach der einen, perfekten Version für jeden ihrer Songs waren, zeigte sich bei der Arbeit an ihrem Album „Gaucho“ (1980): Zwei Jahre frickelten sie an den sieben Songs des Albums herum und brachten dabei viele der mehr als 40 für einzelne Teile des Albums engagierten Musiker zur Verzweiflung. „Gaucho“ sollte dann auch für 20 Jahre das letzte Album von Steely Dan sein.

Wie groß der Anteil Beckers an der Musik des Duos war, kann man aus seinen Solo-Alben „11 Tracks of Whack“ (1994) und „Circus Money“ (2008) heraushören. Becker präsentiert hier teils etwas düstere Rock-Songs mit überraschenden Harmoniewechseln. Ein Thema auch: Drogen („Junkie-Girl“). Becker hatte zeitlebens ein Drogenproblem. Jetzt starb er mit 67 Jahren. Eine Todesursache wurde bisher nicht bekanntgegeben, aber erst im Juli musste er wegen einer schweren Krankheit ein Konzert mit Steely Dan absagen. Andreas Heß

LN

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