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Stilbrüche von hohem Niveau

Wotersen Stilbrüche von hohem Niveau

Canadian Brass kombinieren in Wotersen Klassik, Jazz und Pop.

Wotersen. Die fünf Männer nehmen sich nicht gar so ernst. Schon ihre Aufmachung verrät es: schwarze Anzüge, aber weiße Turnschuhe dazu. Dieser Stilbruch zieht sich durch den Abend. Nichts ist den Kanadiern heilig, alles lässt sich ineinander arrangieren und miteinander kombinieren. Die Regeln des guten Musikgeschmacks gelten nur noch ansatzweise. Canadian Brass lässt einen Hauch von Chronologie in der Programmgestaltung durchblicken, gewissermaßen als Zugeständnis an die Konservativen unter den Hörern.

Das Konzert beginnt mit Werken aus der Renaissance und dem Frühbarock und endet bei Schumann, Brahms und Rimski-Korsakow. Dazwischen gibt es immer wieder Jazz oder mal einen Beatles-Klassiker wie Penny Lane mit einem fantastischen Solo auf der Piccolo-Trompete (gespielt von Caleb Hudson).

Schon der Konzertbeginn ist großartig. Während das Publikum in der hochsommerlich warmen, vollbesetzten Reithalle erwartungsvoll zur Bühne äugt, kommen sie musizierend von hinten und ziehen im Gänsemarsch und launige Stimmung verbreitend ein. Es dauert keine drei Minuten und das Publikum ist hin und weg von den charmanten Männern, die abwechselnd ihre Programmtitel anmoderieren — Gründungsmitglied Chuck Daellenbach sogar auf Deutsch.

Canadian Brass spielen auf allerhöchstem Level. Jeder Ton sitzt. Es gibt hochvirtuose Passagen in Bachs „kleiner“ g-Moll-Fuge BWV 578 oder im Hummelflug von Rimski-Korsakow. Da klappert nichts, und der Ensemble-Klang ist stets perfekt. Einzige Ausnahme ist der Beginn von Beethovens „Für Elise“. Das Original klingt auf dem Flügel besser und lässt sich nur mühsam ins Blechbläser-Arrangement zwingen. Chuck Daellenbach (Tuba), Christopher Coletti und Caleb Hudson (Trompete), Achilles Liarmakolpoulos (Posaune) und Bernhard Scully (Horn) spielen drei Zugaben und hinterlassen eine Reithalle voller Fans.

Cornelia Schoof

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