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Steve Waitt und die Mühen der Ebene

Lübeck Steve Waitt und die Mühen der Ebene

Nach dem Konzert im Tonfink geht die Spendendose rum – Band aus New York auf Tour durch kleine deutsche Clubs.

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Vorm Fenster: Gitarrist Greg Tuohey (v. l.), Steve Waitt, Bassist Mark Beumer und Schlagzeuger Gordon Piggott.

Quelle: Thorsten Wulff

Lübeck. Lübeck. Dem „Rolling Stone“ lag eine CD bei, zehn Songs, ausgesucht von der Redaktion. Die Tindersticks waren darunter, Lucinda Williams und auch ein unbekannter Mann namens Steve Waitt. „A Ghost You Let In“ hieß das Stück, und es war großartig. Es beginnt mit einer leisen Pianofigur und bleibt dann die restlichen viereinhalb Minuten in dieser verhaltenen Schwebe. Am Dienstag hat der unbekannte Mann mit seiner Band in Lübeck gespielt, im Tonfink, und das ist ein weiter Weg für jemanden aus New York City.

Steve Waitt ist 42 und macht schon eine ganze Weile Musik. Er hat fünf Alben veröffentlicht, von denen zwei in Deutschland erhältlich sind. „Stranger In A Stranger Land“ heißt das letzte, eine Zusammenstellung mit Songs seiner vorherigen EPs. Eine sechste Platte ist in Arbeit, sagt er. Sie soll nächstes Jahr erscheinen, im Frühling vielleicht oder im Sommer.

Es ist nicht viel Platz im Tonfink, die Band spielt zwischen den großen Fenstern und der Theke. Es sind drei, vier Dutzend Leute da, kein großes Publikum, aber das ist nichts Neues für die Band. Sie ist jetzt vier Wochen unterwegs in Deutschland und spielt vor allem in kleineren Clubs. In Bielefeld etwa in der Extra Blues Bar, in 02692 Singwitz im Kesselhaus. Und Eintritt wird auch nicht verlangt. Es geht nur nachher ein hohler Plüschhund rum, und wem es gefallen hat, der steckt Geld hinein.

Waitt hat mit der Musik vor 30 Jahren begonnen, zu Hause in Tuscon, Arizona, im Chor. Später hat er Led Zeppelin entdeckt, Nirvana, Jazz, Experimentelles, Tom Waits, Bob Dylan. Man hört das alles in seiner Musik, es taucht alles auf. Vielleicht könnte man Westcoast dazu sagen, mal etwas bluesiger, mal etwas rockiger. Der Gitarrist Greg Tuohey hat immer Platz für ein Solo und greift auch zum Bottleneck, und Steve Waitt klammert das alles mit seiner Stimme.

Es ist keine wirklich außergewöhnliche Musik, aber den Leuten gefällt es. Wer mag, kauft sich am Ausgang noch eine CD für 15 Euro, dann packen die Musiker bald zusammen und gucken, wo es mit dem Sprinter am nächsten Tag hingeht. In diesem Fall nach Rostock, dann kommt Köln, zum Schluss Bremen mit einem Auftritt für das Nordwestradio. Dann geht es zurück nach New York.

Man wird nicht reich bei solchen Touren, hat Waitt in einem Interview erzählt. Eine Familie könnte er davon nicht ernähren. Aber in Deutschland lägen die Städte dicht beieinander, da brauche man wenigstens nicht so weit zu fahren wie in den USA, wo man nach zwölf Stunden im Bus vor 20, 30 Leuten für ein paar Getränkebons spiele. Aber ihm gefällt das, sagt er. Und wenn sie das nächste Mal in Lübeck sind, spielen sie vielleicht auch „A Ghost You Let In“. int

LN

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