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21:23 22.06.2013
Von Liliane Jolitz
Mit 58 Jahren noch ein Neuling der Belletristik: Eugen Ruge. Quelle: Foto: Neelsen

„Es wird nichts Wichtiges“, hat Eugen Ruge über seinen neuen Roman gesagt, als er noch daran schrieb. Jetzt liegt „Cabo de Gata“ vor, 203 Seiten dünn, benannt nach dem andalusischen Ort, in dem der Ich-Erzähler 123 Tage verbringt. Vier Monate, in denen er vergeblich versucht, einen Roman zu schreiben. Der Erfolg, den Ruge mit seinem Roman-Debüt „In Zeiten des abnehmenden Lichts“ hatte — er bekam dafür den Deutschen Buchpreis — wird kaum zu wiederholen sein. Auch „Cabo de Gata“ wünscht man jedoch viele Leser.

Der Roman erzählt von einem 40 Jahre alten Schriftsteller, der aus seinem bisherigen Leben in Berlin flieht. Er will weg, aber er weiß nicht wohin. In der Silvesternacht, die er mit Sarah, der Tochter seiner früheren Lebensgefährtin, verbringt, fällt „all das Pedantische, Zwanghafte“ von ihm ab, „all das Verschlossene und Verkopfte, das ich als das Erbe meines Vaters betrachtete und das mich, da war ich ganz sicher, sowohl im Leben als auch beim Schreiben behinderte“.

Die Vermutung liegt nahe, dass Ruge sich wie schon in seinem ersten Roman bei der Auswahl des Personals in der eigenen Familie bedient hat. Jedenfalls glaubt man, in diesem „stets überlegenen gelassenen Vater“, einem „Anekdotenerzähler und Lebemann“, einem großem Redner und bekanntem Buchautor erneut Ruges Vater im richtigen Leben, den Historiker Wolfgang Ruge, zu erkennen.

Mit wenig mehr als einem Messer und ein paar Notizbüchern bricht der Erzähler auf. Er reist zunächst nach Basel, dann weiter nach Barcelona, ist aber von der Stadt enttäuscht. Er fährt weiter nach Cabo de Gata, weil sein Reiseführer diesen Ort als „das letzte romantische Fischerdorf“ Andalusiens preist. Auch die Aussicht, im Nationalpark von Cabo de Gata bereits einen Hauch von Afrika spüren zu können, reizt den Schriftsteller. Ihm scheint klar, „dass dies der Ort war, den ich gesucht hatte“. Er erweist sich jedoch als öde, zugig und kalt, die Menschen als desinteressiert bis abweisend.

Doch er bleibt. Und erzählt. Immer wieder lässt Ruge die Sätze mit „Ich erinnere mich“ beginnen. Dadurch wird klargestellt: Der Schriftsteller erhebt nicht den Anspruch, Wirkliches und Wahres mitzuteilen. Es geht allein um ihn. Er erlebt Monate, in denen so gut wie nichts passiert. Der öde Ort, seine wortkarge Vermieterin, die „Dickärschige“, die ihm sein Essen bringt, ein abweisender Barmann bilden sein Universum. Und eine Katze, mit der er eine seltsame Freundschaft schließt.

Man fühlt sich ihm sehr nah bei seiner Suche nach dem richtigen Ort, seiner Suche nach Sinn. Und man hofft, dass er sein Ziel erreichen kann, dass die Welt aufhören wird, ihn „durch Wandel zu stören“.

Und man freut sich über die Sprachkunst des Schriftstellers. Aus 123 ereignislosen Tagen hat Eugen Ruge einen stillen und feinen Roman gemacht, der einen noch gefangennimmt, wenn man das Buch längst zugeklappt hat.

„Cabo de Gata“ von Eugen Ruge, Rowohlt Verlag, 203 Seiten, 19,95 Euro

Liliane Jolitz

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