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Kultur im Norden Symphonic Mob: Lübecks größtes Orchester
Nachrichten Kultur Kultur im Norden Symphonic Mob: Lübecks größtes Orchester
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15:08 28.01.2019
400 Musiker beim Symphonic Mob: Laien und Profis spielen gemeinsam ein Konzert in der MuK. Quelle: Fotos: Ulf-Kersten Neelsen
Lübeck

Ein strahlender D-Dur-Akkord ist der Schlusspunkt der Aufführung. Sofort bricht tobender Applaus aus. Das Publikum erhebt sich und der Dirigent Andreas Wolf bringt mit einer einladenden Handbewegung das Orchester zum Stehen. Mehr als 400 Musiker – Laien und Profis gemeinsam – genießen den Beifall in der Lübecker Musik- und Kongresshalle (MuK), manche strahlen sich an, nicken sich zu, als wollten sie sagen: „Das haben wir doch ganz gut gemacht!“ Haben sie auch – das Publikum applaudiert immer noch und eine erste Zugabe ist die unweigerliche Folge.

Ein großes Erlebnis für das Spontanorchester und das Publikum – gemeinsam musizierten Laien und Profis in Lübecks MuK.

Große Werke von Bizet, Verdi und Elgar

Ein langer Tag liegt hinter den Musikern, die sich für das Abenteuer angemeldet haben: Einmal auf der großen Bühne zusammen mit den Berufsmusikern des Philharmonischen Orchester Lübeck musizieren. Das Programm: anspruchsvoll. Große Werke von Bizet, Verdi und Elgar. Der Spaß an der Sache: riesig. Das Konzentrationslevel: hoch. Ankommen, Instrumente auspacken, Pulte aufbauen und in ein blaues T-Shirt schlüpfen, dann ist am Nachmittag schon Probenbeginn. Endlich, mag mancher gedacht haben, endlich geht es los.

Bizet, Elgar und Verdi im Programm

Das waren die Stücke, die beim Symphonic Mob in Lübeck geprobt und aufgeführt wurden:

Georges Bizet: Pastorale und Farandole aus „L´Arlésienne-SuiteW“ Nr. 2

Edward Elgar. „Nimrod“ aus den „Enigma-Variationen“§

Giuseppe Verdi. „Va, pensiero“ – Gefangenenchor aus der Oper „Nabucco

Edward Elgar. Marsch Nr. 1 aus „Pomp and Circumstance“

Eingeladen hatte die Philharmonische Gesellschaft Lübeck. Theater und MuK unterstützten das Vorhaben gemeinsam – und das war auch notwendig. Denn die Anmeldezahlen von rund 325 Laien überstiegen die Erwartungen der Organisatoren bei weitem. „Wir haben viermal mehr Leute beisammen als bei einer vergleichbaren Veranstaltung in Berlin“, verkündete Lucy Finckh, Geigerin im Orchester und Mitorganisatorin, zu Beginn stolz. Platz ist in der MuK genug, doch die Bühne und Teile der Ränge sind mit den Instrumentengruppen proppenvoll.

Die Kunstgriffe des Dirigenten

Andreas Wolf versteht es sofort, die Musiker eine gemeinsame Sprache sprechen zu lassen. Er lässt die Stücke spielen und organisiert die Masse an Musikern klug. Mit wenigen künstlerischen Handgriffen bringt er alle Mitwirkende zum Hören: Er lässt ein Thema von einzelnen Gruppen spielen, zeigt die Wirkung der Begleitmelodie, macht auf ein Piano aufmerksam – und auf die Lust am kräftigen Forte.

Und schon beim zweiten Versuch in der Probe entsteht ein ganz neuer Klang und manche Phrase endet rund und läutet gleichzeitig die kommende Melodie ein. Erstaunte Gesichter, glückliche Musiker – auch wenn nicht jeder Ton sitzt und dann doch mal abgebrochen wird, weil eine Pause überspielt wurde. Macht nix – dazu sind ja Proben da.

„Ich arbeite wirklich wie mit einem professionellen Orchester und bin erstaunt, wie gut alle vorbereitet sind, die hier mitmachen“, sagt Wolf in der Pause. Natürlich könne man nicht so in die Tiefe gehen, wie für ein richtiges Konzert. Aber um wirklich professionelle Qualität gehe es bei dem Projekt auch nicht, sondern um Momente des gemeinsamen Musizierens. „Das alleine ist so viel wert!“

Applaus von der Kultursenatorin

Das findet auch Kultursenatorin Kathrin Weiher, die ebenso wie Bürgermeister Jan Lindenau bei der Aufführung im Publikum sitzt und bei Verdis Gefangenchor engagiert mitsingt. Auch das schafft Wolf: In Sekundenschnelle formt er aus den Zuhörern aktive Musiker, die das wohl berühmteste Chorwerk der Welt (O-Ton Wolf) aus der Oper „Nabucco“ klangvoll gestalten und dem 400 Musiker starken Orchester alles abverlangen.

Lob für ihre Kollegen auf Zeit haben auch die Berufsmusiker parat, die in den Gruppe verteilt sitzen. „Klar muss man führen, aber man bekommt auch sehr viel zurück“, sagt die Geigerin Christina Reitemeier.

Fünf Stücke ist das „Repertoire“ groß – logisch, dass die Zugaben Wiederholungen sind. Aber auch das ist wie bei einem richtigen Konzert: Beflügelt vom Applaus und getragen von der Dankbarkeit im Publikum gelingt Edward Elgars „Pomp and Circumstance“ jetzt noch frischer, an einigen Stellen präziser und endet mit dem prächtigen Schlussakkord – und wieder gibt es tosenden Applaus.

LN-Redakteur Nick Vogler nahm als Cellist am Symphonic Mob teil. Lesen Sie hier von seine Erfahrungen.

Die LN haben auch mit LIVE-Streams von dem Event berichtet:

Kurzer Eindruck vor dem Start der Show:

LIVE beim Symphonic Mob in Lübeck

Beim "Symphonic Mob" musizieren heute Laien und Profis des Lübecker Orchester gemeinsam in der Muk. Es werden mehr als 400 Musiker auf der Bühne stehen - und wir sind für euch live dabei!

Gepostet von Lübecker Nachrichten Online am Samstag, 26. Januar 2019

Während des Konzerts:

Beim "Symphonic Mob" musizierten heute Laien und Profis des Lübecker Orchester gemeinsam in der Muk.

Gepostet von Lübecker Nachrichten Online am Samstag, 26. Januar 2019

Der Schlussapplaus:

Gepostet von Lübecker Nachrichten Online am Samstag, 26. Januar 2019

Nick Vogler

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