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Sting ist von seiner Blockade geheilt

Berlin Sting ist von seiner Blockade geheilt

Der Rock-Musiker legt wieder ein Album mit eigenen Songs vor — Musical über das Ende der englischen Werften.

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Sting ist einer der erfolgreichsten Musiker der Rock-Geschichte. Sein Musical „The Last Ship“ wird 2014 am Broadway uraufgeführt.

Quelle: Foto: dpa

Berlin. Nun also ein Musical: Rock-Musiker Sting (61) hat in den vergangenen Jahren Lieder von John Dowland (1563-1626) zur Laute gesungen und Police-Hits mit Orchesterbegleitung aufgenommen. Mit „The Last Ship“ folgt nun ein Bühnenstück über Schiffbauer in seiner Heimat bei Newcastle. Ein Jahr vor der geplanten Broadway- Premiere erscheinen die Lieder zunächst als Album, von Sting selbst gesungen. Es ist seine erste Sammlung neuer Songs seit zehn Jahren.

Im Herbst 2003, nach dem Album „Scared Love“, stellte er fest, dass er keine Lust mehr hatte, der alte Sting zu sein, bekannte der Musiker jüngst in Interviews.

Weg war der „brennende Wunsch, Sachen auf Papier zu bringen“, sagte er der „New York Times“. Die „Nabelschau, Beichten und Besessenheit mit sich selbst“, die zum Songschreiben dazugehören, fand er nur noch ermüdend. Sting war 50, reich und bereit für etwas anderes.

Neben dem Erforschen alter Musik kelterte er Wein auf seinem Gut in der Toscana, tourte mit seiner wiederbelebten Band The Police und solo. Nur neue Songs wollten nicht gelingen. Dann stieß er auf eine Meldung über polnische Werftarbeiter, die ihren Betrieb besetzen wollten, damit er nicht schließt.

Die Geschichte traf einen Nerv: Sting war in der kleinen Stadt Wallsend aufgewachsen, eine seiner ersten Kindheitserinnerungen waren die gewaltigen Schiffsrümpfe in der Werft am Ende der Straße, die die Häuser überragten. Sein Großvater arbeitete dort. Sting war bereits in die große Welt hinausgezogen, als der Schiffbau im globalen Wettbewerb unterging.

„The Last Ship“ ist ein Musical über Werftarbeiter, die in den 1980er Jahren ihre Werft besetzen, um noch ein allerletztes Schiff zu bauen. Diese Geschichte zu schreiben, habe ihn von seiner Schreibblockade geheilt, sagte Sting der „New York Times“: „Es öffnete die Schleusen, ich stand nicht mehr im Weg.“ Zusätzlich zum Werft-Drama gibt es einen Vater-Sohn-Konflikt und ein Liebes-Dreieck.

Es ist ein Album, auf das sich Sting-Fans erst einlassen müssen. „The Last Ship“ ist weit entfernt vom Jazz-Rock, der ihn einst zum Weltstar gemacht hat. Es ist zuallererst ein Musical mit eingängigen Melodien, Walzer-Rhythmus, Melancholie, Streicher-Einlagen und traditionellen nordenglischen Klängen. Die Erkenntnis bietet „The Last Ship“ aber auch: Der Autor von Songs wie „ If You Love Somebody Set Them Free“ kann immer noch Stücke von großer Intensität schreiben. Musical oder nicht, der Song „And Yet“ ist ihm gelungen: eine leichtfüßige Melodie, dissonante Akkorde bereichern den entspannten Cocktail-Jazz. „August Winds“ ist eine rührende Ballade und „Practical Arrangement“ ein beklemmender Hochzeitsantrag eines reichen Mannes, der weiß, dass seine Angebetete ihn nicht liebt.

Auch wenn das Musical den Songschreiber wiedererweckte, sollte sich die Police-Gemeinde vorerst keine Hoffnung auf eine Rückkehr des alten Sting machen. Er plane nicht, wie früher Songs aus seinem Innenleben heraus zu komponieren, sagte er. „Ich würde lieber über andere Leute schreiben. Meine Mine ist ausgebeutet.“ Genauso hatte Sting allerdings vor zehn Jahren eine Wiedervereinigung von The Police ausgeschlossen — und machte es doch. „Es ist unwahrscheinlich, dass ich jemals wieder einen großen Hit haben werde“, gibt sich Sting bescheiden. „Wenn aber doch, dann müsste es ein Lied sein, das aus der Reihe der üblichen Chart-Erfolge tanzt.“

„The Last Ship“, A&M Records/ Universal, 12 Songs, 45:30 Minuten

Der mit dem Stachel
Sting heißt eigentlich Gordon Matthew Thomas Sumner. Den Namen Sting (Stachel) gaben ihm Bandkollegen, als er im gelb-schwarz gestreiften Pullover auftrat und wie eine Wespe aussah. Er wurde am 2. Oktober 1951 im Nordosten von England geboren. Bevor er als Sänger und Bassist der Rockgruppe The Police (1977-2008) und als Solokünstler bekannt wurde, war er Bauarbeiter und Englischlehrer, Musik machte er nur in seiner Freizeit. Der Multimillionär ist auch politisch aktiv und Gründer der Umweltorganisation Rainforest Foundation.

Andrej Sokolow

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