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Kultur im Norden Szenen aus dem wahren Leben
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22:15 16.05.2014
Museumsleiterin Julia Hümme neben dem Gemälde „Die kranke Kuh“ von Georg Bergmann (1819-1870). Quelle: Fotos: Wolfgang Maxwitat
Eutin

Die Genremalerei ist eine bürgerliche Kunstform. Sujets und Stil waren auf den Geschmack des biedermeierlichen Publikums abgestimmt und somit alles andere als revolutionär. Gepflegt wurde diese Art der Malerei unter anderem an der Düsseldorfer Akademie, einer der renommiertesten Kunsthochschulen im Deutschland des 19. Jahrhunderts.

„Es sind Bilder, die Geschichten erzählen“, sagt Julia Hümme, Leiterin des Ostholstein-Museums. Die Kunsthistorikerin hat selbst über einen Maler der Düsseldorfer Schule promoviert. „Man kann in diesen Bildern spazierengehen, immer wieder neue Details erkennen. Deshalb sind sie auch für Kinder so gut geeignet. Eine liebenswerte und wertvolle Form der Malerei des 19. Jahrhunderts.“

Die 60 Gemälde, die in Eutin zu sehen sind, gehören zu den bekanntesten der Düsseldorfer Malerschule. Sie stammen aus der der Sammlung der in Bonn ansässigen Dr. Axe-Stiftung, die mit Bildern von so bekannten Düsseldorfer Größen wie Andreas und Oswald Achenbach wohl versehen ist. Diese Art der Genremalerei aus der Düsseldorfer Schule zeichnet sich durch ihre technische Perfektion aus. Die Maler wurden an der Akademie hervorragend ausgebildet, die Lichtführung etwa ist immer wieder überraschend originell, die Auffassung der Sujets ebenso. Julia Hümme: „Natürlich sind manche Bilder hart am Rande des Kitsches angesiedelt, einige sogar hinter der Grenze. Aber selbst diese Gemälden haben ihre besondere Qualität, selbst wenn es die Darstellung der Hintergrundlandschaft ist.“

Besonders beliebt beim bürgerlichen Publikum waren Szenen aus dem Landleben. Den Städtern wurden meist idyllische Panoramen gezeigt, auch komische Geschichten vermitteln einige dieser Bilder. „Manche Maler aber gehen in ihrem Naturalismus auch darüber hinaus und werden schon sanft sozialkritisch“, sagt die Museumsleiterin. „Die Darstellung der kargen Räumlichkeiten etwa, der harte Arbeitsalltag:

Das sind Themen, die weit über das Idyll hinausgehen.“ Auch die Bilder, die Szenen aus dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 thematisieren, haben nicht viel mit blinder Heldenverehrung zu tun.

Christian Sell der Ältere etwa hat eine ganze Serie von Kriegsbildern gemalt. Naturalistische Gemälde, in denen Verwundungen und sogar Verstümmelungen ebenso zu sehen sind wie die Leiden der Soldaten unter der winterlichen Witterung.

1918 hörte die zu beginn des 19. Jahrhunderts begründete Düsseldorfer Malerschule auf zu existieren. In den letzten Bildern jener Tradition, die auch in Eutin zu sehen sind, finden sich dann auch Beziehungen zum deutschen Impressionismus. Die Auflösung der Form erfasste auch die späten Düsseldorfer, der Umgang mit der Farbe änderte sich. Und dass die Genremalerei nach der alles umwälzenden Erfahrung des Ersten Weltkrieges in ihrer alten Form keine Chance und auch keine Berechtigung mehr hatte, ist eine logische Entwicklung.

Die Ausstellung in Eutin, die den treffenden Titel „Lebensbilder“ trägt, gibt einen wunderbaren Einblick einerseits in die Lebensumstände der Menschen Mitte und gegen Ende des 19. Jahrhunderts.

Andererseits zeigt diese Schau aber auch, woher die Begeisterung für Kunst stammt, die auch heute noch röhrende Hirsche am Waldesrand zeigt und die wirklich wichtigen Dinge außer Acht lässt. Aber das spricht nicht gegen die Düsseldorfer Malerschule, deren Mitglieder meist herausragend befähigte Künstler waren.

Die Ausstellung wird morgen um 11.30 Uhr eröffnet und ist bis zum 17. August zu sehen.

Künstler-Hochburg am Rhein
Düsseldorfer Malerschule ist die Bezeichung für eine Gruppe von Malern, die von 1819 bis 1918 an der Königlich-Preußischen Kunstakademie in Düsseldorf ausgebildet worden waren, dort gelehrt, von Lehrern der Kunstakademie Privatunterricht genommen oder im nahen Umfeld der Kunstakademie gewirkt hatten. Die ersten Akademiedirektoren Peter von Cornelius und Wilhelm von Schadow prägten die anfänglich engere Ausrichtung der Lehranstalt im Sinne einer Künstlergemeinschaft. Vor allem unter Schadow, Direktor von 1826 bis 1859, wurde die Düsseldorfer Akademie zu einer international beachteten Kunsthochschule, die auch auf junge Künstler aus dem Ausland eine große Anziehungskraft ausübte.Einen thematischen Schwerpunkt bildete die Historienmalerei. Die Künstler der Genreklasse beschäftigten sich unter anderem mit Themen sozialer Problematik, bezogen politisch Stellung zu den gesellschaftlichen Veränderungen und der wirtschaftlichen Rezession der 1840er Jahre, auch mit den Mitteln der Ironie und der Parodie. Intensive Verflechtungen bestanden zu Künstlern aus den Vereinigten Staaten, insbesondere zu Malern der Hudson River School.
1909 gründeten einige Maler der Landschaftsklasse den „Sonderbund“, der versuchte, den Kontakt mit dem französischen Impressionismus zu vertiefen.

Jürgen Feldhoff

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