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Kultur im Norden Stress auf Langeneß
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18:10 21.12.2016

Nur alle paar Jahre kommt es vor, dass die Bewohner der Hallig Langeneß weitreichende Entscheidungen zu treffen haben. Wenn es mal wieder soweit ist, dann befragen sie das Orakel. Es heißt Theodora, ist die Mutter des Bürgermeisters und fast 100 Jahre alt. Aber dieses Mal kann die alte Frau mit einem Kranz aus getrockneten Myrtenblüten im Haar nicht weiterhelfen. Was tun? Der Wattenscheider Unternehmer Konrad Klapp will zwischen Langeneß und der benachbarten Hallig Oland das weltweit erste versenkbare Gezeiten-Erlebnis-Zentrum bauen. Eine 1,4-Milliarden-Euro-Investition, die 1000 Arbeitsplätze schaffen soll – können die Halligbewohner da Nein sagen zur „Wattenstadt“?

„Wattenstadt“ ist das Debüt des studierten Volkswirts Oliver Driesen (50). Man darf bei ihm also von soliden Kenntnissen der wirtschaftlichen Zusammenhänge ausgehen. In einer Danksagung lässt der Autor allerdings seine Leser wissen, dass seine Frau aus dem Buch den gröbsten Unfug herausgefiltert habe. Wenn man es zuklappt, ist man jedoch froh, dass sie reichlich Unfug hat stehenlassen. Denn hier wird eine Geschichte erzählt, die im Kern blödsinnig ist und trotzdem nah an der Wirklichkeit.

Der Sog der Geschichte entsteht, weil der Roman, eine Art Mix aus Gesellschaftssatire, Wirtschaftskrimi und Fantasy-Story ist, der die Leser mitnimmt in eine Welt, in der sie sich problemlos zurechtfinden, die zugleich aber voller Abenteuer ist. Da ist Klapp, der schlaue, aber skrupellose Kapitalist, die Greisin Theodora, die jeden Fremden über Langeneß belehrt: „Is’ keine Insel, is’ ’ne Hallig“, und der im Umgang mit den Langenessern versierte Pastor Eberhard Watermann. Eine besondere Rolle spielt – das darf verraten werden – die Wellhornschnecke.

Mit „Wattenstadt“ ist Driesen ein mit viel Witz erzählter, kurzweiliger Roman gelungen. Und ein kluger obendrein. Bei manchen Sätzen möchte man gerne innehalten, beispielsweise, wenn der Autor beschreibt, wie sie sind, die Menschen von Langeneß: „Der bestirnte Himmel über mir, das moralische Gesetz in mir – und meine Hallig. Immanuel Kants Satz, leicht abgewandelt, gab ihnen das philosophische Fundament für ein störrisches Vor-sich-hin-Leben, dem die Schönheit einer kargen Natur und ein sturmfestes Existenzgefühl als Lustgewinn genügte.“liz

„Wattenstadt“ von Oliver Driesen, Verlag Zeilensturm.

268 Seiten, 9,99 Euro.

LN

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