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Kultur im Norden Stuttgart feiert Weissenhofsiedlung
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20:39 18.07.2016
Die Schwaben jubeln: Das Le-Corbusier-Haus der Weissenhofsiedlung ist jetzt die 41. Welterbestätte Deutschlands. Quelle: Franziska Kraufmann/dpa

. Es war eine Zitterpartie für Deutschland und für Stuttgart bis zum Schluss wegen des gescheiterten Putschversuchs in der Türkei. Dass das Welterbekomitee der Unesco in Istanbul wegen der gespannten Lage eine Entscheidung über Neuaufnahmen zunächst aussetzte, dafür gab es auch in Baden-Württemberg Verständnis. Doch dann wurden zwei 1927 erbaute Häuser des prominenten Architekten Le Corbusier doch noch auf die Welterbeliste gekommen – gemeinsam mit anderen Ikonen der Baugeschichte, die der Schweizer geschaffen hat.

Die Situation in der Türkei ließ am Sonntag nur noch eine verkürzte Sitzung zu. Nach mehr als einem Jahrzehnt des Kämpfens: Stuttgart hat einen Welterbetitel. „Dass es nun nach zwei Ablehnungen und dann unter diesen dramatischen Umständen in der Türkei geklappt hat, freut uns sehr“, sagte Anja Krämer. Sie ist Leiterin des Stuttgarter Weissenhofmuseums, das sich zusammen mit dem Verein für den Erhalt der Siedlung einsetzt.

Eine riesige Chance sei der Titel für das Museum, sagte Krämer. In den vergangenen knapp zehn Jahren seien schon mehr als eine Viertel Million Besucher gekommen. Auch Stuttgarts Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) schaute spontan bei der Feier der aufgewerteten Sehenswürdigkeit vorbei. Er sprach von einem „großartigen Erfolg“. Die vor fast 100 Jahren gebauten Häuser seien noch immer vorbildhaft. Als Rathauschef interessiere er sich für „günstige Wohnungen mit innovativen Grundrissen und neuen Materialien“.

Die Le-Corbusier-Häuser waren Teil einer Bauausstellung mit dem Titel „Die Wohnung“. Die Weissenhofsiedlung entstand Ende der 1920er-Jahre auf einer Anhöhe des Stuttgarter Talkessels. 17 Architekten waren am „mustergültigen Wohnprogramm für den modernen Großstadtmenschen“ beteiligt, darunter außer Le Corbusier auch Walter Gropius (1883-1969). Die künstlerische Leitung hatte Ludwig Mies van der Rohe (1886- 1969). Le Corbusier setzte in Stuttgart seine fünf Punkte einer neuen Architektur um. Zentrale Merkmale sind der Dachgarten, ein verschiebbares Langfenster, eine freie Grundrissgestaltung, Stützen statt massiver Mauern als tragende Konstruktion und eine freie Fassadengestaltung.

Aus Deutschland waren die Le-Corbusier-Häuser in diesem Jahr die einzigen, die für den Unesco-Titel nominiert waren. Die transnationale Ehrung würdigt das gesamte Werk des schweizerisch- französischen Architekten und Stadtplaners Le Corbusier (1887- 1965) als eine globale Sprache der Architektur. Zum Welterbe gehören jetzt seine Bauten und Ensembles in Deutschland, Frankreich, der Schweiz, Japan, Argentinien, Belgien und Indien.

LN

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