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Kultur im Norden Stefan Gwildis unter Brüdern und Schwestern
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19:15 16.02.2016
Gwildis mit seinem Gitarristen Marc Awounou in der MuK-Rotunde: „Von mir aus können sie den Konzertsaal abreißen...“ Quelle: Olaf Malzahn

Die Halle bebt, das Publikum tanzt, und gemeinsamer Gesang erfüllt die Rotunde der Musik- und Kongresshalle Lübeck. Soulman Stefan Gwildis bringt die Zuschauer am Montagabend nach nicht einmal fünf Minuten zum Feiern. Während das Publikum zunächst gebannt auf die Bühne schaut, auf der die sechsköpfige Band das Lied „Tanzen übern Kiez“ anstimmt, schlendert der Sänger lachend durch die Reihen und begrüßt seine Zuschauer mit Handschlag.

Gute Laune ist bei Gwildis Programm, ebenso wie seine charmanten Übertreibungen. „Nach unserem Tourauftakt in Norderstedt wollten wir in eine besondere Stadt. In eine Stadt mit Weltklasse, mit Charisma und Stil. Kiel? Plön? Nein, Lübeck!“, scherzt der Sänger. Dass er seine Zuschauer Brüder und Schwestern nennt, hat mittlerweile Tradition. „Die Gemeinde darf sich setzen“, ruft er, nachdem die ersten Hits vorbei sind.

Nun streift er wieder durchs Publikum, Gwildis sucht Geburtstagskinder, um ihnen ein Lied zu widmen. Dass er selbst nach eigenen Aussagen mittlerweile seinen „unsexy 57. Geburtstag“ gefeiert hat, macht ihm angeblich nichts aus. Um trotzdem nicht noch mehr graue Haare zu bekommen, hat der Sänger einen hanseatischen Meditations-Tipp im Gepäck. „Poller hocken, Schiffe gucken, Schnauze halten“, lautet das Rezept seines neuesten Songs „Poller hocken“. In Plauderlaune gerät er aber doch, als er von einem Abend auf Sylt erzählt, an dem er auf eine „Gin-Tonic-Mine“ getreten sei. „Da hab ich das entwaffnende Wort ,Nö‘ kennen gelernt“, sagt er. Den gleichnamigen Hit singen am Ende alle mit. Ebenso wie die deutsche Version „Wir haben noch jeden Berg geschafft“ von Marvin Gayes Klassiker „Ain‘t no mountain high enough“, die beweist, dass Stefan Gwildis es mit den Größen des Soul aufnehmen kann. Auf der Bühne steht auch der Gospelchor „Just 4 you“, den Gwildis sich persönlich für seinen Auftritt in Lübeck ausgesucht hat.

Dass der Hamburger mit der Reibeisenstimme auch ruhigere Töne beherrscht, zeigt er in der zweiten Hälfte. In seinem Lied „Handvoll Liebe“ wirbt er für mehr Toleranz in Zeiten der Flüchtlingskrise.

Immer wieder schiebt Gwildis seine Musiker in den Vordergrund, die vom Publikum ebenso gefeiert werden wie er selbst. Auch das Ambiente der Rotunde gefällt dem Soulman. „Ich find‘s hier viel schöner als im Saal. Von mir aus können sie den abreißen und ein Parkhaus bauen“, scherzt Gwildis, bevor er sich, ebenfalls mit Handschlag, von den Zuschauer der vorderen Reihen verabschiedet. Natürlich nur, um dann für die Zugaben noch einmal auf die Bühne zu kommen. Mit einem gefühlvollen Cover von Joe Cockers Hit „You are so beautiful“ sagt er nach fast drei Stunden Tschüs zu seinen Brüdern und Schwestern.

Maike Wegner

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