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Kultur im Norden Steinbeck und Strip-Show im Stall
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18:16 26.01.2016
Gösta Harbs hält alle Fäden im Theater im Stall in der Hand. Seine Frau Angelika Bertram führt häufig Regie. Quelle: Petra Haase

Neu-Horst. „Ich nenne das den Wacken-Effekt“, sagt Gösta Harbs. „Mittags stelle ich die Termine ins Netz, abends ist fast alles ausgebucht.“ Ähnlich wie beim Metal Open Air Festival in Wacken. Noch eine Parallele gibt es: Beide Bühnen stehen in kleinen Nestern in Schleswig-Holstein, doch damit enden die Gemeinsamkeiten.

Das Theater im Stall mit 73 Plätzen lockt Besucher von weither nach Neu-Horst in der Nähe von Mölln (Kreis Herzogtum Lauenburg). Im ehemaligen Kälberstall der Gutsanlage bringen die fast 30 Amateurschauspieler der Cumpaney seit 16 Jahren mehrere Stücke pro Jahr auf die Bühne: Die Komödie um arbeitslose Stripper „Ganz oder gar nicht“, „Von Mäusen und Menschen“ nach John Steinbeck, der Thriller „Misery“, „Acht Frauen“, „Nora“ oder „Einer flog über das Kuckucksnest“ standen unter anderem auf dem Spielplan.

Über die Region hinaus bekannt sind auch die Open-Air-Aufführungen im Ratzeburger Domhof. Shakespeares „Ein Sommernachtstraum“, „Der Glöckner von Notre Dame“ oder „Hexenjagd“ wurden zu großen Erfolgen. „Wir hatten jeweils bis zu 3500 Besucher“, freut sich Gösta Harbs. Alle drei Jahre stemmt das Amateurtheater so ein Stück, „alles ohne Zuschüsse“.

Drei Mitglieder der Cumpaney treten außerdem als Ensemble „Bühnenreif“ mit kleineren Stücken und Revuen auf und werden gern für private oder Firmenveranstaltungen gebucht. Und alle zwei Jahre öffnet sich das Theater im Stall für andere Bühnen bei den Theatertagen in Neu-Horst.

Ratzeburg ist die Keimzelle der Cumpaney, die sich 1978 gegründet hat und zunächst im Kleinen Kellertheater spielte. 1993 stießen Gösta Harbs und seine Frau, die Schauspielerin Angela Bertram, dazu.

1998 baute Harbs, der eine Druckerei in Reinbek betrieben hatte, den alten Mopedschuppen und Kälberstall neben seiner Wohnung in Neu-Horst zu einem kleinen, feinen Theatersaal mit Probenbühne und Foyer um.

Elf Euro kostet eine Karte. „Das reicht, um unsere Kosten zu decken“, sagt Harbs. Das Schöne sei die familiäre Atmosphäre. Aber nicht nur der Erfolg bei den Zuschauern sei wichtig. Wenn sich Menschen aus der Region, die von Alter, Beruf und Herkunft äußerst unterschiedlich sind, über einen längeren Zeitraum mit einem Stück auseinandersetzen und dabei ihre Grenzen immer wieder ausloten, sei das ein Wert für sich. So etwa bei der Inszenierung, dem düsteren Krimi „Tannöd“ nach dem Roman von Andrea Schenkel. Das Stück ist zu sehen vom 15.-17., 21.-24., 28.-30. April sowie am 1. Mai, und natürlich ausverkauft. Interessenten können sich in eine Warteliste eintragen. P. Haase

• www.theater-im-stall.de

LN

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