Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Kultur im Norden Supertramp-Abend mit Goldrand
Nachrichten Kultur Kultur im Norden Supertramp-Abend mit Goldrand
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:21 05.08.2017
Der alte Zauber: Roger Hodgson (67). Quelle: Foto: Marco Erhardt

„Give a little bit“ hat Roger Hodgson irgendwann Anfang der Siebziger geschrieben und es dann ein paar Jahre liegen lassen. Er war um die zwanzig und traute dem Song nicht über den Weg. Er schien ihm zu simpel. Jetzt spielt er ihn hier in der ausverkauften Holstenhalle in Neumünster als erste Zugabe, die Leute stehen längst und drängen nach vorne an die Bühne. „Give a little bit“ ist einer der Höhepunkte der Show, natürlich. Er versiegelt diesen Abend. Danach folgt ein noch simpleres „It’s raining again“, und dann geht ein ziemlich enthusiastisch gefeiertes Konzert zu Ende.

Seit 1983 solo unterwegs

Supertramp wurde 1969 gegründet und verkaufte mehr als 60 Millionen Alben. Roger Hodgson (67) verließ die Band 1983 nach Streitereien mit seinem Songschreiber-Partner Rick Davies und begann eine Solokarriere. Supertramp machte ohne ihn weiter. Eine vor zwei Jahren geplante Europatournee wurde wegen einer Krebserkrankung Davies’ abgesagt

Supertramp waren eine notorisch erfolglose Band aus Großbritannien, jedenfalls mit ihren ersten beiden Alben. Da half auch das Geld von Sam nichts, ihrem reichen Gönner aus den Niederlanden. Dann erschien 1974 „Crime of the Century“, und sie wurden zu Superstars. Das lag vor allem an Roger Hodgson. Er hat neben Rick Davies die Songs geschrieben, von ihm stammen „Logical Song“ und „Dreamer“, er ist für „Even in the quietest moments“ und „Fool’s overture“ verantwortlich. Auf ihn gehen einige maßgebliche Kapitel der Rockgeschichte zurück.

Aber das ist schon eine Weile her, und Hodgson zieht immer noch mit seinen Songs um die Welt. Er hat mit Supertramp im New Yorker Madison Square Garden und im Empire Stadion von Vancouver gespielt, er kennt sich aus mit unübersehbaren Massen vor der Bühne. Aber jetzt spielt er in Bad Lippspringe und Uelzen, beim Ferienzauber in Rottweil. Und wenn man nach den Gründen fragt, dann bekommt man an diesem Abend in Neumünster eine Ahnung davon.

Hodgson hat für die meisten im Publikum die Musik zu wichtigen Phasen ihres Lebens geschrieben. Das vergessen sie ihm nie. Sie werden den Gedanken an diese wunderbaren Jahre nicht los, dieses unbeschädigte Gefühl. Und dieser gelassene Mann da oben auf der Bühne in weißem Jackett und Turnschuhen, dessen Oxford-Englisch immer nach exakt geschnittenen Rasenkanten und einer Partie Cricket klingt, führt sie mit einer besonderen Art historischer Aufführungspraxis noch einmal dahin zurück.

Er hat eine exzellente vierköpfige Band um sich, aus der vor allem Aaron MacDonald an diversen Blasinstrumenten herausragt. Vor allem aber hat er noch diese markante Tenorstimme. Als wäre irgendwann in den Achtzigern die Zeit angehalten worden, als hätte es keinen Mauerfall und keinen 11. September gegeben, singt er beinahe makellos seine alten Songs, die immer noch den alten Zauber haben. Er wechselt zwischen Flügel, E-Piano und der zwölfsaitigen Gitarre. Er greift nur einmal zur E-Gitarre, bei „School“, weil ansonsten die Keyboards deren Arbeit tun. Und er wird vor allem für seine Supertramp-Meilensteine gefeiert. „We will never surrender“, sagt Winston Churchill in „Fool’s overture“, „wir werden niemals aufgeben.“ Roger Hodgson, wie es scheint, vorerst auch nicht.

Peter Intelmann

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Vor 150 Jahren wurde Emil Nolde geboren. Für Christian Ring, Direktor der Nolde-Stiftung Seebüll, war der Maler seiner Zeit weit voraus.

05.08.2017

Berühmte erste Male: Ich bin Pedelec gefahren. Also ein Fahrrad mit Elektrounterstützung. Und es war auch noch ein Liegerad. Zumindest ein halbes, man saß eher weit zurückgelehnt.

05.08.2017

„Viva la Mamma“ sorgte für viel Heiterkeit bei der Lübecker Sommeroperette.

05.08.2017
Anzeige