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Kultur im Norden Stefan Gwildis in der MuK: Soul, Spaß und Seelsorge
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11:05 30.10.2012
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Lübeck

Er ist ein Garant für Frohsinn. Bei Stefan Gwildis ist Verlass darauf, dass er gute Laune verbreitet. Ebenso wie auf seinen dunklen Anzug und das offene weiße Hemd. Am Sonntagabend tritt er wieder einmal in Lübeck auf. Er kommt auf die Bühne der Musik- und Kongresshalle, das Haar ergraut, der Rücken leicht gebeugt, auf dem Gesicht ein Lächeln, das dort fest installiert zu sein scheint wie ein Permanent-Make-up. Stürmisch werden er und seine Band begrüßt. Der Soulman kann sich auf sein Publikum ebenso verlassen wie das Publikum auf ihn. Im Saal sitzen viele Wiederholer. Eine Geste genügt, und – fast alle – klatschen mit.

Stefan Gwildis, gerade 54 geworden, ist auf Tour, um seine neue CD „Frei händig“ vorzustellen. Der Sänger mit dem geschmeidigen Kratzen in der Stimme beginnt mit seinem Loblied auf die Gelassenheit: „Wer los lässt, hat die Hände frei.“ Es folgt die melodiöse Aufforderung „Spiel das Lied in dir“. Der Text („Mach die Musik so laut du kannst, lass es nur raus voll und ganz, mach die Augen zu und tanz der Welt entgegen . . .“) klingt wie praktizierte Seelsorge. Dass die Worte kaum zu verstehen sind, macht den meisten offenbar nichts: Sie können auch so mitsingen.

Gwildis wendet von Anfang an Lockerungsübungen an. Er verlässt die Bühne, spricht mit Zuhörern, um sie dann namentlich vorzustellen: „Das ist Bruder Matthias“. Auch das kennt man von ihm, dass er die Leute mit Bruder und Schwester anredet, als wäre er kein Soul-Musiker, sondern Wanderprediger. Nur Novizen wundern sich – auch über die Aufforderung: „Nun darf die Gemeinde sich wieder setzen.“ Oder über den überschwänglichen Ausruf am Ende des Konzerts: „Ihr habt die MuK in eine Kathedrale verwandelt.“ Ganz am Schluss wird Gwildis eine Erklärung abgeben. Ein Song auf der neuen CD heißt „Hallelujah“, „eine Verbeugung vor der Schöpfung“, erklärt der Sänger.

Deutsche Coversongs bekannter Soulstücke machten den Hamburger zum norddeutschen Soul-Star. Seine Tour begann bereits im März. Dafür wirkt Gwildis frisch.

Die Musik macht immer wieder vergessen, dass seine Show mitunter ins Übertriebene und Floskelhafte abgleitet („Das macht Spaß mit euch“). Immer wieder lässt Gwildis seiner vorzüglichen Band den Vortritt, stehen die Mitglieder bei Soli im Rampenlicht, um anschließend vom Publikum verdient gefeiert zu werden. Auch Gwildis verlässt manchmal seine Rolle als Ein-Mann-Karnevalsverein. Er kann auch ernst. Andächtige Stille im Saal, als er seine Coverversion von Michel Legrands „Windmills Of Your Mind“ vorträgt.

Am Ende verabschiedet sich Gwildis per Handschlag von Zuhörern in der ersten Reihe. Grelles Licht erhellt den Saal. Aber die Show ist noch nicht vorbei. Das Publikum verlangt nach einer Zugabe. „You want some more?“ „Jaaaaa.“ „Ihr wollt weiter grooven?“ „Jaaaa.“ „Ihr wollt richtig schwitzen?“ „Jaaaa.“ Viele Zuschauer stehen auf und tanzen. Die Stuhlreihen wackeln.

Nach fast drei Stunden noch ein Lob von Gwildis an seine Gemeinde: „Das habt ihr gut hingekriegt, Lübecker.“

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