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Still, romantisch und farbenfroh

Neukirchen Still, romantisch und farbenfroh

Emil Nolde (1867— 1956) malte bis ins hohe Alter — und er blieb seinen Motiven treu. In ihrer 60. Jahresausstellung zeigt die Nolde Stiftung Seebüll (Kreis Nordfriesland) im früheren Wohnhaus des Künstlers von heute an 178 Exponate.

Caroline Dieterich, Mitarbeiterin der Nolde Stiftung, blickt am 25.02.2015 im Haus des Malers Emil Nolde in Neukirchen (Schleswig-Holstein) auf das Bild "Großer Mohn" aus dem Jahr 1942

Quelle: Carsten Rehder/dpa

Neukirchen. „Dazu gehören 50 Gemälde, 87 Aquarelle und Zeichnungen sowie 20 Graphiken“, sagte gestern Direktor Christian Ring. Zudem sind Persönliches wie Hut und Pfeife des Künstlers, aber auch seine ersten künstlerischen Arbeiten als Neunjähriger — kleine Illustrationen für Poesiealben von Mitschülern — zu sehen.

Weitere farbenprächtige Eindrücke der Emil Nolde-Ausstellung gibt es in dieser Bildergalerie.

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Das Museum Seebüll, das zur Gemeinde Neukirchen gehört, liegt abgeschieden in der weiten Marschlandschaft an der deutsch- dänischen Grenze. „Noldes Spätwerk beginnt um 1940, die Bilder werden ruhiger, stiller, epischer und romantischer — es geht um die Emotionen und das Zwischenmenschliche“, sagt Ring. „Die Farben werden intensiver.“ „Glühender Abendhimmel“, 1945 entstanden, wirkt wie ein Farbenrausch, dominiert von intensiven Orange- und Rottönen. Die Gemälde zeigen, dass Nolde im Alter seinen Motiven treu geblieben ist: Menschen, Landschaften, Meer, Blumen, aber auch Phantastisches oder Groteskes wie der in Form einer Tier-Allegorie dargestellte „Triumph der Weisheit“ (1946). Das Spätwerk ist umfangreich. Allein zwischen 1945 und 1951 entstanden mehr als 100 Ölgemälde — danach konnte Nolde aus gesundheitlichen Gründen keine Gemälde mehr malen.

Kuratorin Caroline Dieterich betont, Nolde sei im Alter milder geworden, und die früher erkennbar kraftvolle Pinselstrich-Führung nehme sich zurück. So leuchten viele Motive lebensbejahend und heiter-sehnsuchtsvoll, etwa die verwischten Tänzerinnen in „Tanzfreude“, „Ochsen am Morgen“ (1939) mit einem kräftig Wasser lassenden Rind, oder „Freundinnen“ (1946), das Doppelporträt zweier Frauen. Typisch für Nolde: Er zeigt oft zwei, drei Gesichter auf seinen Bildern, während Picasso häufig durch den Wechsel der Perspektive aus einem Gesicht gleich mehrere zu schaffen schien.

Neben dem Bildersaal mit den Ölgemälden Noldes werden Arbeiten auf Papier in mehreren Kabinetten gezeigt, die jetzt dank neuer Beleuchtung ihren dunklen Charakter verloren haben. Auch hier überrascht Nolde mit ungeahnter Vielseitigkeit, etwa Aquarellen aus der Schweizer Bergwelt einschließlich einer sich durch Schneetreiben kämpfenden Skiläuferin. Diese Motive entstanden 1948, als der 80-jährige Nolde mit seiner zweiten Frau, der 26-jährigen Jolanthe Erdmann (Tochter des Komponisten und Pianisten Eduard Erdmann), auf Hochzeitsreise in der Schweiz war. Seine erste Frau Ada, an dessen Seite sich Nolde später begraben ließ, war 1946 gestorben.

Die Retrospektive des farbenfrohen expressionistischen Alterswerks lässt nichts ahnen von der ungebrochenen politischen Nähe des Künstlers zum Nationalsozialismus bis zum Kriegsende. Dabei hatten die Nazis Noldes Werk als „entartete Kunst“ verunglimpft und in der gleichnamigen Ausstellung 1937 neben Arbeiten anderer moderner Künstler verhöhnt.

Wiederholt bemühte sich Nolde, der als Bauernsohn aufgewachsen und 1934 als damals noch dänischer Staatsbürger in die „Nationalsozialistische Arbeitsgemeinschaft Schleswig“ eingetreten war, bei den Nazis um eine Rückgabe seiner beschlagnahmten Werke und seine Rehabilitation.

„Nolde hat selber eine klare Trennung zwischen Mensch und Künstler gezogen“, versucht Dieterich die verblüffenden Unterschiede zwischen politischer Einstellung und künstlerischem Schaffen zu erklären. Ring ergänzt, „Nolde ist immer seinen eigenen künstlerischen Weg gegangen, er hat sich nie angepasst, an seine Kunst geglaubt und er wollte die Nazis von ihr überzeugen.“

Geöffnet bis 30. November.

Matthias Hoenig

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